Wandern im Sonnenschein: So war der Rhein-Ahr-Marsch für die Teilnehmer

Wandern im Sonnenschein : So war der Rhein-Ahr-Marsch für die Teilnehmer

Die Wanderveranstaltung, die von Rheinbach bis zum Rhein und entlang der Ahr führt, gilt als große Herausforderung. Die einen sind voll im Saft, anderen fehlt die Kraft.

Ab den frühen Morgenstunden des vergangenen Samstags hatte die zweite Ausgabe des „Rhein-Ahr-Marschs“ den Ahr-Kreis fest im Griff. Überall an Straßenkreuzungen sah man fest beschuhte Sportwanderer, die einen voll im Saft, die anderen am Ende ihrer Kraft. Knapp 950 Wanderbegeisterte von nah und fern durchquerten den Landkreis entlang der Ahr auf ihrem 100 Kilometer-Rundweg von und nach Rheinbach oder auf dem 50 Kilometer-Weg von Remagen oder der 22 Kilometer-Strecke von Mayschoss nach Rheinbach. Darunter auch Mandy Gieler, ehemalige Deutsche Weinkönigin.

Schmerzende Waden am Morgen

Die Sonne stand hoch an diesem Morgen über der Remagener Rheinhalle und seit Stunden zog der Strom der Wanderer an der dort eingerichteten Verpflegungsstation entlang. Man ruhte sich auf den Stufen aus, nahm genüsslich eine Suppe, aß einen Apfel mit stilecht eingebranntem Emblem oder schmierte sich die schmerzenden Waden mit Gel ein.

Für einige Wanderer war an dieser Station nach der Halbzeit von 50 Kilometern Schluss und sie erhielten von Bürgermeister Herbert Georgi ihre Urkunden. Andere jedoch standen in den Startlöchern. Wie am Abend zuvor in Rheinbach erklang das schottische „Highland Cathedral“ aus dem Dudelsack von Peter Mac Coogan und Frank Piontek, Vorsitzende des veranstaltenden „Good Walking Club“, zählte mit den Starten den Countdown herunter.

„Die Nacht ist gut verlaufen“, zeigte sich Piontek zufrieden und erzählte fasziniert von der Stirnlampen-Prozession, welche sich am Rhein entlang geschlängelt habe. Während dessen liefen im Ahr-Kreis die Vorbereitungen auf Hochtouren. Am Dorfgemeinschaftshaus in Lohrsdorf wurden Kisten voll Bananen geschleppt und in Bad Neuenahr gab es Heilwasser zur Erfrischung.

Von Müdigkeit ist keine Spur

Etwa zur gleichen Zeit wie der Start in Remagen, schritt ein Mann strammen Schrittes an den Weinfässern der Weinmanufaktur Walporzheim vorbei, auf dem Kopf ein fellbesetzter Hut, die Wanderstöcke lässig unter den Arm geklemmt. Neben ihm eine drahtige junge Frau, die Stöcke fest im Griff. Ferdi Heuwagen und Mandy Gieler sind zu diesem Zeitpunkt schon seit 13 Stunden auf den Beinen. Die Anstrengung sieht man den geröteten Gesichtern zwar an, von Müdigkeit ist jedoch keine Spur. „Aufgrund von Adrenalin und frischer Luft wird man nicht müde“, erklärt Gieler.

Für die Ex-Weinkönigin ist es eine Premiere über diese Distanz. Als Laufpartner hat sie sich einen alten Hasen ausgesucht: Heuwagen ist schon im letzten Jahr die komplette Distanz mit Freunden Frank gelaufen, die dieses Jahr für sich gehen mussten. Kleinere Probleme am Fußgelenk stellen dabei für Gieler kein Hindernis, sondern Extramotivation dar: „Ich will das jetzt schaffen!“, ruft sie nach 70 Kilometern aus.

Trotz des „Manns mit dem Hammer“, der laut Heuwagen bei Kilometer 90 lauert, ging es nach dem großen Aufstieg nach Kalenborn fast wie von selbst bis zur Zielglocke im Rheinbacher Stadion, wo am späten Nachmittag das Teilnahmegeschenk, eine Flasche Spätburgunder Rosé, und der „Finisher-Pin“ auf die geschafften, aber glücklichen Wanderer wartete. Zum Tag und besonders in Richtung der Organisatoren fasste Heuwagen zusammen: „Das passt vorne bis hinten!“