Weinlese Reine Handarbeit

In den Steillagen des Rotweinparadieses an der Ahr hat die Lese früh begonnen. Die Winzer erwarten einen guten Jahrgang.

 Winzer Hartwig Baltes bei der Weinlese am Mayschosser Mönchberg. FOTO: ANDREA SIMONS

Winzer Hartwig Baltes bei der Weinlese am Mayschosser Mönchberg. FOTO: ANDREA SIMONS

Foto: Andrea Simons

So früh wie selten hat in diesem Jahr die Weinlese an der Ahr begonnen. Da hat mancher Winzer noch härter zupacken müssen als sonst, weil die Erntehelfer vielerorts noch nicht da waren, oder die Winzer sich bei ihren Arbeitgebern eigentlich erst für später „Lese-Urlaub“ genommen hatten. Schließlich sind die wenigsten Ahrwinzer Haupterwerbswinzer. Bei der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr etwa sind es nur 25 von 432 Mitgliedern. Einer davon ist der Mayschosser Hartwig Baltes. „Wenn die Lese diesmal früher beendet ist, kommen wir in diesem Jahr auch mal dazu, unser Weinfest mitzufeiern“, sagt er. Sonst seien dann noch immer alle im Weinberg.

Ausgerüstet mit Winzerscherchen und Eimern nehmen sich die Winzer, ihre Familien und Freunde Rebstock für Rebstock vor. Trotz des Tempos, das die erfahrenen Traubenleser an den Tag legen, schauen sie sich jede Traube genau an und schneiden etwa vom Mehltau oder von der Kirschessigfliege befallene Beeren ab, bevor sie die Trauben in einen Eimer legen und diesen dann in die im Weinberg verteilten 200-Liter-Wannen umleeren. In Lagen mit einem Gefälle von 60 Prozent und mehr, wo kein Eimer mehr stehen bleibt und auch von den Helfern auf dem Schiefergeröll Balance gefordert ist, rüsten sie vom Eimer auf Kiepen um, die auf den Rücken geschnallt werden.

„Besonderheiten des Anbaugebiets Ahr sind die steilen Lagen, das mediterrane Mikroklima und, dass hier alles komplett per Hand gelesen wird“, sagt Matthias Baltes, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG) Mayschoß-Altenahr, der zur Weinlesezeit mit Kellermeister Rolf Münster das abgelieferte Lesegut jedes Lieferanten an der Traubenannahmestelle in Augenschein nimmt. Beide gehören auch dem „Leseausschuss“ an, der mit Genossenschaftswinzern bei Weinbergsrundgängen regelmäßig Reifegrad und Zustand der Trauben prüft, den Lesestart bestimmt und danach wöchentlich festlegt, an welchen Folgetagen welche Rebsorten bei der Genossenschaft angenommen werden. Traditionell werden die für Federweißen verwendete Rebsorte Solaris, dann Müller-Thurgau und Frühburgunder und schließlich Sorten wie Dunkel- und Dornfelder angebaut. Der „Star des Rotweinparadieses Ahr“ ist aber der Spätburgunder, der 65 Prozent der 563 Hektar bestockter Fläche im Ahrtal bedeckt.

Ideal sind kühle Nächte und heiße Tage vor der Lese. Das hemmt die Pilzentwicklung. Und jeder Tag Sonne vor der Lese bringt zusätzlich Öchslegrade. „Aber gesunde Trauben sind wichtiger als Öchsle, um hochwertige und langlebige Weine zu produzieren“, sagt Matthias Baltes, während Trauben an der Annahmestelle gewogen und sofort berappt werden. Eine Maschine misst anhand von 40 Einzelmessungen das Mostgewicht. Gespannt schauen die Winzer auf eine Anzeigetafel, die ihnen schließlich Erntemenge und Öchslegrad anzeigt.

Bei der WG Mayschoß liefern von 432 Mitgliedern rund 250 aktive Winzer Trauben ab, bei der Weinmanufaktur Dagernova sind es an den beiden Kelterhäusern in Dernau und Bad Neuenahr 400 von 600 Mitgliedern. Das bedeutet Hochbetrieb zur Hauptlesezeit und verlangt eine gute Koordination und lange Tage. Im Keller ist längst alles vorbereitet: Die Anlagen sind geschrubbt, die Edelstahltanks blitzen, und jedes Jahr werden auch neue Holzfässer angeschafft, wie der Vorstandsvorsitzende Thomas Monreal von der Dagernova erklärt. Das Tankvolumen von 3,5 Millionen Litern werde wohl nie ausgeschöpft, zumal ständig Weine abgefüllt werden und Absatz finden. Wegen des anspruchsvollen Weinwetters 2017 rechnet er zwar mit rund 30 Prozent weniger Ertrag, dafür aber mit einer ebenso guten Qualität wie im Vorjahr.

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