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Wachtberger Kulturwochen: Tolle Bilder mit dem Bügeleisen

Wachtberger Kulturwochen : Tolle Bilder mit dem Bügeleisen

Die Mitglieder der Künstlergruppe Kunstvoll zeigten bei den Wachtberger Kulturwochen ihre Arbeiten im Köllenhof. Es ist seit zwei Jahren die erste Ausstellung.

Ein Bild mit dem Bügeleisen malen, das klingt schon ziemlich kurios. Aber das gibt es, es nennt sich Enkaustik, und der Wachtberger Künstler Dave Deighton beherrscht sie. Davon konnte man sich am Wochenende im Köllenhof überzeugen, wo die Künstlergruppe Kunstvoll im Rahmen der Wachtberger Kulturwochen ihre erste Ausstellung seit zwei Jahren zeigte.

Alles natürlich unter Corona-Bedingungen, mit Abstand, Masken und Kontaktlisten, aber immerhin, die Werkschau konnte stattfinden. Anders als 2020. „Da war alles vorbereitet, und dann wurde es abgesagt“, erzählte Anne Mahn, Informatikerin und Business-Coach, die in ihrer Freizeit Schmuck herstellt und im Köllenhof vor allem Ketten und Ohrringe aus Türkis, Onyx, Amethyst oder Bergkristall herstellt und diese gerne mit verschiedenen Glassteinen kombiniert.

Perlenschmuck mit Elementen aus Italien

Leidenschaftlich präsentierte sie ihren Perlenschmuck, viele Elemente hat sie aus Italien mitgebracht, etwa die Millefiori-Teilchen, die dort als Kinderschmuck verwendet werden. Mahn gegenüber zeigte Catherin Klausch Klappkarten mit Fotomotiven aus Wachtberg, vom Drachen auf dem Kreisverkehr in Berkum bis zu Makro-Aufnahmen von Insekten und Pflanzen. Mitunter verwende sie dafür Objektive von analogen Fotoapparaten, die sie mittels Adapter auf ihre Digitalkamera setzt. „Die Bilder werden weicher“, sagte sie.

Deighton hatte eine eigene kleine Ecke im Gebäude bekommen, wo er mit seinen Heißeisen arbeiten konnte. Diese Technik wurde schon in der Antike angewendet, um Bilder mit langer Haltbarkeit zu schaffen, damals mit heißen Spachteln. Dafür weicht man heute mit dem Bügeleisen Wachs mit Farbpigmenten auf und trägt sie auf eine Fläche auf. Die Enkaustik ist allerdings keine sehr präzise Technik. In Deightons Worten: „Durch den Zufall kommen auch mal richtig tolle Sachen heraus.“

Treibgutstücke dienen als Vorlage für Kunst

Man sah T-Shirts, die das neueste Gruppenmitglied Benedikt Clemens bedruckt hat und Malereien mit unterschiedlichen Techniken und Motiven von Susanne Feldes, die auch mit Paste und diversen Materialien experimentiert und sich nicht festlegen möchte. Corinna Relles stellte Werke unter dem Oberthema „Inselhopping durch die Nordsee“ aus. „In diesem Jahr habe ich auch zum ersten Mal auf echtem Segel gemalt.“ Und erstmals habe sie sich coronabedingt mit Holz beschäftigt und die Treibgutstücke bearbeitet, die ihr heute 15-jähriger Sohn als Kleinkind immer mit aus den Urlauben mitgebracht hatte, sagte die Architektin.

Und während im Innenhof die Trommelgruppe "Herbie & The Groovy Girls" spielte, konnte man Uwe Riecken bei der Arbeit mit Pastellkreide zuschauen, einer Technik, die ihm zufolge in Deutschland nicht sehr verbreitet ist. Mit dieser speziellen Kreide lassen sich erstaunlich leicht Bilder malen, die auch die Struktur des Papiers aufnehmen. Seine Tochter Sandra zeigte aber, dass damit auch sehr klare starke Farben möglich sind. Beide malen seit etwa zehn Jahren mit Pastellkreide. Ihr Vorteil: Sie verläuft nicht. Sie ist allerdings auch mit Vorsicht zu handhaben. „Wenn man mit der Hand über das Originalbild streichen würde, würde man es sehen“, so Sandra Riecken.