„Bevölkerungsschutz und Sicherheitspolitik“: Sinziger Abiturienten erleben Katastrophenschutz hautnah

„Bevölkerungsschutz und Sicherheitspolitik“ : Sinziger Abiturienten erleben Katastrophenschutz hautnah

Es war eine Premiere für alle Beteiligten: Abiturienten des Sinziger Rhein-Gymnasiums haben an drei Tagen die Arbeit von Gefahrstoffexperten und Ersthelfern kennengelernt.

Sie haben gerade ihre Abiturarbeiten geschrieben, die 50 Schüler des Sinziger Rhein-Gymnasiums. Sollte ihnen der Sinn mehr nach Chillen und Party gestanden haben, so ließen sie sich das bei den Premieren-Trainingstagen unter dem Motto „Bevölkerungsschutz und Sicherheitspolitik“ nicht anmerken. Erstmals bot die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katrastrophenhilfe (BBK) diese Methodentage an, um zu vermitteln, wie das System des Bevölkerungsschutzes in Deutschland aufgebaut ist. „In einer Sicherheitslage, die weiß Gott nicht mehr von Friedenszeichen geprägt ist, bekommen der Selbstschutz und die Selbsthilfefähigkeit der Bürger eine größere Wichtigkeit“, so AKNZ-Leiter Thomas Mitschke.

Die drei Tage – die Schüler weilten „auf den Spuren der Bonner Republik“ und lernten neben der AKNZ das Museum des Kalten Krieges in der Ahrweiler Dokumentationsstätte Regierungsbunker und das Remagener Friedensmuseum kennen – dienten aber auch dazu, mögliche Berufsfelder aufzuzeigen und Werbung fürs Ehrenamt beispielsweise bei der Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) oder dem DRK zu machen. „Es gibt allein 140 Studiengänge rund um sicherheitspolitische Themen“, so Mitschke, der mit seinem Team jährlich in vielfältigen Seminaren bis zu 10 000 Fach- und Führungskräfte aus dem In- und Ausland schult.

Praxistaugliche Gruppenarbeit war Trumpf

Zuhören, ausarbeiten, mitdenken: Das Dozententeam wollte keinen Frontalunterricht abhalten, sondern die Gruppenarbeiten praxistauglich gestalten. Nachdem die Jugendlichen die Trümmerstraße und das Flüchtlingsdorf auf dem Gelände kennengelernt hatten, ließen die Profis die Schüler „zaghaft Stab spielen“. Bei der angenommenen Hochwasserlage mussten sie als Teils des Krisenstabes einschätzen und entscheiden: Welche Kräfte schicke ich zuerst wohin? Der Bürger, dessen Keller fünf Zentimeter unter Wasser steht, ruft genauso um Hilfe, wie der, dessen Haus gerade „absäuft“.

„Wir haben sie zudem ins Katastrophenszenario eines MANV, eines Massenanfalls von Verletzten reingeschmissen, um ihnen auch zu verdeutlichen, wie wichtig allein die Bedeutung eines Ersthelfers ist“, so Ulf Krüger: „Welche Probleme entstehen bei fehlender Wasser- und Stromversorgung? Wie plane ich Maßnahmen, wen berge ich zuerst?“ Eine Diskussion löste da die Haustierrettung aus nach dem Motto „Stecke ich da Ressourcen rein, wenn es auf der anderen Seite um Menschenleben geht?“. Die Antwort der Schüler war eindeutig: „Den Verband auflösen und die Einsatzkräfte umverteilen – also Wüstengecko und Nachbarn retten.“

Notfall-App "NINA" kennengelernt

So erfuhren die Gymnasiasten von „NINA“, der Notfall-Informations- und Nachrichten-APP fürs Smartphone, von der Komplexität der Ebenen, von der Zusammenarbeit von Feuerwehr und Kreisverwaltung, von der Pressearbeit und der Bedeutung der Sozialen Medien. Ihre Idee zur Information der Bevölkerung bei Stromausfall: mit dem Einsatzwagen per Lautsprecherdurchsage. Schulleiter Jens Braner und Norbert Heidgen, am Gymnasium für die Organisation der Tage verantwortlich, freuten sich sowohl über die Kooperation mit der Bundesbehörde als auch darüber, dass die Schüler sehen, dass Kommunikation Kompetenzen bringt.

„Und Action“ hieß es dann in der Fahrzeughalle bei Gerd Uelpenich und Dieter Sebastian. Die Gefahrstoffprofis erzählten aus ihrem Alltag, von 14-Stunden-Einsätzen auf der A 61, von einer Ammoniakfreisetzung in einem Altenheim, zeigten ein Video einer Tankexplosion und unterzogen sich der Prozedur, mit einem Strahlenschutzanzug eine Dekontaminationsschleuse aufzusuchen. „Erstaunlich, so arbeiten zu können“, fand Elena Thewes. Und Josephine Probst ergänzte: „Grundsätzlich ist ein Katastrophenszenario weit weg von uns. Aber wenn man aktuell an die Schneemassen im Süden denkt oder grundsätzlich an den Klimawandel, dann sind die hier erörterten Themen sicherlich relevant für unsere Zukunft.“