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Wachtberg: Wassermelonen - Obstbauer setzt auf Bibo & Conguita

Wassermelonen aus Wachtberg : Obstbauer setzt auf Bibo & Conguita

Streng genommen sind Wassermelonen Gemüse. Das hat Obstbauer Johannes Schwind aber nicht daran gehindert, sie nun in Wachtberg anzupflanzen. Als regionale Alternative zu exportierten Früchten, aber auch aus einem anderen Grund.

Sommer, Sonne, Süden – das sind die Basiszutaten für eine gute Wassermelone. Jedenfalls bislang. Sommer, Sonne, Wachtberg heißt es dagegen bei Johannes Schwind. Denn der Ließemer Obstbauer isst Melonen nicht nur leidenschaftlich gerne, er pflanzt sie auch an.

„Ich bin immer auf der Suche nach etwas Reizvollem“, erzählt der 23-Jährige, der im elterlichen Betrieb arbeitet. So stieß er vor vier Jahren bei einem Kollegen aus Sachsen-Anhalt auf das runde Gemüse – made in Germany. Denn Melonen zählen zu den Kürbisgewächsen und sind somit ein Fruchtgemüse. „Ich habe mir zudem im Internet viel Wissen angeeignet“, so Schwind. Für seine Meisterschule, die er vergangenes Jahr erfolgreich abschloss, entwarf er eine Kostenkalkulation zum Anbau.

2020 begann das Projekt Melone

2020 startete er das Projekt erstmal im Kleinen, aber im Gegensatz zu diesem Jahr bei bestem Wetter. Die Vorgehensweise war aber die gleiche. „Die Pflanzen werden im Gewächshaus vorgezogen und nach den Eisheiligen Ende Mai, Anfang Juni mit einer Größe von etwa acht Zentimetern gesetzt“, so der Obstbaumeister. Schon im Jahr zuvor muss Gründünger ausgebracht werden, um eine gute Humusschicht zu haben. „Im Winter wird die Grünfrucht eingearbeitet und der Boden vorbereitet für die Biofolie“, erklärt er. Diese wirkt später wie ein Wärmesystem, um die Pflanzen zu schützen, da sie Temperaturen unter drei Grad nicht mögen.

Die Folie bestehe aus Maisstärke, sei doppelt so teuer wie die Plastikversion, zersetze sich dafür aber nach vier Monaten von selbst. Das Gerät „Grubber“ durchmischt mit seinen Zinken anschließend den Bereich zwischen den Folien und hebt das Unkraut aus. Drei Hektar Feldfläche hat er 2021 für die Melonen reserviert, zwischen den Pflanzen immer 80 Zentimeter Abstand gelassen und nach links und rechts 1,50 Meter. „Ich musste bei meinen Eltern schon ein wenig Überzeugungsarbeit leisten“, lässt er durchblicken, dass diese zunächst skeptisch waren. Zumal das Gemüse anfangs verhätschelt werden will; so muss das Unkraut vom Pflanzloch entfernt und die Pflanzen – der Wärme wegen – immer wieder auf die Folie gelegt werden.

Melonen sind Wüstenfrüchte

Wasser brauchen sie dagegen interessanterweise kaum. „Es sind ja eigentlich Wüstenfrüchte, sodass sie bei Trockenheit besser gedeihen“, sagt der Ließemer. Weshalb er sie als gute Kultur fürs Klima einstuft. Allerdings hat ihm eben jenes Klima diesmal in Form von Nässe und Kälte gezeigt, dass er künftig noch mehr auf Folientunnel setzen wird bei den Melonen. „Wir konnten überhaupt erst Mitte August mit der Ernte beginnen, und bei den meisten Früchten aus der Freilandkultur stimmt die Qualität für mich nicht.“ Weshalb diese, anders als ihre Schwestern aus den Tunneln, nicht im Verkauf landen. Der findet vor allem im Obstautomaten am Hof, dem eigenen Stand in Muffendorf und bei befreundeten Hofläden oder Händlern statt. „Man kann im Februar eben nicht wissen, wie das Wetter wird“, musste er sich eingestehen.

2000 Kilogramm erntete er 2020, diesmal hätten es – bei einem Sommer, der den Namen verdient – 60.000 Kilogramm werden sollen. Auf die vielen Prachtexemplare – made in Wachtberg – ist er trotzdem stolz. Aber wie weiß man überhaupt, wann die Melone reif ist? Klopfen, wie man es selbst immer im Geschäft macht? „Genau und dann auf den Ton achten“, empfiehlt der Experte. Sei ein leichter Wiederhall zu hören, als würde Wasser darin schwimmen, schritten seine Leute zur Ernte.

Von der Mitte aus rot

Ein, aber nicht der einzige Indikator, ist zudem das Gewicht. Melonen würden von der Mitte aus rot; seien sie weiß, gebe es noch keine Wassereinlagerung und sie seien leichter. Auf drei Sorten setzt Schwind: die gestreifte Bibo, die dunkelgrüne Conguita und die hellgrün-marmorierte Master. Alle sind maximal zwei bis 2,5 Kilo schwer. „Man kauft also nicht ein mit Stretchfolie versehenes Teilstück, sondern kann die ganze Melone mitnehmen und auf einmal essen“, betont er. Die Schale preist er ebenfalls an: „Schmeckt wie Gurke und ist viel zu schade zum Wegwerfen.“

Während in der Probephase alle Exemplare von Hand gereinigt wurden, hat sich Schwind für dieses Jahr eine Waschstraße zugelegt. Er testete sie im Winter mit Äpfeln und perfektionierte sie. „Die Melonen laufen erst über Bürsten, plumpsen dann in einen Wassertank und passieren danach ein Förderband mit Trockentüchern.“ Zum Schluss gibt’s das Etikett: Wachtberger Wassermelonen. Zwei Euro kostet das Kilo. „Da kann ich locker mit Supermärkten mithalten, und der Geschmack ist besser“, gibt sich der Unternehmer selbstbewusst.