Hochwasser und Starkregen So soll sich Wachtberg künftig vor Unwettern schützen

Wachtberg · In den vergangenen 14 Jahren ist Wachtberg dreimal von schweren Unwettern heimgesucht worden. Eine Expertin hat der Politik nun erläutert, was alles zu tun ist, um die Gemeinde künftig besser vor Hochwasser und Starkregen zu schützen.

Die Schäden, die das Unwetter von 2016 verursachte, hat die Gemeinde an der Kreuzung Ahrstraße/ImTal/Zum Rheintal mittlerweile behoben.

Die Schäden, die das Unwetter von 2016 verursachte, hat die Gemeinde an der Kreuzung Ahrstraße/ImTal/Zum Rheintal mittlerweile behoben.

Foto: Axel Vogel

Die verheerende Flut vom 14. Juli 2021 entlang der Ahr und im Vorgebirge jährt sich im Sommer zum dritten Mal. Viele der teils katastrophalen Schäden an Immobilien und Infrastruktur sind immer noch nicht behoben. Von daher war der Vortrag „Klimaanpassung und Gemeindeentwicklung - Fokus: Hochwasser und Starkregen“ im letzten Planungsausschuss aktueller denn je. Es referierte mit Andrea Hartz eine ausgewiesene Expertin. Hartz ist Moderatorin der Klimawandelvorsorgestrategie der Region Köln Bonn und Mit-Autorin der in diesem Projekt erstellten Praxishilfe.

Das Thema interessiert in Wachtberg besonders, da sich in den vergangenen 14 Jahren gleich drei sogenannte Jahrhundertunwetter über der Gemeinde entladen hatten: 2010, 2013 und 2016 verwüsteten Regen und Hochwasser große Teile des Gemeindegebietes. Andrea Hartz stellte in ihrem Vortrag nun insbesondere die rechtlichen Pflichten und planerischen Möglichkeiten der Steuerung vor, die sich durch die Zunahme von Unwettern, bedingt durch den Klimawandel, für die kommunale Bauleitplanung in Wachtberg ergeben.

Denn im Drachenfelser Ländchen ist längst beschlossene Sache: Die Gemeinde will in ihren Zuständigkeitsbereichen bis möglichst 2035 klimaneutral aufgestellt sein, heißt es in der Verwaltungsvorlage für den Ausschuss. Spätestens 2045 hofft man, dieses Ziel zu erreichen. Dazu wird ein interkommunales Konzept „Klimaneutrale Region Rhein-Voreifel“ mit einem Maßnahmenkatalog und einer zeitlichen Abfolge von Meilensteinen mit externer Unterstützung erarbeitet.

Neben diesen wichtigen energetischen Aspekten gelte es, den Blick auch auf die räumlichen Bezüge des Klimaschutzes zu richten, heißt es in der Vorlage weiter: „Die Notwendigkeiten der Klimaanpassung sowie der Gefahrenabwehr von durch Extremwetterereignissen ausgelösten Überhitzungen oder Überflutungen sind zu ermitteln und in verantwortungsvoller Art in die künftige Bauleitplanung einzubringen.“

Welche rechtlichen Pflichten und planerischen Möglichkeiten der Steuerung hierbei entstehen, aber auch welche Restriktionen sich hieraus für die kommunale Bauleitplanung ergeben, beleuchte Andrea Hartz.

Ein besonderes Problem nimmt bei der Gefahrenabwehr das Hochwasser ein, das oft durch enorme Starkregenmengen entsteht. So wie es 2021 an der Ahr und im Vorgebirge sowie den Unwettern in Wachtberg zu erleben war. Dabei unterscheidet man laut Hartz zwischen Starkregen, der alle ein bis fünf Jahre, alle 10 bis 30 Jahre oder alle 50 bis 100 Jahre vorkommt - sowie einem extremen Starkregen, der seltener als einmal in 100 Jahren fällt.

Expertin: Öffentliche und private Maßnahmen erforderlich

Für das Wasser- und Starkregenmanagement erfordert das laut Expertin Andrea Hartz unterschiedlich umfangreiche Maßnahmen von öffentlicher, aber auch von privater Seite. Ein öffentliches Entwässerungssystem inklusive Rückstausicherungen müsse bereits bei einem „einfachen“ Starkregen vorhanden sein. Als Abfluss- und Einstaumöglichkeit sollten dann Verkehrs- und Freiflächen in die Planung einbezogen werden, wenn die Marke eines intensiven Starkregens erreicht ist beziehungsweise überschritten wird.

Bei Starkregenereignissen, die darüber hinaus gegen, ist nach Ansicht von Hartz zur Schadensbegrenzung ein „technisch-konstruktiver Objektschutz“ erforderlich, und zwar sowohl was öffentliche als auch private Immobilien angehe. Ausweislich der Starkregenkarte für Wachtberg sind durch Hochwasser und Starkregen Adendorf, Fritzdorf und Niederbachem gefährdet.

Andrea Hartz führte zahlreiche Maßnahmen auf, die sich bei der Gefahrenabwehr denken lassen. Etwa die Renaturierung von Gewässern und die Sicherung und Schaffung von Retentionsräumen. Am Stadtrand empfehle sich der Schutz von Siedlungsrändern beispielsweise durch Begrünung und das Anlegen von Abfanggräben.

„Wasser in der Landschaft halten“

Insbesondere in Siedlungen lässt sich einiges für die Prävention tun: Die Beseitigung von Abflusshindernissen in Gewässern, die Entsiegelung von Flächen, zudem Maßnahmen zur Wasserrückhaltung und dezentraler Versicherung. Ein zentraler Appell der Expertin lautet daher: „Wasser in der Landschaft halten, Siedlungsränder schützen.“

Beigeordneter Swen Christian ergänzte auf Anfrage, dass für die Gemeinde Maßnahmen zum Unwetterschutz bereits seit geraumer Zeit eine große Rolle spielen würden. Und zwar beim Bestandsschutz, ebenso wie bei der Planung: „Werthhoven ist ein Beispiel dafür, wie wir versucht haben, gefährdete Ortslagen besser vor Unwetterfluten zu schützen.“

Darüber hinaus zeige auch die Diskussion um das Bauvorhaben der „Traube“ in Niederbachem, dass die Verwaltung den Hochwasserwasserschutz stark im Fokus habe. Wie berichtet, empfiehlt die Gemeindeverwaltung aus diesem Grund, von einer Bebauung eines bislang unbebauten Grundstücks auf dem Areal des ehemaligen Gasthauses am Mehlemer Bach abzusehen.