Nach Messerangriff in Berkum Wachtberger Bürgermeister will Sicherheit in Flüchtlingsunterkunft prüfen

Wachtberg · In der vergangenen Woche gab es eine Messerattacke in einer Flüchtlingsunterkunft in Berkum. Bürgermeister Jörg Schmidt will sich nun ein Bild von der Situation in der Unterkunft machen.

 Die Gemeinde Wachtberg hat einen Teil der ihnen zugewiesenen Flüchtlinge im Alten Bollwerk untergebracht.

Die Gemeinde Wachtberg hat einen Teil der ihnen zugewiesenen Flüchtlinge im Alten Bollwerk untergebracht.

Foto: Axel Vogel

Zwei Polizeieinsätze sorgten für viel Aufregung in der Gemeinde Berkum. Beide hatten sich am 15. Mai fast gleichzeitig und nur nur wenige hundert Meter Luftlinie voneinander entfernt zugetragen. Der Amokalarm in der Hans-Dietrich-Genscher-Schule mit vielen Betroffenen überschattete das Geschehen in der Flüchtlingsunterkunft in der Alten Schule am Bollwerk, wo es zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen zwei Bewohnern inklusive einer Messerattacke gekommen war.

Gemeinde denkt über Sicherheit nach

Für die Gemeindeverwaltung spielt die Aufarbeitung insbesondere dieses blutig verlaufenen Streits eine große Rolle, „weil es bislang zu keinem vergleichbaren Vorfall in einer unseren Flüchtlingsunterkünfte gekommen war“, betonte Bürgermeister Jörg Schmidt. Darum werde man sich jetzt Gedanken machen, ob und gegebenenfalls welche Maßnahmen getroffen werden müssten, um zukünftig Mitarbeiter wie aber auch Bewohner in den Flüchtlingsunterkünften bei solchen Streitgeschehen besser zu schützen.

Wie berichtet, war die Polizei am Mittwoch vergangener Woche um 12.50 Uhr wegen eines Messerangriffs in die Flüchtlingsunterkunft am Bollwerk gerufen worden. Nach Auskunft der Polizei hatte ein 32-Jähriger einen 37-Jährigen mit einem Messer angegriffen. Beide sind Bewohner der Unterkunft und kennen sich nach Auskunft der Polizei. Der Tatverdächtige flüchtete zunächst, konnte aber schnell gestellt werden. Der 37-Jährige wurde bei dem Angriff verletzt, allerdings nicht lebensgefährlich.

Wie es genau dazu kommen konnte, dass ausgerechnet der 32-Jährige Angreifer so rabiat gegen den 37-jährigen Mitbewohner in der Unterkunft vorging, ist der Gemeinde immer noch ein Rätsel: „Der 32-Jährige galt zuvor als völlig unauffällig und freundlich“, führte Jörg Schmidt aus, der in der Verwaltung mittlerweile auch für das Sozialwesen und die Flüchtlingsbetreuung zuständig ist. Auch hätten die beiden Männer, die in Streit geraten seien, schon geraume Zeit zusammen in der Flüchtlingsunterkunft gelebt, sich also auch gut gekannt.

Vor allem was das Thema „Betreuung“ von Geflüchteten angeht, spricht der Bürgermeister in seiner Gemeinde von einer „vorbildlichen Arbeit“. Zwei Hausmeister und drei Sozialarbeiter würden sich täglich um das Wohlergehen wie aber auch die Integration der Flüchtlinge in den insgesamt fünf größeren Unterkünften der Gemeinde kümmern.

Bürgermeister: Kein Ersatz für „adäquates Wohnen“

Natürlich könnten seine Sozialarbeiter auch bei noch so guter Betreuung keinem Bewohner letztendlich „hinter die Stirn schauen“, betonte der Bürgermeister. Darüber hinaus müsse man aber auch zur Kenntnis nehmen, dass die Unterbringung in der Flüchtlingsunterkunft auf Dauer kein Ersatz für adäquates Wohnen sei: „Die Enge in der Einrichtung kann sicherlich auch schon mal zu Konflikten führen.“ Das Phänomen habe auch nichts mit Ethnien zu tun: „Bei der räumlichen Situation würde es auch zu Stresssituationen mit deutschen Staatsbürgern kommen, wenn die in einer Flüchtlingsunterkunft leben würden“, ist sich Schmidt sicher.

Fakt bleibe jedoch, dass man angesichts der letzten Geschehnisse jetzt über die Einführung von Schutzmaßnahmen in den Einrichtungen nachdenke. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise die Installation eines Alarmknopfes, den Mitarbeiter wie Bewohner im Fall einer Notsituation drücken könnten.

Wenn es sich bei der Messerattacke in der vergangenen Woche nicht um einen absoluten Einzelfall handeln sollte, müsste die Gemeinde laut Schmidt in letzter Konsequenz auch an die Beauftragung eines Sicherheitsdienstes denken: „Das würde natürlich viel Geld kosten.“

In der kommenden Woche will sich Jörg Schmidt zunächst bei einem Vor-Ort-Termin selber nochmals ein Bild von der Situation in der Flüchtlingsunterkunft machen: „Dabei geht es mir aber in erster Linie darum, abzuklären, ob die Bewohner dort in irgendeiner Form Hilfe bei der Verarbeitung der Ereignisse brauchen.“ Beispielsweise durch eine psychologische Betreuung.

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