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Schleppjagd auf dem Rodderberg: Traditionsjagd ohne Beute

Schleppjagd auf dem Rodderberg : Traditionsjagd ohne Beute

50 Reiter und eine Meute Jagdhunde hetzten am Wochenende über den Rodderhof. Die Schleppjagd ist aber schon lange kein blutiges Spektakel mehr.

Rund 35 English Foxhounds wuselten mit flatternden Ohren aufgeregt über die Wiese vor dem Broichhof. Die Jagdhundmeute spürte, dass sie gleich einer Fährte folgen würden. Ihnen wiederum folgten die Reiter, eingeteilt in Nicht-Springer, junge und erfahrene Springer. Seit fast einem Jahrhundert findet diese Form der Schleppjagd ohne lebendes Wild statt. Was anno dazumal ein blutiges Spiel war, ist seither ein Zeitvertreib unter Reitern für die gesamte Familie.

Schleppjagd auf dem Rodderberg: Traditionsjagd ohne Beute
Foto: Petra Reuter

Unter anderen empfing der Traditionshof auf dem Rodderberg am Wochenende Gäste aus Hünxe, Luxemburg und aus der Schweiz. Die Bläser – Profis ihres Fachs – reisten aus Frankreich zum Wachtberger Vulkankrater. Nach dem Stelldichein um 14 Uhr formierten sich bis 14.30 Uhr alle an ihren Positionen. Die Hörner der „Les trois Fontaines“ ertönten, der Huntsman lenkte die Meute auf die Fährte. Zügig nahmen die Tiere die Witterung auf und hetzten über die Wiese, der zuvor mit einem Duftstoff gelegten Spur hinterher. Wer nicht ritt, den zog ein Traktor auf einem Anhänger zu einem günstigen Punkt an der Strecke. Von dort aus hatten Jung und Alt den besten Blick auf die Meute und die über Hecken setzenden Reiter.

Unfälle sind bei dieser Art des gemeinsamen Reitens eher selten. Klare Regeln und die Einteilung der Pferde und Reiter nach ihren Fähigkeiten sorgen für einen disziplinierten Ablauf, erklärte Friedbert Stemann vom Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein (RWS). So darf beispielsweise der die Hunde leitende Huntsman nicht überholt werden, um Stürze über die Jagdhunde zu vermeiden. „Es ist mal etwas anderes als die Wochenendturniere“, fand Teilnehmer Michael Reuther. Früher sei er bis zur Klasse S in vielen Wettkämpfen dabei gewesen. Der geborene Hennefer Investmentmanager war aus Luxemburg angereist und erwartete seine in der Schweiz lebende Schwester mit den Pferden am Gut Broichhof. „Im Gegensatz zum Turnierreiten ist das etwas, was man mit der ganzen Familie machen kann“, erklärter er.

Hunde gehören zu einer der wenigen Meuten in Deutschland

„Die Jagd gehört seit Jahrzehnten zur Tradition hier“, erzählte Hausherr Karl Schneider. „Jedes Jahr am letzten Septemberwochenende laden wir dazu ein.“ In diesem Jahr schwangen sich rund 50 Reiterinnen und Reiter zum aufsehenerregenden Spektakel auf die Pferde. Die zugehörigen Hunde stammen jedoch nicht vom Broichhof.

„Die Hunde gehören zu einer der wenigen in Deutschland so noch gehaltenen Meuten“, erklärte Friedbert Stemann. Dort als Jagdhunde in der Gruppe gehalten und geschult, führen die Vierbeiner in der Jagdsaison außerhalb von Pandemie-Zeiten etwa 15 Jagden von Gesellschaften in ganz Deutschland an. Weitere etwa 15 Trainingsjagden veranstaltet der Verein intern mit der Meute. Ulla und Bodo Ehrig kennen Jagden dieser Art bereits seit Jahrzehnten. „Wir haben uns durch den Reitsport kennengelernt“, erzählte die Seniorin. Sie freute sich darauf, das bunte Bild des Vergnügens bei bestem Wetter zusammen mit ihrem Mann vom Wagen aus verfolgen zu können.