Nach Kanalarbeiten Gestank aus dem Kanal gibt Holzemern Rätsel auf

Wachtberg-Holzem · Im kleinen Dorf Holzem riecht es seit Längerem immer wieder aus dem Kanal. Dabei wurden die Anlage erst vor Kurzem erneuert. Die Gemeindewerke Wachtberg suchen nach der Ursache.

Aus den Gullis in Wachtberg-Holzem drängt immer wieder Fäkaliengestank nach draußen.

Aus den Gullis in Wachtberg-Holzem drängt immer wieder Fäkaliengestank nach draußen.

Foto: Petra Reuter

Seit dem Anschluss des Arzdorfer an das Holzemer Kanalsystem entströmt den Holzemer Kanalöffnungen regelmäßig Gestank. Die Gemeinde versuchte das Problem bisher vergeblich mit Kanalspülungen und Belüftungen in den Griff zu bekommen. Inzwischen werden in Holzem mögliche Planungs- oder Baufehler diskutiert.

Unerträglich sei der Gestank, erzählen die Anwohner. Eine Bürgerin beschrieb den typischen Ablauf: „Immer wenn die Pumpanlage läuft, fängt es hier an nach Fäkalien zu stinken.“ Oft könne man die Geruchsbelästigung kaum aushalten, Gäste nach Hause einladen sei schier unmöglich. Zudem seien die Gase in dieser Menge auf Dauer gesundheitsschädlich, meinte sie. Zwar habe die Gemeinde inzwischen versucht, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzusteuern. „Wir sind dankbar, dass sich jemand kümmert, und es ist jetzt etwas weniger, aber es stinkt nach wie vor.“

Pumpanlage wurde abgeschaltet

Deswegen hatten sich die Holzemer bereits in der vorletzten Ortsausschusssitzung an ihre politischen Vertreter gewendet. Der Bürgermeister zeigte sich indes bei seinem Ortsbesuch im August vom Problem überrascht. Immerhin habe Schmidt zugesagt, dass die Pumpanlage am Tag des Dorfflohmarkts abgeschaltet blieb, um die Gäste nicht zu vergraulen, sagte die Wachtbergerin.

Trotz aller Bemühungen der Gemeinde und der Gemeindewerke müsse man nach der Ursache für den Gestank fragen, fand eine Holzemerin. „Wenn die Druckleitung und die Pumpanlage korrekt geplant und gebaut wurden, sollte so etwas ja wohl kaum vorkommen“, fand sie und stellte offen die Frage nach der Haftung für das „Desaster“. Ihrer Einschätzung nach trüge zurzeit wohl der Steuerzahler die Mehrkosten.

Ortsvorsteher Tobias Teichner bestätigte auf Anfrage des GA die Virulenz des Themas im Ort. „Fast alle Einwohner betrifft das, es stinkt aus den Schachtdeckeln und zum Teil aus den Hausanschlüssen“, sagte er. Besonders schlimm sei es bei längerer Trockenheit. Dann komme der Mief sogar im anderthalb Kilometer entfernten Nachbarort an, hatte ihm ein Villiper berichtet. Zwischenzeitlich ließ die Gemeinde mehrfach die Kanalleitungen durchspülen. „Das lindert die Belastung für den Moment, aber es behebt das Problem nicht“, sagte Teichner.

Vermehrte Fäulnisbildung als Ursache?

In einer Pressemitteilung informierte die Gemeinde jüngst darüber, dass es in Druckleitungen wegen schnell abnehmender Sauerstoffkonzentration vermehrt zu Fäulnisbildung komme. Weil die Geruchsentwicklung von vielen Faktoren abhänge, „gibt es leider nicht die eine schnelle Lösung“, hieß es. Die Vorständin der Gemeindewerke Katharina Walter wandte sich an die Holzemer mit der Bitte um „Hinweise, ob Verbesserung oder Verschlechterung des Geruchs sowie Zeiträume, in denen der Geruch auftritt“ unter gemeindewerke@wachtberg.de.

Seit wann Bürgerbeschwerden vorliegen, konnte seitens der Gemeinde nicht beantwortet werden. Ein Planungs- und Ausführungsfehler sei aktuell nicht bekannt, sagte der Beigeordnete Swen Christian auf Anfrage. Von der massiven Geruchsentwicklung wisse man seit der Inbetriebnahme des Systems. Von anderen Beispielen wisse man, dass bei solchen Systemen diese Probleme entstehen können und die Abstimmung des Gesamtsystems bis zum Funktionieren ohne Geruchsbelästigung Zeit in Anspruch nimmt.

Aktuell arbeite das Herstellerunternehmen mit den Gemeindewerken an möglichen Lösungen. Zur Haftungsfrage verwies der Beigeordnete auf eine Frist von fünf Jahren, innerhalb derer Ansprüche gestellt werden könnten, sofern sie sich als berechtigt herausstellten. Er ging davon aus, dass die bis zur vollständigen geruchsbelastungsfreien Funktion der Anlage anfallenden Kosten das Gemeindesäckel nicht belasten.