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An der Wurzel des Vulkans: Steine des Kölner Doms stammen aus Berkum

An der Wurzel des Vulkans : Steine des Kölner Doms stammen aus Berkum

Im Steinbruch in Berkum ließen die Baumeister Material für den Kölner Dom abbauen. Eine Führung dorthin gibt 30 Besuchern einen seltenen Einblick.

Netterweise hatte Gerrit Luedtke von der Pferdepension Domsteinbruch die Fläche gemäht, nach der sein Hof benannt ist. Ansonsten hätten sich die Besucher am Sonntag wohl durch mannshohes Gras arbeiten müssen. Denn dorthin wurden zwei Führungen angeboten – noch dazu unter fachkundiger Leitung. Ein seltenes Erlebnis, da der Steinbruch auf Privatgelände liegt. Der Geologe Stefan Thomas und der Ingenieur Thomas Schumacher von der Kölner Dombauhütte erläuterten vor Ort die Besonderheiten.

Dafür umrundeten die jeweils rund 30 Teilnehmer zunächst den Hof, dahinter öffnet sich ein runder Bereich, umgeben von Felswänden, denen teilweise anzusehen ist, dass sie von Menschen bearbeitet wurden. Der Fels ist vergleichsweise glatt, weist eckige Löcher und waagerechte Kerben auf. Hier wurde Trachyt abgebaut, zum Rhein transportiert und dann per Schiff nach Köln gebracht, wo das Gestein zurechtgehauen und beim Weiter- und Ausbau des Kölner Doms verwendet wurde.

Zu diesem Zweck wurde der Steinbruch Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt, aber die Kölner waren nicht die ersten dort. „Vulkanische Gesteine sind schon zu Römerzeiten abgebaut worden“, erklärte Schumacher. Allerdings schien das Wissen um die Brauchbarkeit des Berkumer Trachyts danach in Vergessenheit geraten zu sein. „Die Franken waren keine Steinbauer.“

Auf der Suche nach Alternativen

Für den Bau des Doms hatte sich der erste Baumeister Gerhard den Drachenfelstrachyt ausgeguckt, und dort wurde lange Zeit fleißig abgetragen. Bei Wiederaufnahme der Arbeiten um 1820 wollte man dort auch weitermachen, durfte aber an den Felsen auf der Kuppe nicht heran: Der damalige Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. habe das untersagt, um nicht die Ruine auf dem Drachenfels zu gefährden – sehr zum Verdruss von Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner. Auf der Suche nach Alternativen schlug der Bonner Geologe Johann Jacob Noeggerath vor, im Drachenfelser Ländchen zu suchen.

Denn dort, erläuterte Thomas, war das gleiche vulkanische Gestein zu finden wie auf der rechten Rheinseite. Vor 24 oder 25 Millionen Jahren war die ganze Region Vulkangebiet, es gab einen Ausbruch von plinianischen Ausmaßen – Plinius hatte einst den Ausbruch des Vesuv geschildert –, also massiv und explosionsartig, mit einer Aschewolke, die sich in der Umgebung herabsenkte und später zu Tuffgestein wurde, gefolgt von quarzhaltiger Lava. Der Berg in Berkum sei deutlich höher gewesen, so der Geologe. „Wir befinden uns hier an der Wurzel des Vulkans.“

Drei oder vier Prozent in Dom verbaut

Aber das linksrheinische Gestein unterschied sich von dem rechtsrheinischen in Details: Die Sanidinkristalle darin, die entstehen, wenn das Magma vor dem Ausbruch nur langsam an die Oberfläche kommt, sind im Drachenfelstrachyt größer – in  Berkum hatte es das flüssige Gestein eiliger, das Erdinnere zu verlassen. Für den Dombau machte das aber keinen Unterschied. Allerdings gibt Schumacher auch zu, dass allenfalls drei oder vier Prozent des im Dom verbauten Gesteins aus diesem Steinbruch kamen.

Abgebaut wurde von 1837 bis in die 1870er-Jahre – für die lange Geschichte des Dombaus zu Köln ein sehr kurzer Zeitraum. Die Arbeiter nutzten Schwarzpulver, um den Fels aus der Wand zu brechen, und bearbeiteten ihn anschließend manuell, ein Knochenjob. Nach Zwirners Tod 1861 wurde der Steinbruch nach und nach heruntergewirtschaftet, mit Erfindung der Eisenbahn gab es andere Transportmöglichkeiten auch von weiter weg.

Schumacher und Thomas stellten auch andere Gesteinsarten vor, die zum Teil im Kölner Dom verbaut sind – insgesamt 50 verschiedene Natursteinarten wurden seit der Grundsteinlegung verwendet. Heute stammt der Trachyt für Ausbesserungen und Restaurierungen aus Monte Merlo in Norditalien.