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Flutopfer in Swisttal-Odendorf: Zwischen Trauer und Aufbruch

Flutopfer in Swisttal-Odendorf : Zwischen Trauer und Aufbruch

Überwiegend besonnene Gespräche beim Dialogtreffen der Fluthilfe Odendorf auf dem Zehnthofplatz. Swisttaler Ratsmitglieder hörten die Sorgen.

Wichtiges Fazit: „Die Katastrophe hat gerade erst begonnen, es wird Monate und Jahre dauern bis alles wieder so wird, wie es war“, so Imsande. Mit Ehrenamt allein sei das alles nicht zu 100 Prozent zu leisten. Als größeres Ziel nehme man aus der Veranstaltung das Miteinander mit, dass „alle zusammenstehen, wenn es nötig wird.“ Dazu gehöre auch die Kommunikation und der Dialog, wie er bei der Versammlung geführt wurde, denn das sei in den vier Wochen zuvor einfach „unterirdisch“ gewesen.

Kritik an der Kommunikation mit der Gemeinde

Das bezog er sowohl auf die Gemeindeverwaltung als auch auf den Kreis und das Land. „Kommunikation und Dialog sind eines der größten Ziele, die wir hier haben müssen“, betonte Imsande.

Die „inoffiziell“ anwesenden Ratsmitglieder als politische Vertreter der Bürger gaben das Versprechen, dass die Parteipolitik ruhen werde und stattdessen alle vier Ratsparteien im Schulterschluss ihr Bestes geben wollen, um die Dörfer nach der Flutkatastrophe wieder nach vorne zu bringen. Das versicherten die beiden Ratsmitglieder Sven Kraatz und Hanns Christian Wagner aus Odendorf.

Bundestagswahlkampf in Swisttal ausgesetzt

Konsequent soll es in Swisttal auch keinen Bundestagswahlkampf geben, keine Plakatierungen und keine Werbestände. Stattdessen sollen die personellen und finanziellen Ressourcen zur Bewältigung der Folgen der Flutkatastrophe eingesetzt werden. „Es wird viel Arbeit auf die Politik zukommen, das geht nur gemeinsam mit den Bürgern“, waren sie sich einig. Und auch darin, dass es ein „Weiter so wie bisher“ nicht geben könne. Sämtliche Planungen, die noch nicht umgesetzt sind, müssten auf den Prüfstand, so Wagner. Den Hochwasserschutz aber könne die Gemeinde Swisttal alleine nicht stemmen, dafür sei die Zusammenarbeit, Planung und Abstimmung mit überregionalen Akteuren von Behörden und Fachleuten notwendig.

Wenn von Odendorf als „Dem verlorenen Dorf“ die Rede sei, stimme das nicht so ganz, denn Odendorf stehe doch inzwischen etwas im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung, so der ehrenamtliche Hilfekoordinator Imsande. Aber symbolisch stehe Odendorf für viele Nachbardörfer, denen es so gehe. Das ehrenamtliche Hilfsteam bestehe aus zehn bis 15 Leuten, die in verschiedenen Schwerpunktteams arbeiten: Seelsorge, Fuhrpark, Sanitäter, Hilfsgesuche und -gebote, Verpflegung, Hilfsgüter und Scouts.

Choo Berger skizzierte die Arbeit des Teams Hilfsgesuche und Hilfsangebote, die jeden Tag im Zelt auf dem Zehnthof Anfragen und Angebote, Sorgen und Bitten aufnehmen. Das Team sei da für die Bürger auch „als Ventil für den Frust, der sich schon mal aufbaut, als Schulter zum Anlehnen“. Aber es sei für die Helfer auch „ein Knochenjob“, bei den vielen Geschichten, die sie von Betroffenen zu hören bekommen.

Ermutigende Helfergeschichten

Ein Helfer aus Heimerzheim hatte zunächst aus seinem Urlaub heraus seine Baumaschinen über ein Portal zur Verfügung gestellt. Sein Wohnhaus in Heimerzheim habe es nicht erwischt, aber sein Büro in Ollheim. Als Helfer in Odendorf habe er „klein angefangen“ mit dem Herausziehen von Schlamm aus den Gärten. Inzwischen hat er die Koordination von Baumaschinen und Helfern an den einzelnen Baustellen übernommen. Geschätzt seien es inzwischen „mindestens 2500“ Helfer gewesen, die mit angepackt haben. Aber er machte auch darauf aufmerksam, dass es inzwischen am Ende der Sommerferien immer weniger Helfer seien und immer weniger Baumaschinen. Umso erfreulicher sei, dass die Bundeswehr zurückgekehrt sei, so Imsande.

Arletta Kösling, Mitglied im „Krisenstab der Freiwilligen“, Vorsitzende des Ortsausschusses Odendorf, bemängelte, dass sie der Gemeinde und deren Krisenstab mehrfach Hilfe angeboten habe, auch als Multiplikatorin. Das Angebot sei nicht angenommen worden, was sie als „fortdauernde Kränkung“ empfinde. Nun wolle sie versuchen, in den Krisenstab des Kreises aufgenommen zu werden. Kösling verwies auf 30 000 Euro auf dem Spendenkonto des Ortsausschusses, die zu je 1000 Euro als Hausratszuschuss an Betroffene vergeben werden sollen.

200 Anträge von Betroffenen liegen vor

Rund 200 Anträge liegen demnach bereits vor, werden erfasst und gewichtet und abgearbeitet. Darüber hinaus warte man auf Spenden der Aktion „Deutschland hilft“. Der Odendorfer Raimund Bayer stellte die Frage nach dem künftigen Hochwasserschutz. „Wir wissen, dass durch den Klimawandel genau das, was passiert ist, morgen wieder geschehen kann“, sagte er. Der Hochwasserschutz müsse so sein, dass die Menschen, die jetzt wieder ihr Haus am Bach aufbauen, Sicherheit und eine Zukunftsperspektive haben. Er appelliert an die Kommunalpolitik, für Lösungsansätze auf Landes- und Bundesebene einzutreten. Als einen Vorschlag nannte Bayer die Schaffung eines Bypasses für den Orbach vor Odendorf in Höhe Lappermühle, weitere Planungen würden auch Miel und Niederdrees schützen.

Bürger fragten unter anderem nach möglicher Vergiftung der Böden. Proben analysiere das Baustoffberatungszentrum Rheinland, in Bonn Siebenmorgenweg 2, auf Reste von Heizöl und Fäkalien und auch die LUFA NRW, Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt erging der Hinweis.