Gewerbepark in Wachtberg Wird es weitere Gewerbeflächen in Villip geben?

Wachtberg · Der Gewerbepark Villip ist ein beliebter Firmenstandort - mit Optimierungspotenzial. Allerdings haben Anlieger und Gewerbetreibende Kritikpunkte, unter anderem den Parkplatzmangel durch „dauerparkende“ Wohnmobile.

Der Parkplatzmangel wird laut Anrainern durch „dauerparkende“ Wohnmobile verschärft.

Der Parkplatzmangel wird laut Anrainern durch „dauerparkende“ Wohnmobile verschärft.

Foto: Martina Sondermann

Nur ein paar Autominuten von der A565 entfernt wurde 1998 mitten im „Drachenfelser Ländchen“ der Wohn- und Gewerbepark Villip gegründet. Ein wachsender Unternehmensstandort mit einem Branchenmix aus regionalen und weltweit agierenden Firmen. Überwiegend Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, aber auch Institute und Arztpraxen, Imbisse und Restaurants. Ihre Anzahl ist laut Gemeindeverwaltung von rund 75 (Stand Oktober 2018) auf mittlerweile 104 (Stand März 2024) gestiegen. Doch es gibt auch Kritikpunkte wie fehlende Parkplätze und Glasfaseranschlüsse.

Einige Firmen haben sich im Laufe der Zeit neu strukturiert. Wie der Aktenvernichter Reisswolf, der 2014 von Godesberg nach Wachtberg umgesiedelt ist, drei Jahre später zum Informationslogistikdienstleister documentus wurde und seit November 2023 hier als Rheingold Aktex Bonn firmiert. Oder der Scanner-Hersteller Cruse Spezialmaschinen, der sich nach Insolvenz in 2022 neu organisiert und nur einen Steinwurf entfernt als Cruse Technologies niedergelassen hat.

Grundstücke gehen meist unter der Hand weg

Der Gewerbeverein Wachtberg verzeichnet eine positive Unternehmensentwicklung. „Wir haben viele Mitglieder im Gewerbepark, die alle kräftig gewachsen sind“, berichtet der Vorsitzende Kai Birkner. Zwar gebe es immer noch Bedarf von Gewerbetreibenden, die flächenmäßig gerne expandieren würden, aber das sei meist nicht möglich, so Birkner, und privat angebotene Gewerbeflächen gingen in der Regel schnell unter der Hand weg. So wie die ehemalige Hundeschule, deren Eigentümerin zum Jahreswechsel weggezogen ist und ihr Grundstück an einen Nachbarn verkauft hat.

„Grundsätzlich ist aus Sicht der Wirtschaftsförderung zu sagen, dass die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken da ist“, bestätigt auch Margrit Märtens, Pressesprecherin der Gemeinde Wachtberg. Allerdings würden diese meist nicht die von der Politik gesetzten Kriterien erfüllen. 20 Jahre nach seiner Gründung wurde der Gewerbepark um rund 7,5 Hektar erweitert, die bis auf ein Grundstück neben der Flüchtlingsunterkunft alle vermarktet sind. „Weitere Flächen stehen derzeit nicht zur Verfügung“, so Märtens. 2018 hieß es, dass ein avisiertes Erweiterungsgebiet jenseits des Wirtschaftswegs noch „Zukunftsmusik“ sei. Ob und wann es realisiert wird, konnte die Gemeinde nicht sagen.

Lob und Kritik

Das Stimmungsbild vor Ort ist durchwachsen, und nicht jeder der stichprobenartig Befragten möchte seinen Namen veröffentlichen. Was alle einvernehmlich betonen, sind die schöne und verkehrsgünstige Lage sowie der gute Zusammenhalt und die sich daraus ergebenden Synergien. „Man profitiert voneinander“, berichtet Landschaftsarchitektin Léa Müller-Blot, die hier seit 2012 tätig ist. Dass man einander gerne aushelfe, bestätigen auch andere. So nutzt man bei Aktex zum Wiegen langer Sattelzüge die 50-Tonnen-Brückenwaage vom Norbert Wirtz Agrarhandel, wenn die eigene zu klein ist.

Dirk Helbach, dessen Familienunternehmen seit 1981 in Wachtberg und seit 24 Jahren im Gewerbepark ansässig ist, schätzt dessen repräsentative Optik. „Im Vergleich zu anderen Gewerbegebieten ist es hier relativ sauber und aufgeräumt“, meint der Fensterbauer. „Alle Unternehmen halten ihr Gelände ordentlich und gepflegt.“

 Ein Kritikpunkt von Gewerbetreibenden ist der Müll in den Parkbuchten.

Ein Kritikpunkt von Gewerbetreibenden ist der Müll in den Parkbuchten.

Foto: Martina Sondermann

Andere Stimmen beklagen sich über Müll an den Glascontainern und in den Parkbuchten. Diesbezüglich weist Märtens darauf hin, dass die Straßenreinigung durch die Firma Strabo wöchentlich erfolgt. Was die Glascontainer im Siebengebirgsblick angeht, erklärt die zuständige Firma Remondis, dass diese 14-tägig geleert würden und aktuell keine Informationen vorlägen, dass es an besagtem Standort zu erhöhtem Aufkommen an Unrat käme.

Fehlende Glasfaseranbindung ist ein großer Kritikpunkt

Ein weiteres Problem sei der Mangel an öffentlichen Parkplätzen, was durch „dauerparkende“ Wohnmobile noch verschärft würde, heißt es von Anrainern. Die Situation mit „gelegentlich“ dort parkenden Wohnmobilen habe man im Blick, versichert Märtens und verweist darauf, dass grundsätzlich die Betriebe Parkflächen für ihre Mitarbeiter und Kunden vorhalten müssten. Dass es trotzdem „gelegentlich“ zu Engpässen komme, sei bekannt, weitere öffentliche Parkplätze einzurichten aber „schwierig“.

Ein großer Kritikpunkt ist die fehlende Glasfaseranbindung. Hierzu heißt es von der Deutschen Telekom, dass man aktuell keine konkreten Angaben zum Zeitpunkt eines möglichen Glasfaserausbaus machen könne. „Aufgrund der knappen Ressourcen und der aktuellen Entwicklungen am deutschen Tiefbaumarkt befindet sich der Gewerbepark in Villip in der FTTH-Ausbau-Prüfung“, so Unternehmenssprecher Maik Exner. „Diese wird fortlaufend an die Marktentwicklung angepasst.“

Wünschenswert fänden einige Unternehmer und Mitarbeiter im Gewerbegebiet dessen direkte Anbindung an das Einkaufszentrum (EKZ) Berkum über den Wachtbergring K58 via ÖPNV und Radweg. Hierzu erklärt der Rhein-Sieg-Kreis, dass man im Vorfeld diverse Varianten für die RVK-Buslinie 881 untersucht und sich schlussendlich für die Linienführung über Holzem entschieden hat, da dieser Ort ansonsten nicht an den ÖPNV angebunden wäre.

Was den Radweg angeht, sind die Planungen für das letzte Teilstück bis zum Kreisverkehr am EKZ abgeschlossen und alle Baugenehmigungen eingeholt. Parallel zur Erarbeitung eines landschaftspflegerischen Begleitplans will man bis Mitte des Jahres einen Förderantrag bei der Bezirksregierung einreichen. Sobald der Rhein-Sieg-Kreis die Förderzusage erhält, könne voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2025 mit dem Bau begonnen werden, heißt es von der Kreisverwaltung.

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