Per Webcam zugucken Turmfalken-Nachwuchs in Wachtberg ist geschlüpft

Wachtberg · Im Wachtberger Turmfalkennest des Nabu und der Biologischen Station Dransdorf gibt es Nachwuchs. Per Webcam können die Baby-Falken beobachtet werden.

 Es gibt was zu fressen: Die Turmfalken in ihrem Nest, gefilmt von einer Webcam.

Es gibt was zu fressen: Die Turmfalken in ihrem Nest, gefilmt von einer Webcam.

Foto: Nabu

Es ist kurz vor 11 Uhr, als plötzlich Bewegung in das graue, eng zusammengekauerte Fellknäuel im Nistkasten des Wachtberger Obstbauern Hubertus Wolf kommt. Die sechs flauschig-gefiederten Turmfalken-Küken, die gerade noch dicht an dicht gekuschelt lagen, haben offenbar etwas gehört und trampeln übereinander hinweg in Richtung Nestluke. Nur wenige Augenblicke später ist das Gekreische groß, als eines der Elterntiere mit einer gefangenen Maus im Schnabel hereinfliegt. Gierig recken die Küken ihre Hälse, während die erlegte Beute nach und nach auf die Jungtiere verteilt wird.

Beobachten lassen sich derlei Fütterungen derzeit regelmäßig über die Turmfalken-Webcam des Nabu, welche an der Lagerhalle des Obstbauern angebracht ist und einen 24-Stunden-Livestream überträgt. In einem Webcam-Tagebuch dokumentiert der Naturschutzbund auf seiner Webseite zudem die wichtigsten Ereignisse in den Nistkästen. Nachdem es genau zur Brutzeit technische Probleme gegeben hatte, verkündete der Nabu am 22. Mai: „Wir sind wieder online und freuen uns sehr über sechs geschlüpfte Küken.“ Wie aus den Aufzeichnungen hervorgeht, soll das erste Junge bereits am 15. Mai geschlüpft sein.

In der ersten Zeit werden sie noch viel von der Mutter warm gehalten und sind daher noch oft versteckt, klärt der Nabu in seinem Tagebuch über das Verhalten der Turmfalken nach der Geburt auf. Derzeit ließe sich häufig beobachten, wie die Mutter die Küken mit kleinen Fleischstücken füttere. Hauptaufgabe des Männchens sei es, Mäuse zu fangen und somit für Nahrung zu sorgen. Ein Aufzuchtverhalten das mit etwas Glück vielleicht schon bald im Doppelpack beobachtet werden kann.

Auch im älteren der beiden Nistkästen, der sogar durch zwei Webcams von innen und außen gefilmt wird, soll sich laut Tagebuch ein weiteres Turmfalkenpaar eingefunden haben. „Es deutet sich eine zweite Brut an!“, heißt es im Eintrag des Naturschutzbundes vom 27. Mai. Von einem Gelege fehlt auf den Bildern allerdings bislang noch jede Spur.

Die Nistkästen samt Turmfalken-Webcam in Wachtberg-Werthhoven sind Teil des Pro-Planet-Biodiversitätsprojekts des Nabu und der Rewe Group. Während Rewe die Technik finanziert und sich für mehr Naturschutz im konventionellen Obstanbau einsetzt, stellt Obstbauer Hubertus Wolf Flächen sowie die Nistkästen in seiner Lagerhalle zur Verfügung. Monika Hachtel, stellvertretende Leiterin der Biologischen Station in Dransdorf und lokale Betreuerin des Projektes für den Nabu, bringt ihre Expertise ein und berät die Bauern über die Nester und mögliche Standorte.

Seit 2012 wurden laut Nabu allein im südlichen Rheinland schon mehr als 100 Turmfalkenkästen aufgestellt, in denen jährlich zwischen 20 und 30 Paare brüten würden. Schon mehr als 500 Jungfalken seien im Rahmen des Projektes flügge geworden. Beim Wachtberger Turmfalken-Nachwuchs rechnet Biologin Hachtel damit, dass diese Ende Juni das Nest auf dem Hof des Obstbauern verlassen. Ist es so weit, wird der Nabu die Kameras ausschalten – bis zur nächsten Brutsaison.

Den Blick ins Turmfalkennest gibt es hier.