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Wachtberg: Ernte des Streuobstwiesenvereins fiel deutlich geringer aus

Streuobstwiesen in Wachtberg : Ernte fiel im Jahr 2019 deutlich geringer aus

Hohe Temperaturen machten den rund 600 Bäumen auf den Wachtberger Streuobstwiesen deutlich zu schaffen. Die Ernte fiel im vergangenen Jahr deutlich geringer aus als sonst.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Streuobstwiesenvereins, 2019, hat der Sonnenbrand zugeschlagen. Den nämlich mögen Birnen und Äpfel laut Vorsitzendem Stefan Thomas überhaupt nicht. „Unter der Schale entstehen bis zu 50 Grad, die Zellen gehen kaputt, was dazu führt, dass das Obst fault“, erzählt der 62-Jährige. Für den Frischverkauf eigne es sich nicht mehr, sondern nur noch für die Saftpresse.

Klimawandel im Kleinen, könnte man das überschreiben. Wobei Thomas, der die Geschicke des Vereins seit fast drei Jahren lenkt, lieber kleiner denkt. „Wir haben Probleme mit neuen Wetterbedingungen, ja, aber ob das ausschließlich am Klimawandel liegt, wird sich erst im Rückblick zeigen“, meint der Mann, der im Hauptberuf als Geologe arbeitet.

Das Wetter beeinflusse aber auf jeden Fall die Arbeit des Vereins, der sich für den Erhalt alter Obstsorten stark macht. Die Trockenheit der letzten zwei Jahre habe den Bäumen zu schaffen gemacht, weshalb sie nur kleine Früchte mit wenig Saft gebildet hätten. „Und in puncto Sonnenbrand müssen wir unsere Schnitttechnik anpassen“, sagt er. Bislang habe man auf durchlichtete Bäume gesetzt, durch die man bildlich „den Hut durchwerfen“ konnte. Über kurz oder lang kehre man wohl davon ab, das Grün im oberen Bereich wegzuschneiden, um den Früchten so Schatten zu spenden.

Streuobstwiesen haben Hochstämme: Bäume, deren Kronen sich erst in circa 1,80 Metern verzweigen. Foto: picture alliance/dpa/Frank Rumpenhorst

Das Wissen eignen sich die Mitglieder privat an, aber auch in Kursen des Rhein-Sieg-Kreises. Weshalb Thomas von „semi-professionellen Baumwarten“ spricht. Mindestens ein Mal pro Jahr bietet der Verein einen Schnittkurs an. 120 Mitglieder gibt es, allerdings sei die Kerntruppe kleiner. „Zudem würden wir uns wünschen, wenn sich mehr Jüngere in unseren inneren Zirkel trauen würden“, merkt der Vorsitzende an.

Thomas und seine Mitstreiter kümmern sich in Wachtberg um rund 600 Bäume auf Streuobstwiesen. Vier Fünftel davon trügen Äpfel, der Rest Birnen. Zudem gebe es noch ein paar Exemplare mit Kirschen und Mirabellen. Wichtiges Kriterium bei den Äpfeln: Es muss sich um Hochstämme handeln. „Das ist die Kulturform, die früher das Drachenfelser Ländchen gesprägt hat“, betont der Vorsitzende. Erst in etwa 1,80 Meter Höhe verzweige sich die Krone. „Moderne Obstbauern züchten klein, so dass man ohne Leitern arbeiten kann“, erklärt der Experte.

Weiterer Aspekt der Arbeit: Es muss sich um alte Sorten handeln, also solche, die vor dem Zweiten Weltkrieg auf dem Markt waren. „Es gab vor mehr als 100 Jahren weit über 1000 Apfelsorten, aber so richtig sinnvoll war das auch nicht“, meint Thomas dazu. Auf den Wachtberger Streuobstwiesen sind deshalb vor allem der Winterrambur und der Rheinische Bohnapfel zu finden. „Der Winterrambur ist ein großer Apfel und war früher eine Art Allzweckapfel“, so Thomas. Er sei sowohl versaftet, gegessen und zu Mus verarbeitet worden. „Der Bohnapfel war eher ein Wirtschaftsapfel, denn er schmeckt erst ab dem Jahreswechsel, also nicht schon zur eigentlichen Erntezeit“, klärt der Experte auf. Die Frucht sei sehr sauer, weshalb sie dem Saft nur beigemischt wird.

Stichwort Saft: 2000 Liter Apfelsaft haben die Mitglieder 2019 produziert, was Thomas zur Einstufung „schwaches Jahr“ veranlasst. 3000 bis 4000 Liter seien es sonst, wobei die Bäume auch Jahre hätten, in denen sie sich erholten. An der Mosel hat der Verein zudem 1000 Liter „Fritzdorfer Birne“ als Schnaps brennen lassen. Beides wird an der Bondorfer Straße 7 in Niederbachem verkauft. Das nächste Mal am Samstag, 11. Januar, von 11 bis 13 Uhr. Zudem hat die Villiper Mühle die Spirituose im Angebot.

„Gewinne stecken wir in Form von Bäumen in den Boden“, sagt Thomas scherzhaft und spielt auf Neuanpflanzungen an, wenn alte Bäume zusammenbrechen. Die Wiesen, die teils gepachtet, teils in Gemeindeeigentum sind, kosten auch etwas. Wobei man sich um Win-Win-Situationen bemüht. „Wo wir mit mähen nicht weiterkommen, fragen wir Bauern, die dafür das Heu behalten dürfen.“ Am Dächelsberg arbeitet man mit einem Schäfer zusammen, der seine Tiere für den Verein „arbeiten“ lässt.