Entwicklungshelfer Dirk Reber Von Wachtberg nach Nordkorea

Wachtberg · Niederbachem und Nordkorea, könnte der Unterschied krasser sein? Ein kleines Dorf, ländlich, idyllisch, und ein Land, ständig bedroht von Armut und politischer Spannung - welchen Ort man vorzieht ist wohl schnell klar.Doch Dirk Reber hat sich für beide Orte entschieden und bereut diesen Entschluss nicht.

 Dirk Reber bei seiner Arbeit in Nordkorea, bei der er Schulen und Kindergärten besuchte.

Dirk Reber bei seiner Arbeit in Nordkorea, bei der er Schulen und Kindergärten besuchte.

Foto: Privat

Der studierte Volkswirt und Soziologe lebt mit seiner Familie in Niederbachem, hat Schul- und Studienzeit in Köln verbracht und arbeitet seit zehn Jahren für die Deutsche Welthungerhilfe in Bonn.

Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in Asien. So führte ihn sein Weg auch für zwei Jahre nach Nordkorea. Dort fungierte er als Projektleiter für verschiedene Projekte. Nahrungsmittelverteilung stand nur am Anfang im Vordergrund, besonders auf die Hilfe bei der Nahrungsmittelproduktion und bei der Beratung von Anlaufstellen wie Kindergärten oder Schulen bezüglich der Ernährung wurde Wert gelegt.

"Hilfe zur Selbsthilfe" schreibt sich nicht nur die Welthungerhilfe auf die Fahnen, sondern Dirk Reber vertritt diese Ansicht auch ganz persönlich. "Die reine Nahrungsverteilung macht nur Sinn, wenn man auf eine Hungersnot trifft und noch ganz am Anfang steht. Sobald diese gemeistert ist, muss sich sofort darum gekümmert werden, dass die Bauern sich selbst besser versorgen können. Ansonsten schafft man nichts als Abhängigkeit."

In Nordkorea war dieses Thema Ende der 90er Jahre aktuell, als eine schwere Hungersnot das Land heimsuchte. Diese sei mittlerweile überwunden, jedoch habe man noch immer mit Mangel- und Fehlernährung, besonders bei Kindern, zu kämpfen, berichtet Reber. Doch die Situation habe sich in den letzten zehn Jahren sehr zum Positiven entwickelt: Da die Welthungerhilfe eine private Organisation ist, politisch überparteilich agiert und ideologiefrei arbeitet, ist es den Helfern möglich, beinahe unbehelligt arbeiten zu können.

So habe man es in Nordkorea geschafft, einige Bauern oder Familienmitglieder für ein landwirtschaftliches Praktikum ins Ausland zu schicken, um sie mit neuen landwirtschaftlichen Methoden bekannt zu machen, aber auch, um dem völlig abgeschotteten Land einen Blick in andere Kulturen zu gewähren. Durch diese Abgeschiedenheit bekommen die Menschen, gerade in den ländlichen Gebieten, wenig mit von der derzeitigen Krise. "Man hat dort als Bauer ganz andere Sorgen als die politische Lage des Landes", meint Reber.

Ist diese Differenz zwischen den Ländern nicht zu groß? Ist die Armut nicht zu belastend? "Nein", sagt Dirk Reber bestimmt. Seit 20 Jahren fährt er nun schon in andere Länder, um dort zu helfen, der Kulturschock bleibt schon länger aus. Außerdem ist Entwicklungshilfe seit dem Abitur sein Traumberuf. Die Welt sehen und gleichzeitig Menschen helfen - für ihn die optimale Mischung. "Natürlich weiß ich, was ich zu Hause hab'. Aber ich freue mich auch jedes Mal, wenn ich wieder los fliege. Und wenn ich zurückkomme, dann muss ich nur meine Familie sehen, den Rhein und den Dom, und dann ist sowieso wieder alles gut", lacht er.

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