Neu gepflanzter Vielkönner am Obach Warum der neue Honnefer Auewald selbst Wildschwein-Probleme lösen könnte

Bad Honnef · Kühlen, reinigen, schützen: Am Obach in Bad Honnef ist ein Auewald gepflanzt worden, und der hat viele positive Effekte. Neben den Vorteilen fürs Klima kann der Auewald auch dafür sorgen, dass sich in nahen Wohngebieten künftig womöglich weniger Wildschweine blicken lassen.

Dieser neu gepflanzte Auewald unweit des Obachs bringt für die Umwelt und das Klima viele Vorteile. Netter Nebeneffekt: Auch Wildschweinbesuche in Wohngebieten könnten dadurch weniger werden.

Dieser neu gepflanzte Auewald unweit des Obachs bringt für die Umwelt und das Klima viele Vorteile. Netter Nebeneffekt: Auch Wildschweinbesuche in Wohngebieten könnten dadurch weniger werden.

Foto: Frank Homann

Sie bieten einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und sind obendrein als „Ökosystemdienstleister“ von unschätzbarem Wert: die sogenannten Auewälder, die man in flachen Bach- und Flusstälern wie zum Beispiel an der Siegmündung findet – und auch am Obach in Bad Honnef.

Das Naturparadies an der oberen Hauptstraße nahe dem Ortsausgang Richtung Schmelztal ist zwar noch im Entstehen befindlich, aber mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern gar nicht mal so klein. Bis vor Kurzem hatte sich hier eine nahezu undurchdringliche Brombeerwildnis befunden. Nun hat das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft als Eigentümer der Fläche das bis zu drei Meter hohe Brombeergestrüpp heruntergemäht und rund 800 Sträucher und mehr als 200 Bäume gepflanzt, die binnen zehn Jahren zu einem artenreichen Auewald heranwachsen sollen.

Die Idee, die Fläche, die zum Naturschutzgebiet Siebengebirge zählt, aufzuwerten, war gemeinsam mit der Bürgerstiftung Bad Honnef entstanden. Diese will ihre Aktivitäten zukünftig auch auf den Bereich Klimaschutz ausdehnen und steuerte 3000 Euro als „Baumspende“ zu dem insgesamt 16.000 Euro teuren Projekt bei. „Der Klimaschutz für unsere Stadt ist eine zentrale Herausforderung, der sich die Bürgerstiftung zukünftig stellen möchte“, erläuterte Vorsitzende Annette Stegger.

Kein Versteck mehr für Wildschweine

Was viele Honnefer besonders freuen dürfte: Die Forstmitarbeiter gehen davon aus, dass sich dadurch auch die Wildschwein-Problematik in der Gegend löst. Bislang hatte das Brombeerdickicht nämlich ein ideales Versteck für die Schwarzkittel geboten, die sich von hier aus gerne auf nächtliche Streifzüge durch die nahen Wohngebiete begeben haben. „Die jetzt gepflanzten Bäume werden sich in den nächsten Jahren zu einem Wald mit geschlossenem Kronendach entwickeln. Dadurch wird das Brombeerdickicht ausgedunkelt und nach und nach verschwinden, sodass es kein sicheres Versteck mehr für die Wildschweine geben wird“, zeigt sich Forstamtsleiter Stephan Schütte zuversichtlich.

Von noch viel größerem Wert ist der Auewald allerdings in anderer Hinsicht: Er zählt zu den artenreichsten und produktivsten Ökosystemen in Mitteleuropa, denn er ist nicht nur Lebensraum, sondern auch Kläranlage und Wasserrückhalteraum. Er trägt zum Hochwasserschutz und zum Schutz vor Erosion bei und „bindet in den nächsten 100 Jahren seines Wachstums insgesamt circa 880 Tonnen Kohlendioxid“, so Schütte. Gleichzeitig produzieren die Bäume in den Sommermonaten durch die Fotosynthese frischen Sauerstoff für die Atemluft. Da „pro Hektar Wald 50 Tonnen Staub aufgefangen werden“, sorgt der natürliche „Ökosystemdienstleiter“ auch für eine bessere Luftqualität. Und: „Zusätzlich kühlt der Wald an heißen Sommertagen die Stadt in diesem Bereich“ und produziert obendrein den nachwachsenden Ökorohstoff Holz. „Die Schaffung dieses Auewaldes ist also ein passender Baustein zum Klimaschutzkonzept der Stadt Bad Honnef“, betont Schütte.

Von der Strauchzone zur Baumzone

Da sich das Areal in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung befindet, hatte Hiltrud Bontrup, angehende Försterin im Regionalforstamt, einen genauen Plan für den Aufbau des neuen Auewaldes entwickelt. So findet sich direkt angrenzend an der Bebauung zunächst eine Strauchzone, um eine zu starke Beschattung der Häuser zu vermeiden. In der sogenannten Traufzone als Übergang zum Wald wurden Bäume wie Hainbuche und Wildkirsche gepflanzt, die nicht zu hoch werden und die Häuser bei Sturm gefährden könnten. Es folgt dann die eigentliche Baumzone mit den prägenden Auewaldbaumarten wie Stieleiche, Hainbuche, Bergahorn und Schwarzerle sowie einem Altbestand aus Flatterulme.

Einziger Wermutstropfen: Spaziergengehen wird man in dem neuen Auewald nicht können, denn es gibt dort keine Wege und Pfade. „Doch für die Natur ist das von Vorteil, weil in diesem Bereich dann ungestört insbesondere die Vogelwelt einen vielfältigen Lebensraum vorfinden kann“, erklärt Schütte.

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