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Windräder in Wachtberg könnten Erdbebenmessungen stören

Erneuerbare Energien in Wachtberg : Windräder könnten Erdbebenmessungen stören

Forscher beschäftigen sich mit notwendigen Abständen zwischen Energieanlagen und seismologischen Stationen. Ein Gutachten soll nun den Standort zwischen Adendorf, Arzdorf und Fritzdorf prüfen.

Ein Netz seismologischer Stationen in NRW wertet Daten von Mikro-Erdbeben ebenso wie jene von spürbaren Bodenerschütterungen aus. Genau diese Werte werden von Windkraftanlagen teilweise beeinträchtigt. Bisher waren diese Fakten für den geplanten, nur rund neun Kilometer von der Messstation Todenfeld entfernten Windradstandort zwischen Adendorf, Arzdorf, Fritzdorf und Eckendorf nicht relevant, weil in NRW ein Mindestabstand von 1500 Metern zur Wohnbebauung galt. Somit konnten solche Anlagen dort nicht gebaut werden. Künftig sollen 1000 Meter Abstand ausreichen, der Bau von großen Windrädern wäre damit auf dieser Fläche möglich. Ein Gutachten soll nun klären, ob diese Form der Energiegewinnung die Messdaten im benachbarten Rheinbach beeinträchtigen.

Schon in Ausführungen des Bundesverbands Windenergie aus dem September 2016 las man von dem Problem, dass sich Betreiber von seismologischen Stationen gegen den Bau von Windkraftanlagen in einem Umkreis der Messstationen von bis zu 17 Kilometern wehren. „Erdbeben senden Signale in einem bestimmten Frequenzband“, erklärte Geophysiker Sebastian Busch vom Geologischen Dienst NRW. Signale im selben Frequenzband entstünden jedoch auch durch die Schwingungen der Windkraftanlagen. Diese übertrügen sich von den Rotoren über den Baukörper in den Untergrund.

Der Einfluss der Windräder sei in den Messungen erkennbar und könne nicht herausgerechnet werden, so Busch. „Man kann sich das vorstellen wie Wasser aus zwei verschiedenen Kannen, das man in ein Glas schüttet“, beschrieb der Geophysiker. „Das kann man ebenso schwerlich wieder trennen.“ Damit, welche Abstände genau notwendig wären, um Einflüsse von Windkraftanlagen auszuschließen, beschäftigen sich laut Busch aktuell verschiedene Forschungsprojekte. Klar sei jedoch, dass hohe Anlagen – beispielsweise mit fünf Megawatt Leistung – stärkere Signale senden als kleinere mit nur zwei Megawattstunden Leistung. Die in Wachtberg geplanten Windräder gehören mit einer vorgesehenen Energieausbeute von sechs Megawatt und einer Höhe von rund 250 Metern aktuell zu den größten ihrer Art.

An Windparkplanungen habe sich nichts geändert

Die Daten aus den Stationen dienen vor allem dem allgemeinen Bevölkerungsschutz. „Sie fließen in Bauvorschriften zur Erdbebensicherheit ein“, so Busch. So würden in gefährdeten Gebieten Bauwerke so gestaltet, dass sie Erschütterungen bis zu einem bestimmten Grad abfangen und nicht wie Kartenhäuser zusammenstürzen. Zudem fließen die Ergebnisse in die Arbeit der am Katastrophenschutz beteiligten Organisationen und Behörden ein, weil man die Orte mit den stärksten Schädigungen schnell lokalisieren könne.

Christoph Fiévet (CDU) und Oliver Henkel (Grüne) wünschten sich für den notwendigen Ausbau erneuerbarer Energie Konzentrationszonen. Zugleich thematisierten sie eine neue Technik, mit der die Nutzung von Windkraft ohne riesige Räder möglich sei. Diese könnten sich umweltverträglich in die Topografie einfügen, so Fiévet. Zudem wollen sie die Bürger und Gemeinde an den Gewinnen zu beteiligen. „Die Pläne zur Errichtung einer Windenergiezone wieder aufzugreifen“, hielt auch Ulrich Feyerabend (Unser Wachtberg) für sinnvoll und meint damit, dass die Windräder konzentriert an einem Ort stehen. Aber: „Eine Verspargelung der Landschaft durch Windräder, die mit 250 Metern höher als der Kölner Dom sind, können wir uns in Wachtberg nicht vorstellen“, so Feyerabend. Friedrich Oettler (FDP) teilte mit, das nähere Heranrücken an vorhandene Bebauung sei eine zu einfache Antwort auf offene Fragen der Energiewende.

Seitens des Entwicklungsunternehmens UKA teilte ein Sprecher mit, an den Windparkplanungen habe sich nichts geändert. Dort zeigte man sich optimistisch, das Vorhaben umsetzen zu können. „Um sicherzugehen, soll der Sachverhalt im Rahmen eines Gutachtens untersucht werden“, hieß es.