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Konzert von White Maze: Normalität kehrt bei Wachtberger Kulturwochen zurück

Konzert von White Maze : Normalität kehrt bei Wachtberger Kulturwochen zurück

Die Band White Maze spielt bei Rock im Hof vor 150 Personen. Es sind nur halb so viele Zuschauer dabei, wie vor der Pandemie, weil die Veranstalter auf Sicherheit setzen. Den Besuchern ist es egal. So haben sie den Abend erlebt.

Vor einigen Wochen wäre eine Veranstaltung wie Rock im Hof noch nicht denkbar gewesen. 150 Besucher drängen sich im Hof des alten Fachwerkhauses von Petra Küper und Dirk Reber in Niederbachem, die meisten von ihnen ohne Maske, alle bestens gelaunt. Endlich wieder ein Stück Normalität, endlich wieder andere Leute treffen, endlich wieder gemeinsam lachen und feiern und Musik hören. Alles so wie immer. Das gilt auch für die Musik: An diesem Abend spielen White Maze auf, so wie jedes Jahr seit 2017 (mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020). Indie-Pop mit gelegentlichen Funk- und Americana-Einschlägen, damit können die meisten Besucher irgendwas anfangen.

Viel wichtiger aber ist, dass die Band aus der Gegend stammt. Man kennt sich also irgendwie. „Das macht in meinen Augen den Charme dieser Veranstaltung aus“, sagt Besucherin Ulla Naylor. „Die Atmosphäre ist sehr herzlich, alle sind sich nah, es herrscht fast eine familiäre Stimmung. Ich finde das großartig – für mich ist es das erste Mal seit anderthalb Jahren, dass ich wieder so viele Leute sehe.“

Rock im Hof findet im Rahmen der Wachtberger Kulturwochen statt und hat sich dort längst etabliert. „Entstanden ist die Idee vor einigen Jahren, als ich mit den Musikern von White Maze zusammensaß und die beklagten, dass es nur wenige Auftrittsmöglichkeiten für eine Hobbyband wie sie gibt“, erinnert sich Dirk Reber. „Sie fragten mich, ob man nicht unseren Innenhof nutzen könne, und ich habe spontan zugesagt. Seitdem ist das ein Selbstläufer – vor Corona hatten wir bis zu 300 Besucher hier.“ In diesem Jahr hatte Rieber sich allerdings bewusst dazu entschlossen, die Zahlen zu halbieren. „Am wichtigsten ist ja, dass die Gäste sich wohl und sicher fühlen“, sagt er, „und insofern wollten wir ihnen auch ein wenig Platz geben.“ Eintritt nimmt Reber nicht, verdient nur über den Verkauf von Speisen und Getränken. „Ich bin schon zufrieden, wenn die Kosten wieder reinkommen“, sagt er. „Alles andere läuft ehrenamtlich.“

Im Hof drehen White Maze derweil auf. Anfangs sitzt noch nicht jeder Ton, aber angesichts der Einschränkungen der letzten Monate ist dies nicht weiter verwunderlich. „Unser letzte Konzert haben wir im Dezember 2019 gespielt“, hatte sich Gitarrist Matthias Mugge kurz zuvor erinnert, „und geprobt haben wir zuletzt auch nur drei Mal. Immerhin haben wir alle Eltern in ihren 80ern, da will man kein unnötiges Risiko eingehen.“ Nach und nach kommt die Band aber auf Betriebstemperatur. Vor allem Bassist Ralf Engel mimt die Rampensau, läuft immer wieder so weit ins Publikum, wie das Kabel seines Instruments es zulässt, und wirft sich genüsslich in eine Rock-Pose nach der anderen, so wie man das von einer Formation erwartet, die auf WDR 2 zur Besten Band des Westens gekürt wurde.

„Welche Kalenderwoche war das? 23?“, schränkt Mugge bei einer seiner Moderationen lachend ein. „Und es waren ja nur drei Kandidaten.“ Egal. Jubel für die Auszeichnung gibt es trotzdem. Die Euphorie des Publikums feuert das Quartett weiter an, spätestens bei ihrem Corona-Song „Daydream“ ist es auf Hochtouren. „Das ist Musik, die verbindet“, freut sich Verena Heyd, die die Veranstaltung ebenfalls genießt. „Am Anfang war ich ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch, wie sich das nach Monaten im Home Office anfühlt, aber alles wirkt so natürlich, dass es einfach eine Freude ist.“ Ulla Naylor nickt. „Ich denke, dass wir in der Pandemie gelernt haben, mehr im Moment zu leben und einen Tag wie heute zu nutzen, weil keiner von uns mit Sicherheit sagen kann, mit welchen Einschränkungen wir in einer Woche klarkommen müssen.“