Aktuell ist Brutzeit So geht man mit jungen Wildtieren um

Wachtberg · Aktuell gibt es viele junge Wildtiere, auch die Vögel haben Nachwuchs. Gerade junge Tiere wirken oft hilflos. Experten geben Tipps, wie man ihnen am besten helfen kann.

Nicht alle Jungvögel brauchen Hilfe.

Nicht alle Jungvögel brauchen Hilfe.

Foto: picture-alliance / OKAPIA KG, Ge/Karl Gottfried Vock

Auf den ersten Blick scheint es das richtige zu sein, hilflosen Tieren wie Vögeln, Kaninchen oder Rehkitzen zu helfen. Vor allem wenn die Tiere sehr jung sind, haben einige den Impuls, sie zu streicheln und zu versorgen. Aber genau davor warnen Experten. So wie Johannes Westarb, Leiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes des Rhein-Sieg-Kreises.

„Wer junge Wildtiere schützen möchte, darf die Jungtiere nicht anfassen“, betont Westarb. Das gelte genauso für befiederte Jungvögel, die man auch Ästlinge nennt. Die Ästlingsphase, so der Nabu, ist der Zeitraum, in dem die Jungvögel noch nicht voll flugfähig sind, sich aber bereits außerhalb des Nestes aufhalten.

Dabei sei es in der Natur normal, „dass die Jungen von ihren Eltern kurzzeitig alleingelassen werden“. In diesem Fall sollte man das Jungtier auf keinen Fall anfassen, so Westarb. Dann nämlich würde es den Geruch der Menschen annehmen. Die Folge: Die Eltern erkennen laut Westarb so ihre Kinder nicht mehr wieder und stoßen sie ab.

Experte rät von Spontanhandlungen ab

Anders verhält es sich, wenn ein Wildtier verletzt aufgefunden wird. Dann sei es notwendig, Hilfe zu leisten. Allerdings empfiehlt Westarb, auf keinen Fall spontan zu handeln, sondern immer fachkundigen Rat einzuholen. Tipps zum richtigen Verhalten gebe es „beim Veterinäramt, dem nächstgelegenen Tierarzt, dem Jagdpächter oder dem Forstamt“. Darüber hinaus müsse man sich im Klaren sein, dass derjenige, der ein Wildtier aufnimmt, auch für dessen art-, fach-, und tierschutzgerechte Aufzucht, Haltung, Unterbringung, Auswilderung und tierärztliche Versorgung verantwortlich ist, so Westarb. Und: „Eine dauerhafte Haltung von Wildtieren ist verboten.“

Wann soll man denn seiner Meinung nach eingreifen? Jungvögel bilden eine Ausnahme, so Westarb. Hier müsse man zwischen „Ästlingen“ und „Nestlingen“ unterscheiden. Ästlinge könne man daran erkennen, dass sie bereits ein Federkleid tragen und mit einem Vogelruf auf sich aufmerksam machen. So informierten sie ihre Eltern über ihre Position, auf menschliche Hilfe seien sie nicht angewiesen.

Unbefiederte Nestlinge können Hilfe brauchen

Anders ist das laut Westarb bei den unbefiederten Nestlingen. Diese sollten ins Nest zurückgesetzt werden. Das bestätigt auch Lutz Schorn von der Kreisjägerschaft Bonn. Außerhalb des Nestes würden die Nestlinge nicht lange überleben. Allerdings sollte man sie nicht mit der bloßen Hand, sondern mit einem Taschentuch anfassen und vorsichtig zurücksetzen.

Generell aber empfiehlt er, die Finger von den Wildtieren zu lassen. Viele Tierliebhaber seien eher der Natur entfremdet und städtisch geprägt, sie reagierten daher emotional. Sie fänden Jungtiere in Gärten, an Straßenrändern oder Wohngebieten. Die meisten Tiere seien schockiert und hätten große Angst vor den Menschen, wenn sie gefunden würden. Daher sollte man sie lieber in Ruhe lassen – oder sie in seltenen Fällen maximal mit Handschuhen anfassen, am besten abdecken und aus der Gefahrensituation bringen. Andernfalls könnte das Tier unkontrolliert flüchten, was noch gefährlicher für es sei.

Remagener Tierheim nimmt keine Wildtiere auf

Das für Wachtberg zuständige Remagener Tierheim kann keine Wildtiere aufnehmen. Grund dafür ist laut eines Mitarbeiters, dass das Tierheim keine ausgewiesene Wildtierquarantäne haben. Bei Wildtiernotfällen solle man die Feuerwehr benachrichtigen.

Auch Jana Romero von der Naturschutzorganisation Nabu berichtet von vielen gutmütigen, jedoch unwissenden Helfenden, die Küken in der Geschäftsstelle ablieferten – ohne zu wissen, „dass nicht jedes Tier Hilfe braucht“. Aktuell sei Brutzeit, dadurch habe man viel zu tun. Sie verweist außerdem auf die sogenannten Balkonenten, die jetzt im Frühling in Pflanzenkübeln auf den Balkonen nisten und daher ihren Namen erhalten haben. Dort sei Hilfe gefragt. Die jungen Enten nämlich bräuchten ein Ententaxi zum nächsten Gewässer. Vom Balkon kommen sie nämlich nicht eigenständig herunter.