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Zeichen des Dialogs beim Richtfest der Moschee in Witterschlick

Zeichen des Dialogs beim Richtfest der Moschee in Witterschlick

Das Miteinander von Türken und Deutschen funktioniert in Witterschlick schon seit Jahrzehnten. Deshalb verwunderte es auch nicht, dass viele deutsche Bürger am Samstag zum Richtfest des Moschee-Neubaus in der Raiffeisenstraße gekommen waren.

Für Ali Kelam Güven war dieser Anlass eine neue Erfahrung. "Es ist ja eine deutsche Tradition", sagte der Vorsitzende des Türkisch-Islamischen Moschee-Vereins (Ditib) in Witterschlick. Umso höher war es der islamischen Gemeinde anzurechnen, dass sie diesen hiesigen Brauch, ein Richtfest zu feiern, übernommen hatten.

Es war auch ein Zeichen dafür, dass es der Gemeinde wichtig ist, ihren Teil zum integrativen Miteinander beizutragen. "Interkulturelle Kompetenz bedeutet: Ich kenne mich aus mit der anderen Kultur", sagte Erol Tezel, Vorsitzender des Ditib-Regionalverbandes in Köln, der als Vertreter des Landesverbandes NRW gekommen war.

Er hielt eine leidenschaftliche Rede für dieses türkisch-deutsche Miteinander: "Ditib steht für Integration und Offenheit", sagte er. "Integration gelingt aber nur, wenn beide Seiten mitmachen." Die aufnehmende Seite solle ausdrücken: "Ihr seid willkommen", die Eingewanderten sollten über ihren Heimatort sagen können: "Das ist meine Stadt", und ganz in diesem Sinne dort leben und sich einbringen. "Wenn das gegeben ist, dann sind schon 90 Prozent der Integration geschehen."

Mehr als ein Gotteshaus

Die Moschee sei nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch Kulturzentrum und Begegnungsstätte, sagte der Attaché im türkischen Generalkonsulat Zekeriya Bülbül. "Hier wollen wir nicht nur beten, sondern auch zusammen leben." Für Güven war der bisherige Verlauf von der Planung bis zum Bau "ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Alfter und der Türkisch Islamischen Gemeinde Alfter-Witterschlick".

Bürgermeister Rolf Schumacher gab das Lob zurück: "Die jahrzehntelange Präsenz der muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ist gekennzeichnet von einem Dialog und Miteinander im Alltag." Aber dieses Miteinander falle nicht vom Himmel, sondern müsse immer wieder neu gestaltet und gepflegt werden.

Der offizielle Teil wurde von Imam Murat Erdogan eingeleitet, der die Hoffnung äußerte, noch in diesem Jahr aus den alten Räumen an der Nettekovener Straße umziehen zu können. Nach den Ansprachen hatten die Besucher, zu denen auch die Karnevalsprinzessin Irene I. aus Volmershoven-Heidgen mit ihren Dienstmännern gehörte, Gelegenheit, sich den Rohbau der beiden Gebäude anzusehen. Es ist schon erkennbar, wie sie später aussehen werden, wenn sie vollendet sind.

Moschee an Himmelsrichtungen ausgerichtet

Die Moschee ist nach Südosten, also Richtung Mekka, ausgerichtet, an dieser Seite gibt es eine Nische, in der der Imam betet. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es eine Galerie, zu der eine Außentreppe führt. Die Frauen beten dort, die Männer im Erdgeschoss des Kuppelbaus. Das mehrstöckige Gemeindehaus wird als Begegnungsstätte, Kulturtreff und Jugendzentrum der Gemeinde dienen, außerdem wohnt dort der Vorbeter.

Beide Gebäude sind unterirdisch miteinander verbunden. Der erste Spatenstich für die neue Moschee war im Mai 2011, Baubeginn im Juli, und wenn der Bau weiter gut verläuft, will die Gemeinde die neue Moschee im Dezember einweihen. "Nächstes Jahr um dieses Zeit soll dann alles fertig sein", sagte Güven.