1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Wachtberg

SV Niederbachem wird 75 Jahre alt: Vom Kick in der Tongrube bis zum Kunstrasen für die Landesliga

SV Niederbachem wird 75 Jahre alt : Vom Kick in der Tongrube bis zum Kunstrasen für die Landesliga

Der SV Niederbachem wird 75 Jahre alt. Das älteste Vereinsmitglied Robert Wiesel, genannt „Vati“, erinnert sich an die frühen Jahre. Seit 2015 kicken drei Senioren- und zwölf Jugendmannschaften auf Kunstrasen. Der Verein stiftet Gemeinschaft für den gesamten Ort.

Von warmem Wasser konnten die Fußballbegeisterten im Sportverein Niederbachem (SVN) in den ersten Jahren nur träumen. Beim Fest zum 75-jährigen Bestehen hat sich Robert Wiesel als der Vereinsälteste an die Anfänge des Vereins und an die verschiedenen Sportplätze erinnert. Zum Jubiläum erhielt der 89-Jährige ein besonderes Trikot. Ungefähr 25 Lenze zählte er, als er mit seiner Mannschaft von der dritten in die zweite Kreisklasse aufstieg, erinnerte sich der rege Senior.

Als Ältester im Verein von allen Vati genannt, blickte er zugleich auf die längste Vereinsmitgliedschaft zurück. Toni Haag, Heinz Luhmer, Georg Faust und Christian Salm gründeten den Verein zwei Jahre nach Kriegsende, erzählte Wiesel. Zu dieser Zeit spielten die Sportler in einer Tongrube unterhalb von Ließem. Den ersten eigenen Sportplatz gab es 1950 auf der Heide neben dem heutigen Bauernhof Herscheid. Drei Jahre später zogen die Sportler auf den zweiten Platz in der Austraße um. Aber auch dort blieb man nicht lange.

Ab 1958 zwei Jahre ohne eigene Spielfläche

„Bei der Flurbereinigung 1958 wurde der Platz zur Bebauung freigegeben“, erinnerte sich Wiesel. So waren die Niederbachemer Spieler zwei Jahre ohne eigene Spielfläche. In dieser Zeit kickten sie auf dem Sportplatz in Lannesdorf. Nach den Spielen trafen sich die Fußballer im Gasthaus zur Traube, wo die Wirtsleute die Gelegenheit zum Umziehen und zum Duschen gaben. „Im Hof mit kaltem Wasser, damals ging es nicht anders“, erzählte Wiesel.

Der heutige Sportplatz wurde 1963 als Tennenplatz angelegt. Als Vereinsheim diente ein in den 50er Jahren als Jugendheim errichtetes, dann abgebautes und am Sportplatz wieder aufgebautes kleines Gebäude. Dank eines kleinen Holzofens konnten die Spieler nach dem Ringen um Tore hier endlich warm duschen. Das heutige Vereinsheim mit Umkleiden, Duschen, Lagerraum und überdachter Terrasse plante der erste Vorsitzende Hans Müller, von Beruf Architekt, in den 90er Jahren. „Die meiste Arbeit beim Bau haben die Sportler selbst und einige Helfer gemacht“, berichtete der heutige erste Vorsitzende Herrmann Esser.

Gepflegter Kunstrasenplatz seit 2015

In der Zwischenzeit erfuhren nicht nur die sportlichen Leistungen eine starke Entwicklung, sondern auch die Ausstattung. Im Juni 2019 stiegen die Herren in den blauen Trikots mit einem entscheidenden 5:1 gegen die Sportfreunde Ippendorf in die Bezirksliga auf. „Hier ist auch technisch einiges passiert“, sagte Marcel Plaetrich, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Verein, über die Sportstätte.

Ein gepflegter Kunstrasenplatz bietet den Spielern seit 2015 gute Voraussetzungen für ihren Sport. Dazu ist der Verein seit einigen Jahren in den sozialen Medien sehr aktiv und installierte zusätzlich die Technik, um alle Spiele live ins Internet zu übertragen. „Seither verzeichnen wir einen starken Zuwachs in den Mannschaften“, berichtete Plaetrich.

Die Ausstattung bietet laut Esser für die aktuell zwölf Jugend- und drei Seniorenmannschaften auch die Basis für das gesellschaftliche Miteinander und das soziale Engagement. „Wir haben rund 400 Mitglieder, die sich hier regelmäßig treffen und auch nach dem Sport gerne Zeit miteinander verbringen“, sagte der erste Vorsitzende.

Zugleich biete man dem Team Bananenflanke, einer Mannschaft aus körperlich und geistig beeinträchtigten Menschen aus dem gesamten Rhein-Sieg-Kreis, hier ein sportliches Zuhause. „Das ist seit rund fünf Jahren eine harmonische Gemeinschaft, sehr engagiert und mit viel Spaß am Fußball“, so Esser. Für die Zukunft wünschte er seinem Verein sportlichen Erfolg und „dass die tolle Gemeinschaft so bleibt, wie sie ist“.