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Baumaßnahmen in Niederbachem: Pflaster statt Asphalt für die Mehlemer Straße

Baumaßnahmen in Niederbachem : Pflaster statt Asphalt für die Mehlemer Straße

Für 1,1 Millionen Euro gestaltet die Gemeinde Wachtberg die Mehlemer Straße zwischen Kita und Schule neu. Am benachbarten Bach entsteht ein Picknick-Platz samt Boulebahn. Zu Beginn gab es im Netz Diskussionen um eine Baumfällung.

Der Stein des Anstoßes ist in Wachtberg aus Holz. Bis zum Beginn des Ausbaus der Mehlemer Straße stand nämlich auf der Ecke zum Langenbergsweg eine Vogelkirsche. Als diese für die Bauarbeiten fiel, war der Aufschrei der Bürger auf Facebook groß. Die Initiative Parents for Future Wachtberg äußerte in einer Pressemitteilung nicht nur Unverständnis, sondern wertete das Ganze als „fundamentalen Irrtum“. Denn der Baum hätte, so die Parents, gemäß Ausführungsplanung eigentlich nur um 1,50 Meter versetzt werden sollen.

„Hätte“, betont Christian Pohl, Fachbereichsleiter Infrastruktur bei der Gemeinde Wachtberg, bei einem Ortstermin. „Der aktuellste Stand war da noch nicht ins Ratsinformationssystem eingearbeitet und die Ausschusssitzung wegen Corona ja abgesagt“, so Pohl. Der Gutachter habe 2020 festgestellt, dass die teils offen liegenden Wurzeln schon Schaden genommen hätten und der Standort „wenig optimal“ gewesen sei. Neben einer besseren Geländegestaltung kann die Gemeinde aus einem weiteren Grund auf diesen einen Baum verzichten: „In der Straße und am neu entstehenden Bachplatz pflanzen wir 21 Bäume neu.“

Derzeit finden Kanalarbeiten statt

Die Maßnahmen sind Teil des Integrierten Handlungskonzeptes (IHK) für Niederbachem und werden vom Land NRW gefördert. Sie betreffen die Mehlemer Straße im Abschnitt zwischen Mühlenstraße und Gereonstraße sowie in letztgenannter auch den Bereich in Höhe der Hausnummern 10a, 12 und 14. Im ersten Bauabschnitt erhält die Mehlemer Straße sozusagen ein neues Gesicht, mit einer kleinen Treppenanlage als Entree hoch zur Schule, die die Höhenunterschiede abfängt, Pflastersteinen statt Asphaltdecke, neuer Beleuchtung, üppigen Baumscheiben und weiterhin 22 Parkplätzen.

Zunächst jedoch ist der Tiefbau gefragt. Laut Pohl müssen Kanalschächte ersetzt werden, was angesichts diverser Bagger die Kinder der kommunalen Kita Glühwürmchen sehr erfreut. Anders als 2015 einmal geplant, wird es keine Hol- und Bringzone für Schule und Kitas geben. „Es wäre viel mehr Fläche versiegelt worden und zudem hätte der Vorgarten der Kita Drachenhöhle geopfert werden müssen“, erklärt Pohl. Was Leitung und Elterninitiative wenig glücklich gestimmt habe. 

Fränkische Mauer kommt an Alte Schule

Ebenfalls „nachgesteuert zugunsten der Nutzer“, wie Pohl es beschreibt, hat die Gemeinde an der Alten Schule. Diese nutzen derzeit die „Glühwürmchen“ und der Heimatverein. „Wir schaffen eine behindertengerechte Rampe und bauen neben der Treppe eine fränkische Mauer wieder auf“, kündigt Pohl an. Die originalen Steine dieser Mauer hatte der Heimatverein gesichert.

„Bei Bauarbeiten im Olligsiefen sind die Steine eines fränkischen Grubenhauses aus dem 8. Jahrhundert entdeckt worden“, erzählt auf Anfrage Vorsitzender Walter Töpner. Nachdem die Archäologen sie begutachtet hatten, kamen sie zur Zwischenlagerung auf das Feld eines Bauern. „Nun freuen wir uns, sie als Zeichen der langen Besiedlungsgeschichte Niederbachems bald wieder aufbauen zu dürfen“, so Töpner.

Parallel zur Mehlemer Straße haben die Arbeiter auch schon mit dem neuen Bachplatz an der Brücke der Gereonstraße begonnen. Die Fläche, die bislang eine Wiese war, gehört laut Pohl den Gemeindewerken. Weshalb sie sich wohl für die Umgestaltung als Platz für die Bürger anbot. „Es werden eine Boulebahn und ein Picknick-Platz entstehen“, so der Chef-Planer aus dem Rathaus.

Anlieger müssen sich an Straßenausbaukosten beteiligen

Interessanter Randaspekt: Erstmals wird ein kleiner Teil des Mehlemer Bachs gewissermaßen geöffnet: So soll es Bänke direkt am Ufer geben. „Durch die Umgestaltung am Bach erhalten wir sogar mehr Retentionsfläche und damit mehr Platz für Hochwasser“, führt Pohl aus. Als i-Tüpfelchen kommt eine Sitzmauer hinzu. Der kleine Pfad, der als Abkürzung zu Schule und Kita dient, erhält eine neue Asphaltdecke. 

Blieben die Kosten. Die Gemeinde rechnet nach jetzigem Stand mit 1,1 Millionen Euro. „Allerdings sind nur 740 000 Euro förderfähig, so dass die Gemeinde den Rest tragen muss“, sagt Pohl. Den Willen dazu hatte der Rat im Juni 2020 bekundet. Zu Kasse gebeten werden für den Straßenausbau auch die Anlieger der Mehlemer Straße. „Die vom Landtag beschlossene Entlastung greift leider nicht, weil die Maßnahme da bereits geplant war“, so Pohl. Wie viel auf die Anlieger zukommt, zu denen auch die Gemeinde selbst zählt, kann er noch nicht abschätzen. Voraussichtlich im März 2022 wissen alle Seiten mehr.