Naturschutzgebiet in Wachtberg Wie die Kaolingrube Oedingen zum Paradies für Tiere wurde

Wachtberg · Die Kaolingrube in Wachtberg ist heute ein bedeutendes Naturschutzgebiet und das zu Hause von Amphibien und Vögeln. Früher wurde dort Porzellanerde abgebaut.

In und an den Rändern der Grubentümpel der Kaolingrube Oedingen fühlen sich Gelbbauchunke und Kammmolch wohl. (Archivfoto)

In und an den Rändern der Grubentümpel der Kaolingrube Oedingen fühlen sich Gelbbauchunke und Kammmolch wohl. (Archivfoto)

Foto: Petra Reuter

Einst unverzichtbar für die Kannebäcker, heute ein ideales Terrain für Unken, Kröten, Molche sowie Vögel: Die „Kaolingrube Oedingen“ in Wachtberg ist ein Spiegelbild der Erdgeschichte und bietet einen guten Einblick in das stark verwitterte Grundgebirge des Rheinischen Schiefergebirges. Und sie ist heute eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete in NRW. Der größte Teil gehört zur Gemeinde Wachtberg. Lediglich ein Gebiet am Eingang zählt zu Remagen und damit zu Rheinland-Pfalz. Die Grube hat verschiedene Abbausohlen mit zahlreichen Gewässern, Steilwänden, Böschungen sowie Haldenbereichen und ist seit 2003 Naturschutzgebiet.

Allerdings gibt es auch in diesem Paradies Schattenseiten. Denn während sich die Umweltschützer über die naturnahe Entwicklung dieses Schutzgebiets freuen, haben sie gleichzeitig große Sorge, dass das Areal fahrlässig zerstört wird. Beispielsweise von Spaziergängern, die sich nicht an Regeln sowie geltende Verbote halten. „Wir können nur an jeden appellieren, sich nicht außerhalb der offenen Wege zu bewegen“, sagt Klaus Weddeling von der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis. Denn dadurch würde man nicht nur die einmalige Flora und Fauna zerstören, sondern „es ist zudem für jeden gefährlich, sich dort zu bewegen“, warnt der Biologe. Er setzt vor allem auf die Einsicht von Wanderern. Denn ein Einzäunen des Areals zum Schutz der Natur sei nicht möglich.

Die Kaolingrube ist Betriebsgelände der Firma Sibelco und steht unter Bergrecht. Ein Betreten des Geländes ist untersagt. „Die Grube selbst und ihre umliegenden Waldflächen sind aufgrund ihrer hohen Bedeutung für Amphibien, Vögel und wertvoller Waldlebensräume als Naturschutzgebiet ausgewiesen und zugleich als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000“, betont die Verwaltung des Rhein-Sieg-Kreises auf GA-Anfrage. „Auch Drohnenflüge sind zum Schutz der Natur untersagt“, so ein Sprecher des Kreises.

Vor allem der Bestand der Gelbbauchunken, Geburtshelferkröten und der Springfrösche hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Das hängt nach Meinung von Weddeling auch mit dem Abbau zusammen. Eine gelungene Symbiose also? „Könnte man so sagen“, antwortet der Fachmann. „Diese Tiere brauchen Tümpel sowie einen offenen Boden“, erklärt Weddeling. Und beides sei durch die Förderung entstanden.

Außerdem haben sich in der Tongrube Zauneidechsen, Ringelnattern, Kamm-, Faden-, Berg- und Teichmolche angesiedelt. Für alle dort vorkommenden Amphibien ist die Grube und ihr enges Umfeld auch das Land- und Überwinterungshabitat. Seit einiger Zeit werden ebenso Flussregenpfeifer gesichtet und die Böschungen dienen als Brutplatz für Uhus.

In der „Kaolingrube Oedingen“ wurde vor knapp 100 Jahren mit dem Abbau begonnen. Der Kaolin, auch Porzellanerde genannt, dient zur Herstellung von Feinkeramik (beispielsweise für weißes Porzellan wie von Meißner), als Papierfüllstoff und -beschichtung sowie für viele weitere Anwendungen. Mittlerweile wurde der Abbau eingestellt.

Für die Naturschützer heißt es nun, dass sie sich um die Pflege des Areals kümmern müssen. „Um die Population zu erhalten, muss dafür gesorgt werden, dass es stets ausreichend Tümpel gibt“, erklärt der Biologe. Zudem darf das Gebiet nicht verwalden oder nicht zuwachsen. Im Auge müsse man auch die natürliche Ansiedlung von Bäumen sowie Büschen behalten.

Gesteine lagerten sich vor etwa 410 Millionen Jahren ab

Bei den Gesteinen des Grundgebirges der Kaolingrube handelt es sich um Sand-, Schluff- und Tonsteine, die vor etwa 410 Millionen Jahren in einem Flachmeer in Küstennähe abgelagerten wurden. Das zugehörige Meeresbecken wurde vor rund 320 Millionen Jahren im Rahmen der variszischen Gebirgsbildung im Karbon zusammengeschoben, gefaltet und herausgehoben. Zudem wurde das Gestein durch die Hebung zerbrochen, sodass sich in den Zwischenräumen Quarzgänge und -adern ausscheiden konnten.

Über viele Millionen Jahre wurde dieses neu entstandene Gebirge abgetragen. Es blieb nur ein Rumpfgebirge übrig. Unter tropischen und subtropischen Klimabedingungen kam es in der Jura- und der Kreide-Zeit (vor 201 bis 66 Millionen Jahren) zu tief reichender Verwitterung des Rumpfgebirges. Dies setzte sich auch im Tertiär (vor 66 bis 2,5 Millionen Jahre) fort. Dabei wurden die Gesteine weiß verwittert und in Tone (unter anderem in Kaolinit) umgewandelt. Diese Verwitterungsprodukte wurden erodiert und in kleinen Becken und Gräben wieder abgelagert. Sie bilden heute Tonlagerstätten und können beispielsweise in den Tongruben von Adendorf und Witterschlick betrachtet werden.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort