Gemeinde meldet sich zu Wort Kritik an Glasfaserausbau in Wachtberg reißt nicht ab

Wachtberg · Der Glasfaserausbau in Wachtberg läuft an einigen Stellen alles andere als rund, die Anwohner im Drachenfelser Ländchen sind genervt. Ihrer Wut machen sie bei der Gemeinde Luft. Die ist aber gar nicht zuständig.

 Auch in Villip wird das Glasfasernetz ausgebaut.

Auch in Villip wird das Glasfasernetz ausgebaut.

Foto: Axel Vogel

Es ist eher ungewöhnlich, dass eine Gemeinde, wenn sie selbst noch nicht einmal der Auftraggeber ist, laufende Bauarbeiten auf ihrem Gebiet offensiv kritisiert. Was die Qualität des Glasfaserausbaus angeht, scheint in Wachtberg aber jetzt die Geduld von Bürgermeister Jörg Schmidt am Ende zu sein. Denn in einer Pressemitteilung fällt seine Verwaltung ein „ernüchterndes“ Resümee zum Stand der Arbeiten, die von den beiden Telekommunikationsanbietern Deutsche Telekom und bn:t Blatzheim Networks Telecom in einem sogenannten eigenwirtschaftlichen Betrieb durchgeführt werden. Zur Begründung heißt es: „In den letzten Monaten haben sich die Beschwerden aus der Bürgerschaft bezüglich der jeweiligen baulichen Ausführungen massiv gehäuft.“ Daher verweist die Gemeinde in der Pressemitteilung im Fall von weiteren Hinweisen und Beschwerden auf die Ansprechpartner der Projektträger, die dann kontaktiert werden sollen.

Beschwerden an der Ausführung des Glasfaserbaus in Wachtberg sind alles andere als neu. Bereits im vergangenen Jahr hatte der GA mehrfach über das Thema anlässlich der Arbeiten in Niederbachem berichtet. Unter anderem auch über ein Krisentreffen von Bürgermeister Jörg Schmidt mit einem Telekom-Vorstand. Erst vor wenigen Wochen hatte Schmidt im Niederbachemer Ortsausschuss kritisiert, „dass bis heute noch keine einzige Straße von der Gemeinde wieder abgenommen worden ist“.

Hintergrund war, dass die Asphaltdecke vieler aufgebrochener Straße immer noch nicht wieder komplett hergestellt ist und so weiterhin Fahrbahnvertiefungen und teils Stolperfallen auf Gehwegen bestehen. Diese Aussage gelte sowohl für die Ortsteile, für deren Ausbau die Telekom verantwortlich zeichne, wie aber auch für jene Lagen, die im Auftrag des in Bad Godesberg ansässigen Anbieters bn:t mit Glasfaser versorgt werden, so die Verwaltung. Neben Niederbachem befinden sich laut der Gemeinde die Ortschaften Adendorf, Pech, Villip und Villiprott im Ausbau. Adendorf, Niederbachem und Villip werden von der Telekom ausgebaut, während bn:t die Verantwortung für den Ausbau in Pech und Villiprott übernommen hat.

Jetzt legte die Gemeinde nach. „In den bereits vor Wochen mit den Unternehmen geführten Gesprächen haben wir mit Nachdruck die ordnungsgemäße Umsetzung der Arbeiten vor Ort angesprochen“, so Schmidt in der Pressemitteilung: „Auch wenn wir hierbei als Gemeinde keine direkte Verantwortung tragen, nehme ich die Beschwerden sehr ernst.“ Ziel bleibe es, in Wachtberg Zugang zu schnellem Internet zu bekommen, bekräftigte der Bürgermeister. Daher werde er auch weiterhin „im ständigen Austausch mit allen Beteiligten“ bleiben.

Ganz grundsätzlich verläuft der Glasfaserausbau laut Gemeinde wie folgt: Nach Antragstellung gebe es eine gemeinsame Vorabbegehung der Trasse mit dem Bauherrn, in dem Fall Telekom oder bn:t, und dem Straßenbaulastträger. Sollte der Trassenverlauf gegebenenfalls angepasst werden müssen, müsse der Antrag nochmals geändert werden. Anschließend erteile die Gemeinde eine Aufbruchgenehmigung. Während der Bauzeit liege die komplette Koordination beim jeweiligen Bauherrn.

Nach Beendigung aller Baumaßnahmen findet eine Bauabnahme statt. Die Straßenkörper werden laut Gemeinde vom Straßenbaulastträger abgenommen: „Sollten Schäden im Straßenkörper sein, so werden diese dokumentiert und die Baumaßnahme wird nicht abgenommen.“ Bis zur Abnahme liege die Straßenverkehrssicherungspflicht beim jeweiligen Bauunternehmen: „Erst nach der Abnahme geht die Straße wieder in die Unterhaltung der Gemeinde über.“

Telekom sieht keine Häufung der Beschwerden

Zur den laut Gemeinde gehäuften Bürgerbeschwerden sagt die Telekom: „Zum aktuellen Zeitpunkt haben wir kein Beschwerdeaufkommen, welches über das normale Maß dessen, was bei einem solch komplexen Infrastrukturprojekt anfallen kann, hinausgeht“, so Sprecher Maik Exner. „Wichtig ist zu betonen, dass wir allen Hinweisen und Beanstandungen nachgehen.“ Diese könnten per E-Mail übermittelt werden. Die Telekom würde die Beschwerden sammeln, prüfen und koordiniert ausbessern.

Und mit Blick auf die Wiederherstellung der Asphaltdecken, führt Telekomsprecher Exner aus: „Nachdem seit Kurzem auch die Asphaltwerke wieder geöffnet haben, kann jetzt weiterhin bei entsprechenden Temperaturen und Witterungsverhältnissen die letzte Asphaltschicht auch an den Stellen wieder aufgebracht werden, an denen dies über den Winter nicht möglich war.“ Mehr Informationen zu dem Ablauf der Gewerke beim Glasfaserausbau habe die Telekom in einem Youtube-Video zusammengefasst. Das Unternehmen b:nt ließ eine entsprechende Anfrage des GA unbeantwortet.

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