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Klärwerke in Wachtberg: Täglicher Kampf gegen Q-Tips und Feuchttücher

Klärwerke in Wachtberg : Täglicher Kampf gegen Q-Tips und Feuchttücher

Wolfgang Köhler kümmert sich seit 40 Jahren um die Reinigung des Abwassers der Wachtberger. Mit seinem Team ist der Betriebsleiter zuständig für drei Klärwerke. Q-Tips und Feuchttücher können für die Pumpen gefährlich werden.

Wenn Wolfgang Köhler in Urlaub fährt, kennt er eine Sache danach ganz genau: die dortige Kläranlage nebst Belegschaft. „Meine Frau hat sich dran gewöhnt, dass ich mich an einem Tag verkrümele“, sagt der 62-Jährige und schmunzelt. Ein seltsames Hobby, könnte man meinen, aber für den Villiprotter ist es Leidenschaft und Beruf zugleich. Im Juni 1981 trat Köhler seinen Dienst als Klärwerker bei der Gemeinde Wachtberg an.

„Die suchten einen Elektriker, da hab‘ ich mich gemeldet“, erzählt er in seinem Büro in der Pecher Anlage. Heute sei ein vorher erlernter handwerklicher Beruf ebenfalls noch von Vorteil. Schnell absolvierte er seine Grundausbildung und hängte parallel zum Job die dreijährige Lehre zum Ver- und Entsorger an. Seit 1986 hat Köhler als Betriebsleiter die Oberaufsicht über die Wachtberger Kläranlagen. Aktuell gibt es drei: die Pecher, die das Abwasser von Pech, Villip, Villiprott und Holzem säubert, die Arzdorfer für Arzdorf, Klein Villip und Fritzdorf sowie die Züllighovener (inklusive Werthhoven), die zum Abwasserzweckverband Wachtberg-Remagen gehört. Das Personal hierfür stellen die Gemeindewerke, an die Köhler seit 2005 abgeordnet ist.

Das Werk Arzdorf geht bald außer Betrieb

„Ende 2021 nehmen wir Arzdorf außer Betrieb und bringen das Abwasser über Pumpstationen nach Pech“, kündigt er an. Als Gründe nennt er den mangelnden Platz für einen Neubau. Zudem habe das Werk an der Straße Am Bach Kapazitäten frei: „Wir haben noch ein Polster, es ist für 9990 Einwohner ausgelegt.“ Maximal 90 Liter pro Sekunde können in Pech „einlaufen“, im Starkregen- oder Hochwasserfall ist zusätzlich das Regenüberlaufbecken gefragt. 1000 Kubikmeter dreckiges Wasser können pro Tag geklärt werden. „Manche Großen wie Stammheim schaffen das in der Sekunde“, sagt er ganz ohne Neid.

Denn der 62-Jährige freut sich, dass das Ländchen einen so geringen und sauberen Umsatz hat, dass die Reinigung mechanisch-biologisch erfolgen kann. „Auf Chemie können wir verzichten, da wir quasi nur häusliche Abwässer haben und keine kritischen Gewerbebetriebe“, erklärt der Fachmann. In seinem Büro hängt ein großer Systemplan, davor kommen nicht nur Journalistinnen, sondern auch Schulklassen und Familien. Köhlers Anliegen ist es, dass die Bürger verstehen, wie so ein Klärwerk funktioniert. Aus Nettigkeit lässt er die ganz komplizierten Passagen weg.

Los geht es mit der mechanischen Reinigung, dem Rechen. Im Sandfang setzt sich alles ab, was schwerer ist als Wasser. Im seltensten Fall leider Q-Tipps. „Das sind die schlimmsten Feinde der Klärwärter, denn sie verstopfen Pumpen“, wird Köhler kurz ernst. Wie Schmirgelpapier wirken dagegen Feuchttücher für die Pumpen. „Seit der Coronakrise finden wir sie in Massen.“ Beides, das lässt er durchblicken, gehört nicht in die Toilette. Dann geht’s zum Belebungsbecken. „Hier fressen Mikroorganismen den Dreck aus dem Abwasser.“ Hört sich gut an und stinkt überhaupt nicht. Der Profi mag das Vorurteil nicht. „Wenn es auf der Kläranlage unangenehm riecht, funktioniert etwas nicht“, meint er trocken.

In der Mitte des Belebungsbeckens liegt das Nachklärbecken. Zum ersten Mal komme nun der Schlamm zur Ruhe; die Feststoffe setzten sich ab. Über eine Ablaufkante fließt das saubere Abwasser in Richtung Godesberger Bach. Übrig bleiben so pro Tag rund sechs bis sieben Kubikmeter geklärter Schlamm. „Den geben wir an hiesige Landwirte ab zur Düngung der Felder“, sagt Köhler. Hinter dem „wir“ stehen noch die vier Kollegen und eine Kollegin. „Unsere Laborantin ist unter anderem für die Wasserproben zuständig.“

Die Bezirksregierung kann sich Tag und Nacht zur Kontrolle anmelden

Die Qualität muss stimmen, für die Einleitung in den Bach und den Schlamm. Neben der eigenen Überwachung kann zudem jederzeit die Bezirksregierung vor der Tür stehen. „An 365 Tagen im Jahr, Tag und Nacht und mit nur einer halben Stunde Vorlauf.“ Da ist selbst der Profi mal aufgeregt.

Neben den Klärwerken kümmert sich das Team um 50 Sonderbauwerke wie Pumpstationen, Regenüberlauf- oder Regenrückhaltebecken sowie Bacheinläufe im Ländchen. Kaum ein anderer kenne sich im Wachtberger Untergrund mit all seinen Kanälen, Verrohrungen und Bächen oder Drainagen so gut aus wie Köhler, würdigte Bürgermeister Jörg Schmidt den Betriebsleiter zu dessen 40-jährigem Dienstjubiläum. Um das Abwasser von Schadstoffen und Fäkalien zu befreien, seien „allerbeste Kenntnisse der Wasserwirtschaft gefordert“, die er ihm attestierte.

Köhler sei als Chef nicht streng, meint er. „Aber es gibt immer viel Arbeit, denn wir machen fast alles selbst hier, egal ob diffizile Reparaturen an den Anlagen oder Rasenmähen.“ Zum Abschluss darf die Frage nicht fehlen, die Klein und Groß gleichermaßen interessiert: Wie lange braucht denn ein Wassertropfen in Pech, bis er gereinigt ist? „Etwa 25 bis 30 Stunden.“ Da die Anlage ein wenig „wetterfühlig“ sei, könne es im Winter schneller gehen, aber im Sommer ein bisschen länger dauern. „Im Winter sind die Mikroorganismen aktiver, weil sie den Sauerstoff besser aufnehmen können“, löst Köhler das Fragezeichen auf.