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Rheinische Apfelroute in Wachtberg: Zwischen Erdbeerbeeten und Blühstreifen

Die Apfelroute im Drachenfelser Ländchen : Zwischen Erdbeerbeeten und Blühstreifen

Entlang der rheinischen Apfelroute in den Wachtberger Obstplantagen können Spaziergänger und Fahrradfahrer sehen, wie die Bauern Landwirtschaft und Naturschutz in Einklang bringen.

Die Feldlerche hat sich inzwischen rar gemacht, eine Folge der intensiven Landwirtschaft, kritisieren Naturschützer. Der Vogel ist auf offene strukturreiche Landschaften spezialisiert und Bodenbrüter. Deshalb benötigt er auch Feldflächen, die nicht gemäht, gespritzt oder abgeerntet werden. In NRW kommt die Feldlerche noch vergleichsweise oft vor, sagt Monika Hachtel von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft, die gerade einen dieser Vögel beim Obsthof von Bauer Johannes Schwind beobachtet hat.

Derzeit blühen die Senfpflanzen

Schwinds Hof liegt am Rand der rheinischen Apfelroute, er hat eine kleine Fahrradstation aufgebaut. Man kann dort eine Rast einlegen, den Trinkwasservorrat auffrischen, vielleicht frisch geerntete Erdbeeren aus dem Selbstbedienungsladen naschen und dabei auf den Mix aus Folientunneln und Blühflächen auf seinen Feldern blicken. Dort blühen derzeit Senfpflanzen, demnächst gehen die Leguminosen auf, die Hülsenfrüchtler, die der Familienbetrieb in vierter Generation auf Flächen gepflanzt hat, auf denen keine Erdbeerkulturen wachsen. In anderen Jahren wird stattdessen auch Tagetes gesetzt, ebenfalls eine schöne Blütenpracht, außerdem hilft die Staude bei der Bekämpfung von Nematoden, also Fadenwürmern, die die Erdbeerwurzeln befallen.

Ein Dutzend Obstbauern arbeiten mit den Natuschutzbund in Wachtberg zusammen

So eine Kombination von Landwirtschaft und Naturschutzmaßnahmen findet man überall auf der Strecke der Apfelroute. Alleine in Wachtberg arbeitet ein gutes Dutzend Obstbauern mit dem Naturschutzbund zusammen, sagt Biologin Hachtel. Schwind lässt sich außerdem von der Landwirtschaftskammer NRW beraten. Er wechselt seine Kulturflächen jährlich, sät auch Gewächse aus, die Stickstoff binden und diesen im Herbst wieder an den Boden abgeben. Zudem wirken sie der Bodenerosion entgegen. Schwind hat Insektenhotels, Falken- und Singvogelbrutkästen aufgehängt, Totholzhaufen errichtet, an einigen Plantagenzäunen wachsen Rosensträucher als Bestäubermagneten.

Blühflächen dienen oft als Fotomotive

 Monika Hachtel lobt, dass die Obstbauern auch mal einen Wildapfelbaum stehen lassen.
Monika Hachtel lobt, dass die Obstbauern auch mal einen Wildapfelbaum stehen lassen. Foto: Stefan Knopp

Das macht der Bauer nicht nur der Natur zuliebe. Man müsse schlichtweg auch den Kunden mitnehmen, sagt er, und das erreicht man zum Beispiel über schöne Blühflächen, die oft als Fotomotive herhalten. Das habe man vielleicht in den letzten 30 Jahren ein wenig aus den Augen verloren, „weil es immer darum ging, dass wir Lebensmittel produzieren mussten für die Gesellschaft“. Dafür wurden die Betriebe mit großen Hallen aus den Orten ins Feld ausgesiedelt. „Aber: Der Verbraucher, der Bewohner aus dem Ort, ist ein bisschen links liegen gelassen worden. Wir müssen viel mehr tun, dass wir eine Art Aufklärung betreiben“, meint Schwind.

Umdenken bei den Bauern im Ländchen

Das Wirtschaftliche könne er aber nicht außer Acht lassen, deshalb sehe er den rein ökologischen Anbau skeptisch. Die Folientunnel würden verhindern, dass die Erdbeeren bei zu viel Regen zu faulen beginnen. Aber das ist Plastik, ebenso wie die Mulchfolien – obwohl die, mit denen er arbeitet, mit der Zeit verrotten – und Wurzeltuch für Johannesbeeren. Ohne das und ohne Herbizide wäre der Ertrag in Gefahr, Unkrauthacken würde auch die Wurzeln der Kulturen angreifen – abgesehen davon, dass es teuer ist, weil diese Handarbeit extra bezahlt werden muss. Dann würde etwa der Kilopreis für Erdbeeren plötzlich stark ansteigen, fraglich, wie lange die Kundschaft das mitmacht.

Das Umdenken bei vielen Bauern hat auch dazu geführt, dass inzwischen Blühstreifen die Wegesränder säumen, die früher gnadenlos abgemäht wurden. Zwischen herkömmlichen Gräsern, Disteln und Brennnesseln findet man zum Beispiel den Rainfarn, die Schafgarbe, Winden und Malven, Natterkopf und Spitzwegerich. Wer nicht mit dem Rad unterwegs sein möchte, kann sich das auf dem Feld zwischen Werthhoven und Züllighoven anschauen und nebenbei die Aussicht aufs Siebengebirge genießen.

Totholzhaufen als Heimat für Wildbienen

Ausgangs- und Endpunkt für einen solchen Spaziergang durch die Plantagen könnte die Kühlhalle von Bauer Hubertus Wolf am Züllighovener Weg sein. Dort steht unter einer großen Linde eine Bank vor einem Wegekreuz, ein schöner schattiger Rastplatz. Wolf hat sich, wie Schwind auch, mit dem Nabu darauf geeinigt, Blühstreifen stehen zu lassen und insektenfreundliche Gehölze zwischen den Obstbäumen zu pflanzen, die nicht vom Glyphosat angegriffen werden. Dieser in Verruf geratene Unkrautvernichter hält auch Wühlmäuse fern.

Hin und wieder sieht man an den Zäunen auch Wildapfelbäumchen. Und auf einer Fläche hat Wolf einen Totholzhaufen errichtet, als Heimat für Wildbienen, den Hirschkäfer und andere Insekten, dadurch Nahrungsquelle für viele Vögel. Und unter dem Dach der Kühlhalle lässt Bauer Wolf auch Turmfalken und Schleiereulen brüten. Die Falkenküken kann man sich über die Webcam des Nabu auch anschauen: nrw.nabu.de.

Der GA stellt in lockerer Folge besondere Naturlandschaften in Bad Godesberg und Wachtberg vor.