Kündigung nach Hochwasserschäden Wohnungsinhaber aus Niederbachem sauer auf Versicherer

WACHTBERG · Niederbachemer sieht Zusammenhang zwischen Kündigung und den Hochwasserschäden nach Unwettern. Für wen soll eine Elementarschadenversicherung gedacht sein, wenn nicht für Hausbewohner, deren Haus in einem Hochwassergebiet liegt?

 Der Mehlemer Bach hat bei den Hochwassern 2010 und 2013 Schäden am Haus an der Bondorfer Straße verursacht.

Der Mehlemer Bach hat bei den Hochwassern 2010 und 2013 Schäden am Haus an der Bondorfer Straße verursacht.

Foto: Axel Vogel

Die Frage stellt sich Mathias Damaschek, der in Niederbachem in einem 24-Parteienhaus an der Bondorfer Straße wohnt. Dass der 35 Jahre alte Wachtberger am Sinn des Versicherungssystems zweifelt, hängt mit dem Versicherer zusammen. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr die Wohngebäudeversicherung samt Elementarschadenversicherung gekündigt. Für Damaschek hat das vor allem damit zu tun, dass der Versicherer im Juni zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren einen Hochwasserschaden im Zuge der Elementarschadenversicherung regulieren musste. Daher spricht Damaschek von einer "Mogelpackung": "Der Versicherungsschutz wird ausgerechnet dann entzogen, wenn der Schadensfall eingetreten ist."

Unbestritten ist: Der Versicherer des 40 Jahre alten Hauses an der Bondorfer Straße hatte bislang alle Schadensfälle reguliert. Laut Hausverwalterin, die nicht genannt werden will, handelte es sich dabei aber keineswegs nur um Fälle der Elementarschadenversicherung. Um Immobilienbesitzer gegen substanzielle, durch die Natur angerichtete Schäden abzusichern, hatte die Versicherungswirtschaft 1994 die Elementarschadenversicherung als Bestandteil der Hausratversicherung beziehungsweise Wohngebäudeversicherung aufgelegt.

Vor allem nach dem Jahrhundert-Unwetter 2010 über Wachtberg waren auch die Schäden in dem Mehrfamilienhaus an der Bondorfer Straße, dass unmittelbar am Mehlemer Bach liegt, groß. "Das Wasser stand in der Garage 60 Zentimeter hoch und ein Auto ist abgesoffen", erinnert sich Mathias Damaschek. 120.000 Euro flossen an Entschädigungen, plus 14.600 Euro für Sturmschäden, ergänzt die Hausverwalterin. Nach erneuten sinnflutartigen Regenfällen im Juni 2013 waren es weitere 25.000 Euro.

Dass der Versicherer die Gebäudeversicherung kündigte, kommt für sie nicht überraschend. Schließlich sei die Versicherung auch noch für andere Schäden aufgekommen, die nichts mit dem Unwetter zu tun hatten, so etwa mehrere Male für Leitungswasserschäden. Als dann nach dem Hochwasserschaden im Juni auch noch im August ein Rohrbruch auftrat, "war für die Versicherung das Maß wohl voll", glaubt sie.

Aus welchem Grund genau die Kündigung ausgesprochen wurde, darüber schweigt der Versicherer in seinem Schreiben. Wenn aber ein Versicherungsfall eintritt, so steht dort nachzulesen, "dürfen sowohl Sie als auch wir als Versicherer den Versicherungsvertrag mit Frist von einem Monat kündigen".

Eine andere Gebäudeversicherung für das 24-Parteienhaus zu bekommen, dürfte aus Sicht der Verwalterin schwierig werden. Um Verhandlungen zu erleichtern, wolle sie die Wohnungseigentümer zunächst von einer Sanierung des Leitungssystems überzeugen. Da das Wohnhaus inzwischen in einem hochwassergefährdeten Gebiet liegt, glaubt aber Damaschek: "Wir haben null Chancen, einen anderen Versicherer zu finden."

Ihm stellt sich die grundsätzliche Frage, ob eine solche Versicherung gegen Elementarschäden überhaupt benötigt wird: "Anscheinend werden nur sichere Wohngebiete versichert und daher besteht die Gefahr weder mittelbar noch unmittelbar." "Schon heute können 99 Prozent der Haushalte problemlos Versicherungsschutz gegen Naturgefahren erhalten", hält Alma Schön, eine der Sprecherinnen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft, dagegen. Für viele weitere Objekte ließen sich zudem "individuelle Versicherungslösungen finden". "Dabei müssen jedoch Versicherungsschutz und Prävention Hand in Hand gehen, um wirklich nachhaltige Lösungen für das Hab und Gut der Betroffenen zu finden", bekräftigt Schön.

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