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„The Oma Way“: Ex-Wachtbergerin startet Hilfsaktion in USA für Flutopfer

In Social-Media-Kanälen als „The Oma Way“ bekannt : Ex-Wachtbergerin startet Fundraising-Aktion in USA für Flutopfer

Vor 32 Jahren ist Yvonne Christ von Wachtberg nach Amerika ausgewandert. Nach wie vor hält die gebürtige Hessin Kontakt nach Deutschland und hat jetzt via Facebook eine Fundraising-Aktion in ihrer neuen Heimat für die Flutopfer gestartet. Dabei hilft ihr der Bekanntheitsgrad ihrer Social-Media-Kanäle.

Mit Yvonne Christ über das Unwetter und seine Folgen zu sprechen, ist wie mit einer guten Bekannten zu telefonieren. Die Besonderheiten von Schuld, Ahrbrück oder der Steinbachtalsperre („Gott sei Dank hat der Damm gehalten“) sind ihr geläufig. Christ sitzt allerdings nicht in Villip, Züllighoven oder Berkum, sondern in North Potomac/Maryland. Vor 32 Jahren ist sie von Ließem aus mit ihrer Familie nach Amerika ausgewandert.

Aber Deutschland hat die gebürtige Hessin nie losgelassen. Weshalb der Wunsch, den Menschen an der Ahr und in anderen Katastrophengebieten zu helfen, gleich da war. So startete sie eine Fundraising-Aktion. 20.000 Dollar (ca. 17.055 Euro) will sie sammeln, 5891 Euro waren es am Freitagmittag. „Ich habe noch am gleichen Tag von Freunden aus München davon erfahren und dann im Internet die ganze Bescherung gesehen“, erzählt die 64-Jährige.

Deutsche Bankverbindung als Hindernis

Allerdings fiel ihr auf, dass bei den Möglichkeiten zu spenden stets deutsche Bankverbindungen angegeben waren. „Das hilft uns hier nix, denn entweder die Leute haben kein Konto oder ihnen ist die Überweisung ins Ausland zu teuer“, erklärt sie in breitem hessischen Dialekt. Die Menschen bräuchten einen Klick, keine langwierige Prozedur, kritisiert sie.

Nach gemeinsamen Recherchen mit dem ZDF-Büro in Washington entschied sie sich, selbst via Facebook tätig zu werden. Sie richtete auf ihrer Seite ein Fundraising-Konto ein, das allerdings direkt an das Aktionsbündnis „Deutschland hilft“ angeschlossen ist. „Die Zahlung ist per Kreditkarte oder als Gast per Paypal möglich“, freut sie sich.

Reichweite mit „The Oma Way“ in Social Media hilft

Dazu muss man wissen, dass Christ stark in diversen Social-Media-Kanälen vertreten ist: Bei Facebook hat sie 48.614 und bei Instagram 3246 Abonnenten. Auf Twitter folgen ihr immerhin noch 333 Menschen, bei Pinterest 2328. Bekannt ist sie als „The Oma Way“, übersetzt etwa „Wie’s die Oma macht“. Eine Homepage gibt es natürlich ebenfalls. „Ich veröffentliche deutsche Rezepte nebst Koch- oder Backanleitung, informiere über deutsche Feste und Bräuche oder gebe Tipps für die Haus- und Gartengestaltung“, sagt die vierfache Mutter und sechsfache Oma.

Wobei nicht nur die Tatsache, dass sie selbst Enkel hat, den Ausschlag für die „Oma“ im Titel gab. „Ich erinnere damit auch an meine Oma, die als Bäuerin unser Familienoberhaupt war“, sagt Christ. Sie habe gemeinsam mit ihr am Herd gestanden und ihr beigebracht, wie man mit wenig viel macht. „Vom Garten in die Küche kochen“, nennt sie das. Kartoffeln lesen, Gurken züchten, Äpfel ernten – all das geschah gemeinsam. Neben ihrer hessischen Großmutter gab es noch die sudetendeutsche Linie. „Da hatten wir dann eine eher osteuropäische Küche, beides hat sich toll ergänzt“, gerät sie ins Schwärmen.

Umzug nach Ließem wird zur Entdeckungsreise

Als Christ mit dem dritten Kind schwanger war, folgte die Lehrerin ihrem heutigen Ex-Mann nach Bonn. Genauer Ließem. Während er in Bonn arbeitete, kümmerte sie sich um die Kinder und entdeckte die Schönheit der Landschaft. „Allerdings hatten wir nur ein Auto, sodass ich etwas festsaß im Ländchen“, erzählt sie. Zu Fuß ging es zum Einkaufen nach Lannesdorf, die Taufe der Tochter feierten sie auf dem Rolandsbogen. Als der Familienvater das Angebot erhielt, nach Amerika zu wechseln, griff er zu und alle folgten ihm. 

„Ich habe Deutschland schrecklich vermisst“, gesteht sie. Bis heute besitzt sie hier noch eine Wohnung, die sie allerdings jetzt aufgeben wird, genauso wie ihr Haus in North Potomac. Sie hat sich entschieden, fürs Alter in die Nähe des ältesten Sohns nach Winchester/Virginia zu wechseln. „Wenn Sie mal hier sind, müssen Sie das besuchen, das ist herrlich europäisch“, empfiehlt sie. Christ möchte mit ihren Rezepten etwas zur Stärkung der deutsch-amerikanischen Beziehungen beitragen.

Die Vereinigten Staaten sind für sie bei Unwettern besser aufgestellt als Deutschland

So wie jetzt auch mit den Spenden: „Wie ich höre, müssen sich die Leute ja viel selbst helfen.“ Die Vereinigten Staaten seien öfter von Unwettern und Waldbränden betroffen und deshalb viel besser ausgerichtet auf die Katastrophenhilfe als Deutschland, meint sie. „Selbst im Internet und Fernsehen hat man die Unsicherheit bei deutschen Politikern gemerkt.“ Improvisation scheine das Gebot der Stunde zu lauten.

Diese Kunst hat sie selbst nach ihrer Auswanderung lernen müssen. Denn das Kochen und Backen vermittelten ihr Sicherheit, aber die deutschen Zutaten fehlten. Zum Beispiel für die grüne Frankfurter Soße, für die es allein sieben Kräuter bedarf. „Erst hab ich sie mir übers Land zusammengesucht, dann online bestellt, heute wachsen sie in meinem Garten“, sagt die 64-Jährige.

Manchmal gibt sie in ihren Rezepten Tipps für Ersatznahrungsmittel, manchmal Hilfestellungen, wo man etwas Bestimmtes herbekommt. Manchmal räumt sie mit Gepflogenheiten auf, die sie selbst einst aus dem Dr.-Oetker-Backbuch gelernt hat. „Kalte Butter für Buttercreme flockig zu schlagen, ist zum Beispiel nahezu unmöglich, sie darf eben nicht direkt aus dem Kühlschrank kommen“, moniert sie.

Schon „im frühen Alter“ habe sie Rezepte abgeändert, meist in den Mengen der Zutaten. „Das hat mit dem Original nie hingehauen.“ Die Leute danken’s ihr, schreiben begeisterte Kommentare. Favorit übrigens bei der eigenen Familie wie den Followern ist die Torte „Frankfurter Kranz“.