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Firma in der Burg Gudenau: Omas Salatsauce als Geschäftsidee

Firma in der Burg Gudenau : Omas Salatsauce als Geschäftsidee

Die Landpartie hat „Gabriellas Salatsauce“ bekannt gemacht. Gabriele und Helmut Claus haben ihre Firma auf einem einzigen Rezept aufgebaut und liefern inzwischen an über 80 Händler.

In der Vorburg der Burg Gudenau in Villip ist es angenehm kühl. Hitze mag das Produkt auch nicht, das Gabriele und Helmut Claus vertreiben. Rapsöl, Sahne, Senf, natürliches Aroma, Apfelessig – fertig ist „Gabriellas-Salatsauce“, erfunden in den 1920er Jahren von Großmutter Emilie. Seit 2004 stellt das Ehepaar – er Fotograf, sie Designerin maßgeschneiderter Nachtwäsche – die Sauce für den Verkauf her.

Anfangs war es eher ein Hobby, aber der Slogan „Wer sie einmal probiert hat, möchte sie nicht mehr missen“ ist zugleich das Erfolgsrezept der Gründer. Gabriele und Helmut Claus machten keine Werbung, sie stellten ihr Einzelprodukt bei Landpartie-Events vor und ließen die Leute probieren. Gelbe Sauce mit einem Stückchen Brot, dazu Rezepttipps und Gespräche über gutes Essen und schöne Dinge. Inzwischen ist die dunkelgrüne Flasche mit dem orangenen Etikett im Sortiment von über 80 Händlern, darunter der Versand Torquato.

„Ich kannte die Sauce von meiner Oma. Sie hatte einen traumhaften Garten außerhalb von Frankfurt, wo wir am Wochenende hinfuhren“, erzählt Gabriele Claus. Oma Emilie sagte den Kindern: „Geh mal in den Garten, auf was du Lust hast.“ Zu frisch geernteten Kohlrabi oder Salat mischte sie die Sauce, die Enkelin Gabriele zunächst privat nachkochte.

Firmengründung mit über 60

Ein Gastronom aus dem Freundeskreis brachte sie auf die Idee, professionell abzufüllen. „Wir waren da schon über 60 und die Banken wollten uns nicht unter die Arme greifen“, erinnert sich Gabriele Claus. Also fing sie klein an, zunächst in der heimischen Küche in Köln, dann im ehemaligen Fotolabor ihres Mannes. Was unterscheidet Hobbyküche und professionelle Produktion? „Die Hauptschwierigkeit ist die Haltbarkeit. Wir müssen die Sauce auf 85 Grad erhitzen, um eventuelle Mikroorganismen abzutöten, aber sie sollte genauso schmecken wie das Original“, sagt Helmut Claus.

Bei der Landpartie kommen die Gründer mit ihren Kunden in Kontakt. „Unsere Zielgruppe sind Genussmenschen, die bereit sind, etwas mehr Geld auszugeben“, sagte die begeisterte Hobbyköchin Claus, die seit dem Umzug nach Wachtberg gerne bei Schneiders Obsthof und Obsthof Cremerius einkauft. „Ich habe gerade Artischocken bestellt, das passt bei dem Wetter“, sagt sie, denn die Artischocken mit Dip sind ein Gabriella-Klassiker. Auch zum Linsensalat passt die senfige Note, oder zu Kartoffeln und Fleisch.

Abgefüllt in Weinflaschen aus Frankreich

Wohnsitz und Firmensitz des Familienunternehmens ist Wachtberg, produziert wird in Köln. Gerade hat das Ehepaar den Preis für die 0,75-Liter-Flasche auf 17 Euro erhöht, die kleinen 375-Milliliter-Flaschen sind zurzeit nicht lieferbar. Durch den Krieg in der Ukraine waren die Kosten für einen Liter erstklassiges Rapsöl zwischenzeitlich von 95 Cent auf 4,95 Euro gestiegen. Hinzu kommen die hohen Energiepreise, die dazu führen, dass die Glasbläserei in Frankreich zurzeit nur die großen Weinflaschen in Serie produziert. „Wir werden im kommenden Jahr die Flaschen umstellen müssen“, fürchtet Helmut Claus.

Das Sortiment ist übersichtlich geblieben, es gibt inzwischen eine laktosefreie Sauce und „Gabriellas Senf“ pur. Bald soll außerdem eine neue Estragonsauce in Produktion gehen. Probiert wird nach wie vor bei der Landpartie, der nächste Termin ist vom 8. bis zum 11. September auf Gut Barbarastein zwischen Köln und Düsseldorf.