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Wachtberg: Vierzehn Verletzte an einer Kreuzung in 3,5 Jahren

Viele Unfälle auf Kreuzung in Wachtberg-Berkum : ADFC kritisiert Situation am Wachtbergring

Nach dem neuerlichen Vorfall an der Kreuzung Rathausstraße/Wachtbergring will der Kreis auf den Landesbetrieb Straßen zugehen. Elf Leicht- und drei Schwerverletzte ist die Bilanz der Unfälle in 3,5 Jahren.

Das kleine Ampelprovisorium an der Kreuzung von Rathausstraße und Wachtbergring kündet noch von dem, was sich am Samstag hier ereignet hat: Ein folgenschwerer Abbiegeunfall, bei dem zwei junge Frauen schwer verletzt wurden. Nun hat sich auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in die Diskussion um die gefährliche Kreuzung eingeschaltet. ADFC-Ortsgruppensprecher Andreas Stümer stört sich aber auch an der Situation für Fußgänger und Radler.

Wie er mitteilte, sei es gefährlich und eine Zumutung, wolle man zu Fuß oder mit dem Rad das Einkaufszentrum, den Busbahnhof oder Werthhoven erreichen. „Gemeinde, Kreis und Land sind über diese Situation seit mindestens zehn Jahren immer wieder informiert worden“, sagte Stümer. Getan habe sich in diesem Zusammenhang nichts, jedenfalls soweit es um die Belange der Fußgänger und Radfahrer gehe.

Stümer nennt ein Beispiel: Manchmal dauere die Überquerung der Kreuzung vom Fuß-/Radweg auf der Ostseite Richtung Einkaufszentrum mehr als vier Minuten, inklusive eines Zwischenaufenthalts auf einer „viel zu kleinen und ungesicherten“ Insel. Da helfe nur ein Totalumbau der Kreuzung.

Harald Pütz, Leiter des Straßenverkehrsamtes im Rhein-Sieg-Kreis, betonte am Donnerstag, dass man im Fall einer Überplanung der Ampelanlage alle Verkehrsteilnehmer im Blick habe. „Vom Komfort her könnte man die Situation für Radler und Fußgänger verbessern“, gab Pütz unumwunden zu. Allerdings stehe die Sicherheit bei allen Überlegungen an oberster Stelle. Es habe seiner Kenntnis nach bislang nur einen Unfall mit Radfahrerbeteiligung gegeben, dagegen 17 mit Autos in dreieinhalb Jahren. Eine mögliche längere Wartezeit begründete Pütz mit dem Zeitpunkt des Auslösens der Bedarfsampel innerhalb einer Umlaufphase.

14 Unfälle mit Verletzten in 3,5 Jahren

Der Unfall vom Samstag war nicht der erste dieser Art, wie Polizeisprecher Simon Rott auf Anfrage sagte. Von 2017 bis heute hat die Polizei an der Berkumer Kreuzung 17 meldepflichtige Unfälle aufgenommen.

„Das sind Unfälle mit Verletzten oder zumindest einem hohen Sachschaden“, sagte Rott. 13 Mal gab es Probleme beim Linksabbiegen, vier Mal fuhren Autofahrer auf einen Wartepflichtigen auf. In elf Fällen blieb es bei Leichtverletzten, drei Menschen wurden schwer verletzt. Unbekannt ist die Zahl der Blechschäden. Die Mitglieder der Wachtberger Facebook-Gruppen analysieren seitdem die Ursachen und outen sich bisweilen, dort selbst schon in Beinahe-Zusammenenstöße verwickelt gewesen zu sein.

Kreis- und Landesstraße treffen aufeinander

Daneben gibt es Forderungen, wie sie auch die Fraktion Unser Wachtberg in einer Pressemitteilung formulierte: Eine den Konfliktsituationen angepasste Steuerung der Lichtsignalanlage oder der Bau eines Kreisverkehrs müsse her. An sich kein neues Thema für das Straßenverkehrsamt des Rhein-Sieg-Kreises, das an dieser Stelle nach Bekunden seines Leiters Harald Pütz „den Hut auf hat“. Dazu muss man wissen: Am Wachtbergring treffen mit der K58 und der L123 eine Kreis- und eine Landesstraße aufeinander. Man habe den Bereich als so genannte Unfallhäufungsstelle schon einige Zeit im Blick.

Die  Unfallkommission aus Kreis, dem Landesbetrieb Straßen NRW, Gemeinde und Polizei hatte deshalb schon eine eigene Ampelphase für die Linksabbieger der Kreisstraße nach Meckenheim und in Richtung Niederbachem eingeführt. Auf der Landesstraße müssen Autofahrer auf dem Weg nach Werthhoven und zum Einkaufszentrum den Gegenverkehr passieren lassen.

Neue Anlage würde Stau verursachen

Da es sich um eine alte Ampel mit alter Technik handele, könne man nicht immer weiter Veränderungen vornehmen. Stelle man eine neue Anlage hin, um weitere Phasen zu schaffen, produziere das höchstwahrscheinlich Stau. „In Sachen Kreisverkehr haben wir bislang von Fachleuten stets gehört, dass er wegen der Hanglage baulich nicht durchzusetzen sei“, so der Chef des Straßenverkehrsamtes. Die Topografie sorge dafür, dass Autos beim Einfahren in den Kreisel erst spät gesehen würden. „Wir werden die Entwicklung zum Anlass nehmen, verstärkt auf den Landesbetrieb zuzugehen“, kündigte Pütz an. Die Kosten für eine mögliche Maßnahme würden zwischen Kreis und Straßen NRW anteilig berechnet. „Von unserer Seite ist auf jeden Fall Geld für eine Signalplanung da“, sagte der Amtschef. Darunter falle beispielsweise eine Verkehrszählung.

Bernd Aulmann, Sprecher beim Landesbetrieb, ließ im GA-Gespräch ebenfalls durchblicken, dass es keine schnelle Lösung für das Berkumer Problem geben werde. Gleichzeitig kündigte er an, das Provisorium werde wohl ein bis zwei Monate Bestand haben, eine neue Ampel sei bestellt. „Wir gehen von einem Schaden von 15.000 Euro aus“, sagte Aulmann.

Die bisher erfolgten kleinen Verbesserungen hätten leider noch keinen merklichen Effekt gebracht, teilte die Gemeinde Wachtberg auf Anfrage mit. Sie bezeichnete die Kreuzung als „Sorgenpunkt“. Man sei zwar nicht zuständig für die Planung rund um „Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs“, sagte Beigeordneter Swen Christian: „Aber wir werden uns auch weiterhin für eine Lösung im Sinne der Gemeinde einsetzen.“