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Beethovens Komponisten-Kollege: Wo vier Holzemer Anton Raaffs Erbe bewahren

Beethovens Komponisten-Kollege : Wo vier Holzemer Anton Raaffs Erbe bewahren

Vier Holzemer kümmern sich um die Anton-Raaf-Kapelle in Holzem. Weil sie nicht mehr die Jüngsten sind, suchen sie nun Verstärkung.

Als Anton Raaff 1744, drei Jahre vor dem Tod seines Vaters, die kleine Kapelle im Zentrum von Holzem stiftete, war er bereits der gefragteste Tenor seiner Zeit. Auftritte in den Opernhäusern von Paris, Madrid, Mailand, Wien, Mannheim und München stehen in seinem Lebenslauf. Später arbeitete er mit dem wohl berühmtesten Komponisten jenes Jahrhunderts, Wolfgang Amadeus Mozart. Aber seine Heimat hatte er nie vergessen.

Das danken ihm die Holzemer bis heute, indem sie sich rührend und ehrenamtlich um das schmucke Gotteshäuschen kümmern, an der kürzlich auch eine Beethoven-Stele angebracht wurde, die an Raaff als Kollege von Beethovens Großvater am Bonner Kurfürstenhof erinnert. Willi Rewen ist seit zehn Jahren dafür zuständig, spätestens alle sechs Tage die 1907 ins Türmchen eingebaute Uhr zu stellen, damit die darin eingebaute Glocke weiterhin alle Viertelstunde erklingen kann. Helma Schwarz hat 20 Jahre lang Küsterdienst gemacht und den Innenraum sauber gehalten. Bis vor zwei Jahren half auch Reinhold Klöckner bei der Pflege dieses Kleinods mit. Und eine ältere Dame kam früher auf Zuruf eine längere Strecke nach Holzem, um den Kirchenraum zu putzen.

Sie alle sind in die Jahre gekommen. Zeit, den Staffelstab weiterzureichen. „Da war erst ein Vakuum entstanden“, sagt Wildfried Breuer. Der Urholzemer hat von Reinhold Klöckner den Küsterdienst übernommen, aber er ist mit 69 Jahren auch nicht mehr der Jüngste. Das ist im derzeitigen Team Alexander Matz. Er erledigt Hausmeistertätigkeiten und kümmert sich darum, die Kapelle in Schuss zu halten. Und er ist der einzige, bei dem man wirklich von einem Generationenwechsel sprechen kann.

Den muss es aber geben. Auch wenn die Anton-Raaff-Kapelle derzeit nur wenig genutzt wird: Zweimal im Jahr gibt es einen kleinen Gottesdienst: am Patronatstag und am Gelöbnistag. Das war mal anders. „Früher gab es mindestens alle acht Tage Messen, dann nur noch alle 14 Tage“, erzählt Rewen. Das ist aber schon lange her: „Seit bestimmt zehn Jahren gibt es hier keine regelmäßigen Messen mehr“, sagt Breuer. „Die Struktur der Kirche ist in die Bredouille geraten.“ Damit meint er die Zusammenlegung kleinerer Gemeinden in Wachtberg.

„Man sollte bestrebt sein, dass die Kapelle nicht einem andren Zweck zur Verfügung gestellt wird“, sagt Breuer. Eine Umwidmung könnten sich die Ehrenamtlichen nicht vorstellen. Ein Schritt in die richtige Richtung sei, „dass das Allerheilige wieder eingezogen ist“, so Matz. Und man will mit den jetzigen zuständigen Geistlichen sprechen, um vielleicht wieder mehr Messen nach Holzem zu bringen – auch damit es sich lohnt, dass immer noch einige Plätze in den Bänken für bestimmte Personen reserviert sind. Außerdem könnte man sich vorstellen, die Kapelle für Trauungen zu nutzen.

Das setzt aber ein Stück weit voraus, dass es ein funktionierendes Team gibt, das sich um das historische Bauwerk kümmert. „Ziel ist es, das auf vielen Schultern zu verteilen“, sagt Matz. Wer sich berufen fühlt, kann ihn oder einen der anderen Holzemer ansprechen, die man immer wieder an der Kapelle antreffen kann.