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Wenn sich die Eltern trennen

Wenn sich die Eltern trennen

Wenn Eltern sich trennen, leiden auch die Kinder. 224 Scheidungsanträge wurden im vergangenen Jahr beim Familiengericht Königswinter gestellt. Im Rahmen eines neuen Angebots der Beratungsstelle lernen Scheidungskinder in der Gruppe den Umgang mit der neuen Lebenssituation.

Königswinter/Bad Honnef. Wenn Eltern sich trennen, leiden auch die Kinder. 224 Scheidungsanträge wurden im vergangenen Jahr beim Familiengericht Königswinter gestellt. "In vielen dieser Verfahren waren minderjährige Kinder und Jugendliche aus Königswinter und Bad Honnef betroffen. Nicht aufgeführt sind dabei die Paare, die auseinander gehen, ohne verheiratet gewesen zu sein.

Auch das ist eine nicht unerhebliche Zahl", sagt Diplomsozialarbeiter Jürgen Scheidle von der Familien- und Erziehungsberatungsstelle der beiden Siebengebirgsstädte. Speziell an Trennungskinder richtet sich jetzt ein neues Angebot dieser Einrichtung. Sie werden sich gemeinsam mit ihrer neuen Lebenssituation befassen.

Hilfe für Familien Die Familien- und Erziehungsberatungsstelle erteilt allen Familien und an der Erziehung beteiligten Personen aus Bad Honnef und Königswinter Hilfe in Fragen rund ums Thema Familie. Jugendliche können auch allein Rat suchen. Fünf Mitarbeiter aus unterschiedlichen pädagogischen und psychologischen Grundberufen mit speziellen Zusatzausbildungen stehen zur Verfügung. Erziehungsfragen, Familien- und Paarberatung sowie Paar- und Trennungsberatung stehen im Mittelpunkt. Die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Auf Wunsch erfolgt die Beratung auch anonym. Alle Angebote sind kostenfrei."Scheidung ist ein großes Thema in unserer Beratungsstelle", so Scheidle. Während sich die Erwachsenen über diese Problematik mit anderen austauschen, Rat bei Freunden oder Verwandten holen, fehle Kindern häufig der Ansprechpartner für ihre Fragen und Ängste. Scheidle: "Für sie bricht eine Welt zusammen. Sie ziehen sich als Folge häufig zurück, fühlen sich alleingelassen, geraten in Loyalitätskonflikte und schämen sich oft, anderen von ihren Gefühlen zu erzählen."

Aber das müsse nicht sein. Gerade in der Phase der Trennung und der Zeit danach könnten Eltern vieles richtig machen und es ihren Kindern so erleichtern, mit der Situation besser zurechtzukommen. Deshalb ist das Beratungsangebot in Sachen Scheidung auch ein Schwerpunkt der Arbeit dieser Stelle. Väter und Mütter könnten hier viele Fragen zum Umgang mit den gemeinsamen Kindern loswerden.

Erstmals wird nun eine Gruppe für Mädchen und Jungen gebildet, deren Eltern getrennte Wege einschlagen. Zehn Treffen sind vorgesehen. Maximal acht Kinder sollen sich dann mit ihrer schwierigen Situation spielerisch auseinandersetzen. Gedacht ist diese Gruppe für das Alter von neun bis elf Jahren. "Unser Ziel ist es, die Belastung für die Kinder zu reduzieren", so Diplomsozialpädagogin Ruth Richrath, die zusammen mit Jürgen Scheidle den Kursus leiten wird.

Kontakt Die Gruppe startet am 23. März und trifft sich stets mittwochs von 15 bis 16.30 Uhr in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle, Schützenstraße 2. Anmeldung und Infos: montags bis freitags, 9 bis 12 Uhr, (0 22 23) 29 86 53 60. E-Mail: feb@koenigswinter.de; www.koenigswinter.de"Diese Gruppenarbeit für Scheidungskinder entstand in den 70er Jahren in den USA und wird mittlerweile in vielen Beratungsstellen in Deutschland angewandt", erläutert Richrath. Entlastend sei es für die Kinder, Gleichaltrige mit vergleichbaren Problemen kennenzulernen. Jürgen Scheidle: "Besonders wichtig ist es für Kinder, dass sie einen positiven Zugang zu ihren Gefühlen finden und diese auch äußern. Unterstützt von den Kindern der Gruppe entwickeln sie darüber hinaus kindgerechte Ideen, wie sie mit der schwierigen Familiensituation umgehen können."

Zunächst sollen die Kinder verstehen lernen, was Trennung für sie bedeutet. Sie sollen Gefühle wahrnehmen und ausdrücken sowie Problemlösungsstrategien entwickeln. Das Rollenspiel ist beispielsweise eine Methode. So könnten Teilnehmer ein Telefongespräch als Kind und Vater wegen eines Besuches führen. Ziel ist auch eine positive Selbstwahrnehmung, denn Kinder fühlen sich oft schuldig an der Trennung. Parallel dazu finden Elterngespräche statt.

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Diese Gruppe soll auch ein Präventionsangebot sein und genutzt werden, bevor typische Verhaltensmerkmale auftreten - wie schlechte Leistungen in der Schule, der Rückfall in kleinkindhaftes Verhalten, Besuchsverweigerung, aggressives Verhalten oder Loyalitätskonflikte. Ruth Richrath: "Es gibt auch Kinder, die äußerlich tapfer sind. Hier können sie sich fallen lassen." Es wird auch erwogen, für andere Altersklassen dieses Angebot zu leisten.