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Kinder und Verkehr: Sicher durch die dunkle Jahreszeit

Kinder und Verkehr : Sicher durch die dunkle Jahreszeit

Was ist besser - ein weißer oder ein schwarzer Schal für die Puppe mit den roten Haaren? Was zunächst wie eine Frage nach modischer Kompetenz anmutet, kann womöglich über ein Kinderleben entscheiden. Vor dunkler Kleidung in der "Jahreszeit von Dämmerung und Dunkelheit" warnt Mobilitätsexpertin Cornelia Brodeßer bei ihrem Besuch im Familienzentrum Drachenhöhle in Wachtberg.

Die Kinder entscheiden sich hier zwar einstimmig für den weißen Schal - ein Blick auf die Garderobe beweist jedoch, dass das Wissen der Kinder um die Vorzüge heller Kleidung bei der Kaufentscheidung noch nicht zum Tragen kommt: Auf Kinderaugenhöhe hängen fast ausnahmslos dunkelblaue, graue und schwarze Jacken, Schals und Mützen.

Genau deshalb will die Expertin Kinder mit den Gefahren der Dunkelheit vertraut machen - auf spielerische Art. Dazu hatte sie nicht nur die rothaarige Puppe und ihre zwei Schals dabei, sondern auch ein großes Transparent mit einer Ampel und eine hutschachtelgroße Blackbox.

In Letztere schauen die Kinder zuerst ohne, dann mit dem Licht einer Taschenlampe durch die Gucklöcher. In der Box hängen mehrere Gegenstände, von denen die Kinder ohne Taschenlampe nur den gelben, runden Reflektionsanhänger erkennen. Erst im Licht sind die anderen Gegenstände zu sehen.

Auch "Reflexion zum Anziehen" hat die Expertin dabei: Thaika (5) darf einmal ein sogenanntes "Reflexionsdreieck" überziehen. "Und jetzt leuchtest du wie ein Glühwürmchen", sagt Cornelia Brodeßer. Sie schenkt allen Kindern anschließend auch etwas, das im Dunkeln leuchtet: reflektierende Eisbäraufkleber für ihre Kleidung und Taschen.

Für die Eltern hat die Expertin ein Reaktionsmessgerät dabei, das nach Einstellung unterschiedlicher Wetterverhältnisse und Geschwindigkeiten den Autobremsweg berechnet. Knapp 20 Meter bei einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern und winterlichen Straßenverhältnissen - so das Ergebnis einer Teilnehmerin.

Obwohl Brodeßer das als ziemlich schnelle Reaktion einschätzt, ist die Teilnehmerin überrascht: "Ich hätte gedacht, dass ich maximal sieben oder acht Meter brauche, um ganz zu stehen." Brodeßer bietet verschiedene Veranstaltungen für Eltern und Kinder an, zum Beispiel mit einem Sicherheitsparcours für Kinder.

Zu den Themen für die Eltern gehört auch die Kindersicherung im Auto, denn die meisten Kinder verunglücken im Straßenverkehr als Beifahrer. Außerdem ist ihr dabei das Vertrautmachen der Kinder mit ihrem Schulweg ein Anliegen, da die meisten Unfälle von Kindern als Fußgänger oder Radfahrer im Umfeld ihres Zuhauses passieren.

Ihre Hinweise und Ratschläge seien den meisten Erwachsenen zwar bekannt. Doch sie immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, schade nicht, meint die Expertin. Gerade, um Eltern auf ihre Vorbildfunktion aufmerksam zu machen. Und Vorbilder seien sie für die Kinder immer, sagt Brodeßer: "Kinder unterscheiden nicht, ob es die Großen gerade mal eilig haben."

Cornelia Brodeßer lebt in Wachtberg. Sie ist erreichbar unter Tel. 0228/34 25 09 oder per Mail: brodesser-wachtberg@t-online.de.

Ein umfangreiches Programm zum Thema Verkehrssicherheit für Schulen und Kindergärten bietet auch die Verkehrswacht Bonn an. Weitere Infos dazu im Internet: www.deutsche-verkehrswacht.de.

Tipps für Eltern

Reflektierende Kleidung ist wichtig, denn in der dunklen Jahreszeit sind Kinder im Straßenverkehr besonders schlecht zu sehen. Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder bereits von weitem gut zu erkennen sind. Während sie mit normaler Kleidung erst unter 30 Meter zu sehen sind, erhöht sich diese Entfernung bei reflektierender Kleidung auf 160 Meter.

Jacken, Mäntel und Anoraks sollten möglichst hell sein. Sie können auch mit Reflektoren ausgestattet werden. Ebenso die Mützen, Helme, Ranzen und Taschen der Kinder. Für regnerische Tage im Winter, die eine zusätzliche Gefahrenquelle darstellen, gibt es reflektierende Schirme und leuchtende Capes.

"Blinkies" können sich Kinder umhängen und erhöhen ebenfalls die Sichtbarkeit. Fahren die Kinder Rad, empfehlen sich reflektierende Bänder für Arme und Fußgelenke.