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Naturschutz in Adendorf gefährdet: Unternehmen legt Landwirten Verträge für Windräder vor

Naturschutz in Adendorf gefährdet : Unternehmen legt Landwirten Verträge für Windräder vor

Ein Windpark-Unternehmen soll vier Landwirten mit Äckern zwischen Adendorf, Arzdorf, Fritzdorf und Eckendorf unterschriftsreife Verträge für den Bau von Windrädern vorgelegt haben. Möglich macht das eine neue Abstandsregelung von Windrädern zur Wohnbebauung, die in Kraft treten soll.

Mindestens vier Landwirte mit Äckern und Plantagen zwischen Adendorf, Arzdorf, Fritzdorf und Eckendorf haben unterschriftsreife Verträge von einem Windkraftunternehmen erhalten, lautet eine dem GA zugespielte Information. Während sich die Aktionsgemeinschaft für den Schutz der Landschaft in Adendorf und Umgebung um wertvolle und seltene Tierbestände sorgt, stellen andere die Frage nach dem Erholungswert für Mensch und Tier in einer Flora und Fauna mit rund 250 Meter hohen Rotoren.

„Für uns zählen zuerst die Menschen in den Dörfern“, sagte die Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Landschaft in Adendorf und Umgebung, Ursula Perkams, angesichts der Informationen. „Und ob die einzigartige Vogelwelt unter diesen Voraussetzungen in ihrem Bestand weiter existieren kann, stelle ich infrage.“ Zudem handele es sich hier um ein Vogeldurchzugsgebiet, erinnerte die Vorsitzende. Niemand könne absehen, welche Folgen derart wuchtige Rotoren auf die alljährlich durchziehenden Schwärme haben werden. Dies bestätigte Jens Woitol vom NABU, der hier regelmäßig Vogelbestände unter anderem von Baumfalken, Rot- und Schwarzmilan sichtet.

Eine Reiterin sorgte sich außerdem, dass sich Pferde vor den Rotoren und vor durch Böen verursachten, plötzlichen Windgeräuschen in den drehenden Objekten erschrecken könnten. Hinsichtlich des Landschaftsbildes machte sich Perkams indes keine Illusionen. In der derzeit geplanten Höhe würden die Rotoren die Höhe des Kölner Doms bei weitem überragen. „Wer will dann noch hierhin ziehen oder wohnen?“, fragte sie offen.

2017 sah die gesetzliche Regelung einen Abstand von 1500 Metern von der Wohnbebauung vor. Somit waren Windräder im nun geplanten Bereich nicht realisierbar, man verfolgte die Ausweisung von Konzentrationszonen laut GA-Informationen nicht weiter. Eben dieser Abstand soll nun jedoch geringer angesetzt werden. Damit wären die Räder zwischen den vier Orten rechtssicher aufstellbar. Der Energieparkentwickler UKA, nach GA-Informationen das Unternehmen, das den Landwirten die Verträge vorgelegt hat, ist sich seiner Sache offenbar schon länger sicher.

Laut einem betroffenen Bodenbesitzer, der namentlich nicht genannt werden wollte, seien die Landwirte schon im Mai vom Unternehmen angesprochen worden. Kürzlich habe sich das Unternehmen bei ihm gemeldet. Man solle sich nun zusammensetzen und entscheiden, ob er unterschreiben wolle oder nicht. Seriös wäre die Gesprächsanbahnung abgelaufen, sagte der Landwirt. Seiner Kenntnis nach ginge es um drei Windräder. Den Verpächtern winkt eine Mindestnutzungsgebühr.

Dazu kommen Vergütungen für den Bereich, über dem der Rotor schwebt. Neben den Betonfundamenten müssen zusätzlich ein Kranplatz und einige weitere Flächen vorgehalten werden. „Ich bin da gespalten, wegen der Landschaft. Aber wir brauchen auch alternative Energien, wir wollen ja aus der Atomkraft und der Braunkohle raus“, sagte der Wachtberger.

Freiherr Georg von Loë, dessen Land mit der ehemals geltenden 1500-Meter-Regelung von etwaigen Energieparkbetreiberwünschen unbehelligt blieb, findet Lösungen in Rheinland-Pfalz besser. „Dort stehen die Windräder in Wäldern“, so von Loë. Von unten durch Waldbesucher nicht direkt sichtbar, fangen die Baumkronen außerdem einen Teil der entstehenden Geräusche ab. Seiner Meinung nach beeinträchtige ein zu gering angesetzter Abstand vom Ort die Lebensqualität, vor allem mit Blick auf die intensive Nutzung des Gebiets durch Erholungssuchende. Der Energieparkentwickler UKA will sich erst zu späterem Zeitpunkt zu den Anfragen der Redaktion äußern.