Wachtberger kümmert sich ums Klima „Ich möchte die Leute durch Überzeugung und positive Beispiele mitreißen“

Wachtberg · Der Wachtberger Dieter Hering-Schacht ist vom Rat beauftragt worden, sich für das Klima in der Region einzusetzen. Wie der 70-Jährige seine Mitmenschen von mehr Umweltschutz überzeugen will, hat er dem GA erzählt.

Dieter Hering-Schacht ist neuer KlikKS-Klimapate in Wachtberg und schwört auf seine Wärmepumpe.

Dieter Hering-Schacht ist neuer KlikKS-Klimapate in Wachtberg und schwört auf seine Wärmepumpe.

Foto: Axel Vogel

In den 1980er-Jahren trieb die Angst vor saurem Regen und dem drohenden Waldsterben zahlreiche Menschen in der Bundesrepublik um. Die Verbrennung von Kohle, Gas und Öl sorgte nicht nur dafür, dass säurebildende Abgase in die Atmosphäre gelangten und sich über Niederschlag als giftige Schadstoffe in den Böden verteilten, sondern auch dafür, dass zahlreiche Menschen für den Umweltschutz aufstanden. Der Wachtberger Dieter Hering-Schacht gehört dazu. Ihn hat das Thema bis heute nicht losgelassen, weshalb er sich für das Amt als Klimapate der Gemeinde Wachtberg gemeldet hat. Dem GA hat der 70-Jährige erzählt, worauf es ihm in seinem Ehrenamt ankommt und warum die Bundespolitik der letzten Monate seinen Job erschwert.

„Die Modelle und Kurven waren ja damals schon da und haben die Entwicklung, die wir heute haben, schon abgebildet“, sagt Hering-Schacht, wenn er an seine ersten Berührungspunkte mit dem Thema Umweltschutz zurückdenkt. Auch vor Erwärmung und Klimawandel sei damals bereits gewarnt worden. „Über die Jahre wurde das Thema aber viel zu oft einfach liegengelassen und hat zu wenig Aufmerksamkeit erhalten“, findet der Niederbachemer.

Schon vor 20 Jahren habe es etwa Diskussionen über regionale Energieerzeugung gegeben. Nur in wenigen Fällen seien jedoch tatsächlich Projekte umgesetzt worden, bedauert Hering-Schacht. Spätestens durch den Ukraine-Krieg und die resultierende Energiekrise sei jedoch klar geworden, wie wichtig regionale Energieversorgungsprojekte sind. Das Ziel eines energieautarken Wachtbergs steht deshalb ganz oben auf der Liste des Klimapaten, der Teil des Klikks-Programms ist.

Mit Überzeugung und positivem Beispiel vorangehen

Klikks, das steht für „Klimaschutz in kleinen Kommunen und Stadtteilen“, erklärt Hering-Schacht. Ein Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, unterstützt durch das Land NRW und weitere Förderer. Das Ziel: Klimaschutzmaßnahmen vor Ort auf den Weg bringen, als Bindeglied zwischen Entscheidern, Verwaltung und Bürgerschaft agieren und als Multiplikator weitere Menschen für den Umweltschutz in der Region zu begeistern.

„Ich möchte die Leute durch Überzeugung und positive Beispiele mitreißen“, formuliert Hering-Schacht seinen eigenen Anspruch an das Amt des Klimaschutzpaten. „Ich bin gegen Brechstange und Verordnungen.“ Aktionen wie die der Letzten Generation, sich auf der Straße festkleben oder Gemälde beschmieren, kann der Wachtberger nicht gutheißen. Sie hätten bei vielen Menschen ebenso zu einer Ablehnung geführt wie einige Entscheidungen der Bundesregierung in den vergangenen Jahren und Monaten.

„Das Heizungsgesetz und das Durcheinander bei der Umschichtung der Haushaltsmittel“, nennt Hering-Schacht zwei Beispiele, hätten der Akzeptanz beim Umweltschutz geschadet. Gerade Robert Habeck, der für den Wachtberger eigentlich als politischer Überzeuger gilt, sei zur Symbolfigur des Verdrusses in der Bevölkerung geworden. Eine verspielte Chance trotz eigentlich guter Ideen. „Es ist viel Porzellan kaputtgegangen, bei vielen fehlt die Überzeugung. Genau dafür möchte ich mich hier vor Ort einsetzen. Ich hoffe, dass es bei möglichst vielen Klikks macht“, sagt der Klimapate – und geht mit gutem Beispiel voran.

Das Haus des Rentners, der seit 1996 in der Gemeinde Wachtberg, erst in Pech und seit 2013 im eigenen Neubau in Niederbachem lebt, hat mittlerweile eine Wärmepumpe, eine Solar- sowie einer Photovoltaik-Anlage. „Wenn sich die Sonne aktuell mal etwas mehr zeigt, ist das Haus so weitestgehend energieautark“, sagt Hering-Schacht. Ein Zustand, den er sich auch für die gesamte Gemeinde wünscht.

Biogasanlage und Photovoltaik sollen Wachtberg weiterbringen

Eine Idee, das umzusetzen, ist für den Niederbachemer der Bau einer Biogasanlage zwischen Villip und Gimmersdorf. Dort gebe es eine Gründeponie, welche den idealen Ausgangspunkt zur Energiegewinnung über eine solche Anlage bieten würde. „Außerdem braucht es so viel Photovoltaik wie möglich“, ist Hering-Schacht überzeugt. Vor allem große Freiflächen wie Parkplätze, aber auch Äcker und Plantagen könnten zur Energiegewinnung quasi überdacht werden und könnte so in zweiter Funktion genutzt werden, ohne ihren eigentlichen Zweck zu verlieren.

Um auch lokalpolitisch Schwung in den Umweltschutz zu bringen und die oft zähen Entscheidungsabläufe mitzugestalten und voranzubringen, setzt sich Hering-Schacht als Mitglied der vor Kurzem gegründeten Bürgerenergie-Genossenschaft Rhein-Voreifel dafür ein, Umweltschutzprojekte auch in die Tat umzusetzen. „Das beginnt in kleinen Vorgärten mit Grünflächen statt Schotter, geht über bessere Radwege und Umweltbildung von Kindern und Erwachsenen bis zum Ausbau erneuerbarer Energien.“

Bis 2035 möchte Wachtberg klimaneutral sein und arbeitet gemeinsam mit den sechs linksrheinischen Gemeinden dafür an einem Konzept. „Erreichbar ist das Ziel aber nur, wenn möglichst viele private Initiativen und Projekte realisiert werden“, ist sich Hering-Schacht sicher und ruft deshalb alle Wachtberger dazu auf, sich für die Klimawende vor der eigenen Haustür zu engagieren.