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Flüchtlingsarbeit in Wachtberg: Wachtberg sieht eigenes Erfolgsmodell gefährdet

Flüchtlingsarbeit in Wachtberg : Wachtberg sieht eigenes Erfolgsmodell gefährdet

Vorstellung der Kreisexpertise zur Flüchtlingsarbeit geschieht parallel zum Rückzug des DRK. Der will sich neu aufstellen und hat der Flüchtlingsbetreuerin Tülin Kahlenberg gekündigt.

Drei Säulen zum Erfolg – diesen Untertitel hat das Kommunale Integrationszentrum (KI) des Kreises für seine Studie zur Flüchtlingsarbeit in Wachtberg gewählt. Am Montagabend präsentierte Leiterin Antje Dinstühler die Expertise in einer Sondersitzung des Sozialausschusses. Dabei fand die Frau aus dem Kreishaus viele lobende Worte für das Wachtberger Modell, in dem Gemeinde, Ökumenischer Arbeitskreis und Deutsches Rotes Kreuz an einem Strang ziehen. „Es ist gut aufgestellt, aber es gibt Optimierungsmöglichkeiten“, lautete ihr Fazit nach gut einstündigem Vortrag.

Brisanz erhielt die Studie dadurch, dass sich das DRK Wachtberg, wie berichtet, neu aufstellen will und Flüchtlingsbetreuerin Tülin Kahlenberg zum 30. Juni gekündigt hatte. Diese hatte Dinstühler in ihrer Präsentation jedoch ein ums andere Mal gewürdigt. „Frau Kahlenberg ist ein wichtiger Player, wenn es um den direkten Zugang zu Flüchtlingen geht“, so die KI-Leiterin. Kein Wunder also, dass die Politiker zunächst eine Diskussion über diese Personalie anstießen und die Expertise fast zur Nebensache geriet. „Eine wesentliche Säule ist das DRK, die ist aber nun offen“, kritisierte Hartmut Beckschäfer (CDU). Die dritte Säule wackele stark, meinte auch Sabine Killmann. „Wir müssen alles versuchen, Frau Kahlenberg für Wachtberg zu erhalten“, so die Grünen-Politikerin, die letztlich aber mit einem Dringlichkeitsantrag scheiterte, die Flüchtlingsbetreuerin in den Stellenplan der Gemeinde aufzunehmen.

Bürgermeisterin Renate Offergeld erklärte daraufhin, dass Kahlenbergs Arbeit für einen Monat von einem Ehrenamtlichen des DRK übernommen werde. „Ich treffe mich noch in dieser Woche mit dem Kreisverband des Roten Kreuzes, um über eine Zusammenarbeit zu sprechen“, sagte Offergeld, die außerdem ankündigte, dass wegen der Personalsituation bis Ende August keine neuen Flüchtlinge nach Wachtberg kommen werden.

Und dann ging es doch noch um die Handlungsempfehlungen, die ein externes Büro für den Kreis und letztlich die Gemeinde erarbeitet hat. Basis dafür seien 17 Interviews á 45 Minuten mit lokalen Akteuren aus Verwaltung (8), Politik (5), Ehrenamt (2) und DRK (2) gewesen. „Hinter allem stand die Frage der Nachhaltigkeit“, so Dinstühler. In Richtung Politik empfahl sie zum Beispiel, einen Anforderungskatalog an die Verwaltung zu stellen: „Was brauchen Sie, um gut informiert zu sein?“ Bei der Gemeinde regte sie unter anderem an, ein Prozessmanagementsystem aufzubauen: „Im Bereich der Unterkünfte ist das wohl jetzt geschehen, aber Sie müssen Ihr Wissen hinterlegen.“ Ähnliches riet sie auch den Ehrenamtlichen um Kurt Zimmermann vom Ökumenischen Arbeitskreis: „Erstellen Sie ein Handbuch.“ Zudem könne man zur Nachwuchsförderung vielleicht den Jugendrat der Gemeinde ansprechen, Helfer fortbilden.

Die Schule kam in den Interviews nicht so gut weg („fehlende Konzepte zur nachhaltigen Integrationsarbeit“), weshalb die KI-Leiterin interdisziplinäre Arbeitskreise vorschlug und transparenteren Austausch. Neben Dank gab es auch kritische Nachfragen. Jutta Danylow (SPD) wunderte sich über die hohe Anzahl kommunaler Interviewpartner, auch Killmann sah darin mögliche Verschiebungen bei den Antworten. Ursula Schöpf (UWG) fragte sich, wie man den Aufgabenkatalog bewältigen könne. „Es geht nicht um eine To-do-Liste, sondern nur um Optimierungsmöglichkeiten“, sagte Dinstühler.

Jürgen Meinberg (FDP) befand, man habe eine gute Grundlage in Wachtberg geschaffen. So gut, dass andere Kreiskommunen laut KI-Leiterin neidisch aufs Ländchen blicken.