„Auf dem Rücken des Adlers fliegen“: "Wunschbaum" in Bad Neuenahr macht Träume sichtbar

„Auf dem Rücken des Adlers fliegen“ : "Wunschbaum" in Bad Neuenahr macht Träume sichtbar

"Kein Mensch kann wunschlos glücklich sein, denn das Glück besteht ja gerade im Wünschen.“ Das wird sich vielleicht auch Horst Felten gedacht haben, als er aus dem südtiroler Meran die Idee mit nach Bad Neuenahr brachte, zur Weihnachtszeit einen „Wunschbaum“ zu schaffen.

„Die überdimensionale Tanne auf dem Platz an der Linde zieren bereits zwei Wochen nach ihrer Aufstellung rund 300 von Kindern und Erwachsenen ausgefüllte „Wunschkärtchen“, die Aufschluss darüber geben, welche Sehnsüchte und Hoffnungen die Bad Neuenahrer und ihre Gäste in sich tragen.

„Ein Wunsch kann durch nichts mehr verlieren als dadurch, dass er in Erfüllung geht“, heißt es. Diesen Verlust nimmt man jedoch hin und wieder wohl gerne in Kauf. „Ich wünsche mir Liebe“, schrieb eine – der Handschrift nach – wohl ältere Dame. „Ich liebe mein Leben, es soll so bleiben“, notierte ein anderer. Oder „Ich wünsche mir: Zeit für die Menschen, Träume zu verwirklichen, etwas Neues zu beginnen“, steht auf einem der gelben Zettel, die mit roten Schleifen am Weihnachtsbaum befestigt sind.

Klar, fehlen dürfen nicht die kleinen und größeren Begehrlichkeiten, die eher als klare Vorgaben an das im Anflug befindliche Christkind zu werten sind: ein „Waveboard“, eine „Baby-Katze“, oder – vielleicht von einem Bad Neuenahrer Einzelhändler ausgefüllt – „einen Buchhalter“, der vielleicht die vorweihnachtlichen Umsatzzahlen in Ordnung bringen soll – wenn nicht in Wirklichkeit eher eine „Buchstütze“ gemeint sein sollte.

Ein Schüler indes wünscht sich „gute Noten“. Das könnte mit einigem Engagement und gutem Willen vielleicht sogar ohne wundersame Unterstützung „von oben“ klappen. Sehr häufig steht der Wunsch nach „mehr Mitgefühl und Verständnis für andere“ auf den Zetteln, die im Dezemberwind flattern. Horst Felten jedenfalls zeigt sich berührt, wenn er die wenigen Worte oder kurzen Sätze liest, die jemand hinterlassen hat, dem es sehr am Herzen zu liegen scheint, ein kleines oder großes Anliegen schriftlich zu dokumentieren und an den Baum zu hängen.

„Vielleicht geht das ein oder andere ja tatsächlich in Erfüllung“, hofft der 79-jährige heimatverbundene Ehrenvorsitzende der Bürgergesellschaft Wadenheim und frühere Mercedes Benz-Prokurist, Ihm sind übrigens auch die in der Adventszeit hoch über Bad Neuenahr aufgestellte, weithin sichtbare „Turmkerze“ sowie die „Krippenstraße“ zu verdanken.

Allerdings kennt Felten auch den Spruch: „Wo man am meisten drauf erpicht, gerade das bekommt man nicht.“ Möglicherweise trifft das auch auf den Wunsch zu, der da lautet: „Ich wünsche mir einen Adler, der mich auf den Rücken nimmt und mit mir über die Berge fliegt.“ Oder auf die Hoffnung „dass alle Diebe aufhören zu klauen“. Eher wird es klappen mit dem Wunsch, „dass Bad Neuenahr Gastgeber einer tollen Landesgartenschau 2022 wird“.

„Die Erfüllung eines Lieblingswunsches, sei der Wunsch selber, was er wolle, berührt uns wie eine Weihnachtsfreude“, heißt es bei Theodor Fontane. „Mehr Verständnis unter den Religionen“ könnte ein solches Lieblingsansinnen der Bad Neuenahrer sein. Jedenfalls steht es so auf einem der Zettel, der gleich neben einem gelben Blatt hängt, auf dem in roter Schrift geschrieben ist: „Für meine Kinder und Enkel ein sicheres Leben. Das wünsche ich mir.“

Zuviel verlangt ist das sicher nicht. Wilhelm Busch würde allerdings dazu und zu allen weiteren Begehren sagen: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“