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Wachtberg: Ferienfreizeit für Kinder aus Flutgebieten

Auszeit von der Katastrophe : Villiper bieten Ferienfreizeit für Kinder aus Flutgebieten

Drei Tage lang haben die Villiper Gabi Höhne und Norbert Schulten geplant, dann stand ihre Ferienfreizeit für Kinder aus überfluteten Gebieten im Kreis Ahrweiler und dem Rhein-Sieg-Kreis. Wenn sie die Kosten für den Shuttledienst zusammenbekommen, wollen sie eine weitere Woche anbieten.

Als Annika in jener Flutnacht aufwacht und das Licht nicht angeht, streift sie auf der Suche nach ihren Eltern durchs Haus. Diese sind unauffindbar, sodass sie bei der Oma klopft. „Als sie mir erzählt hat, dass unser Lager auf der anderen Straßenseite gerade vollläuft, wollte ich das zuerst gar nicht glauben“, sagt die neunjährige Dernauerin. Noch am Vorabend hatte ihre Mutter versichert, dass das Wasser nicht bis zu ihrer Straße kommen werde. „Wir wohnen weit von der Ahr weg“, so Annika.

Die Tage danach waren nicht einfach und deshalb ist sie froh, seit Montag eine Art Auszeit von der Katastrophe zu haben. Zumindest tagsüber. Da kann sie im Villiper Jugendhaus mit 15 anderen Kindern spielen, quatschen, Spaß haben, die Ferien genießen. Ihre Freundin Emma sitzt neben ihr am Tisch, während sie Steine bemalen. Die Zehnjährige wurde in der Nacht zum 15. Juli wach, weil sie eine Art Brunnenplätschern hörte. „Da füllte sich unser Wohnzimmer im Erdgeschoss schon mit Wasser“, erinnert sich die Dernauerin, die jetzt mit Schwester Lotta (8) und anderen jeden Tag per Shuttle anreist.

Dass das möglich ist, haben die 16 Kinder Gabi Höhne und Norbert Schulten zu verdanken – und vielen Helfern im Hintergrund. „Wir haben uns als Schützen nach einer privaten Anfrage um die Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern gekümmert und uns dann gefragt, was eigentlich mit den größeren Kindern geschieht“, erzählt Höhne, die Schriftführerin bei der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft im Ort ist. Nach einem Anruf bei Schulten, seines Zeichens Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Jugendarbeit in Villip, stand fest: „Wir wuppen das zusammen.“

Nur kurz habe man über das „Wo“ debattiert, sich dann aber entschieden, dass es besser sei, die Kinder mal aus der Trümmerlandschaft herauszuholen, als sie in den Dörfern zu versorgen. „Zudem wollten wir den Eltern die Gelegenheit bieten, in Ruhe zu scheppen oder vielleicht ein Tränchen zu verdrücken“, so Höhne.

Manche Fragen hätten sich erst mitten in der nur dreitägigen Planungsphase ergeben. „Zum Beispiel, ob wir behinderte Kinder betreuen können“, sagt Schulten. Doch wenn man bis vor wenigen Jahren Leiter der Grundschule in Berkum war, weiß man sich zu helfen. Schulten rekrutierte kurzerhand seine frühere Konrektorin und Sonderpädagogin Maria Dormagen-Jelken aus Remagen und Sonderpädagogin Ruth Kirchner. Davon profitiert unter anderem ein Junge mit Down-Syndrom.

30 Plätze hatte das Team aus Schützen und Jugendhaus eigentlich angeboten. „Manche haben aus Verlustangst aber in letzter Sekunde zurückgezogen“, so Höhne. Das Erlebte will eben verdaut werden. Die, die jetzt täglich von Taxi Otto und dem Busunternehmen Faßbender-Sunbird aus Dernau, Rheinbach, Swisttal und Metternich eingesammelt werden, können, müssen aber nicht über ihre Erfahrungen sprechen.

Sponsoren kommen auch aus Bonn

Höhne, die sich auch im Karneval sehr engagiert, ist fast schon gerührt, dass auch am zweiten Tag alle sieben bis zwölfjährigen Teilnehmer Lust hatten wiederzukommen. „Und man darf nicht vergessen, dass die Eltern uns nicht kennen und uns trotzdem die Kinder anvertrauen“, betont Höhne, die aktuell von ihrem Arbeitgeber, der Stadt Bonn, freigestellt ist für die Aktion.

Die Zubereitung des Mittagessens teilen sich der Cassius Garten aus Bonn und der Beueler Arno Schatz aus Spendengeldern mit der Metzgerei Mantau. Die Straußenfarm Remagen heißt alle kostenfrei willkommen, der SC Villip hat ein zweites Tor gestellt, der Bauhof schnell gemäht, der Legoladen in Meckenheim alle zum Spielbesuch eingeladen, die evangelische Kirche hat ihren Bus für Ausflüge vorbeigebracht und ab Mittwoch soll eine gesponserte Hüpfburg die Kinder in Bewegung bringen. Und da soll nach einer Woche wirklich schon Schluss sein? Schulten und Höhne gucken sich an. „Wir würden sehr gerne noch eine zweite Woche anbieten, aber dafür müssten die Shuttlekosten von 2000 Euro gedeckt sein.“

Wer sich vorstellen kann, eine zweite Woche finanziell zu unterstützen und somit 30 Kindern aus den nahen Flutgebieten sorgenfreie Stunden zu verschaffen, kann sich bei Gabi Höhne unter ☎ 01 70/7 88 94 70 oder f.g.hoehne@t-online.de melden.