ANZEIGE Willi Ostermann 80.000 Fans zogen durchs Nachtigallental

Vor 75 Jahren wurde Willi Ostermann ein Denkmal im Siebengebirge gesetzt

 Die Einweihung des Ostermann-Denkmals mit dem Sänger vom Drachenfels, Helmut Kohl, und Ehrengästen, darunter auch Witwe Käthe Ostermann.

Die Einweihung des Ostermann-Denkmals mit dem Sänger vom Drachenfels, Helmut Kohl, und Ehrengästen, darunter auch Witwe Käthe Ostermann.

Foto: Siebengebirgsmuseum

Königswinter war dicht. Sage und schreibe 80.000 Leute pilgerten am 3. Juli 1949 ins Nachtigallental. Dort wurde an jenem Sonntag ein Gedenkstein für Willi Ostermann enthüllt – an jener Stelle, wo der rheinische Liederdichter und Komponist so gerne bei seinen Wanderungen durchs Siebengebirge rastete, einige seiner besten Ideen ausbrütete und auch der erste Entwurf für die Königswinterer „Nationalhymne“ mit dem Titel „Da wo die Sieben Berge“ entstanden war.

75 Jahre danach wird die Große Königswinterer Karnevalsgesellschaft (GKKG) zum „Stein-Jubiläum“ bei einem Fest im Juli an den großen Künstler erinnern, dessen Würdigung damals so unglaublich viele Menschen mobilisiert hatte. Sie kamen aus dem Siebengebirge, natürlich aus Ostermanns Heimatstadt Köln und auch von weither, selbst aus Belgien und Holland.

„Da wo die sieben Berge am Rheinesstrande stehn, kannst du die blonden Mädel mit blauen Augen sehn. Und an die schönen Stunden denkst du dann tausendmal, wie fröhlich sie marschieren durchs Nachtigallental …“ Auch dieses Lied erklang bei der Enthüllung des Denkmals durch Ostermann-Witwe Käthe. Blaskapellen der Kölner Gesellschaften und der Bonner Stadtsoldaten spielten. Der Königswinterer Schauspieler Herbert Aust trug einen Prolog des mit Ostermann befreundeten Heimatschriftstellers Leo Renner vor. Und der MGV Gemüthlichkeit sang Ostermanns letztes Lied, das vor seinem Tod im Jahr 1936 entstanden war: „Wenn ich su an ming Heimat denke…“

Das Festkomitee um GKKG-Präsident Fritz Bastin hatte alles wunderbar vorbereitet. Die Reden mit den huldigenden Worten über den beliebten Komponisten durch die Honoratioren aus Verwaltung und Karneval von Königswinter und Köln, ebenso seine Lieder waren per Lautsprecher weithin zu hören, denn freilich fanden in dem engen Tal direkt am Ehrenmal nur Komiteemitglieder, Ehrengäste und Musiker Platz. Etliche Besucher waren die steilen Hängen links und rechts des Baches hochgekraxelt, mutige Ostermann-Bewunderer sogar auf Bäume geklettert mit dem Blick auf die Gedenkstelle.

Die Idee zu dieser Ehrung hatte Hermann Weiser – Erster Tenor beim MGV Gemüthlichkeit 1862 und Vizepräsident der GKKG von 1860 – beim Stammtisch der Sänger nach einer Probe im Herbst 1947. Der Ausbruch des Krieges hatte erste entsprechende Überlegungen nach dem Tod Ostermanns zunichte gemacht. Weiser berichtete seinen Sangeskameraden von den Gesprächen mit Freund Ostermann und dessen Vorliebe für eine Rast auf der steinernen Bank im Nachtigallental.

Es dauerte noch etwas bis zur Umsetzung – in der bitteren Nachkriegsnot hatten die Menschen andere Sorgen. Aber die Vorbereitungen liefen, Genehmigungen wurden eingeholt. Und Weiser hatte längst eine etwa drei Meter hohe, schmale Säule im Siebengebirge ausgewählt und sie bearbeitet nach alter Königswinterer Steinhauerkunst. Alles prima, bis dann die Kölner Karnevalisten bei einer Vorbesichtigung bemängelten: „Dä hänge meer uns an de Uhrkett!“ Ostermann habe einen größeren Stein verdient. Das sah auch Weiser ein und ein großer Findling wurde bei Gummersbach besorgt. Gestaltet wurde die Gedenkstätte von dem heimischen Bildhauer Josef Krings, der auch den Kopf Ostermanns modellierte, der dann in Bronze gegossen wurde. Und so fanden die Teilnehmer des Festes eine würdige Gedenkstätte vor.

Einige der mehr als 100 Karnevalsvereine, der über 25 auswärtigen Kapellen und der vielen Tanzcorps waren schon am Vortag in der Drachenfelsstadt angereist. In vier großen Sälen fanden deshalb rheinische Abende mit buntem Programm statt. Vom Festbüro in der Loreley aus wurde alles gelenkt. Ein Riesenzelt stand am Rhein, an Büdchen gab es Würstchen und Kuchen. Aus dem Brunnen auf dem Marktplatz floss der Wein. Ostermann-Lieder erklangen in allen Wirtschaften. Das Festkomitee hatte Standquartiere zugewiesen, viele hielten sich aber nicht daran und kehrten in anderen Häusern ein und sorgten so für ein wenig Durcheinander. Die Wirte der Stadt, denen Massenandrang durchaus nicht unbekannt war, hatten so viele Gäste auf einmal noch nicht zu verköstigen gehabt. Aber keiner musste darben, so ist es glaubhaft überliefert.

Gewaltig muss auch der Festzug gewesen sein, der sich nach der Einweihung des Denkmals formierte. Mit Blaskapellen und Spielmannszügen bewegte sich eine Schlange von mehr als zwei Kilometern Länge durch die Stadt. Die Straßen waren bunt geschmückt. Das Publikum stand in mehreren Reihen hintereinander an der Rheinallee, um die Gruppierungen in ihren Uniformen oder Gardetanzkostümen zu bestaunen, die mit vorangetragenen Schildern, Standarten und Bannern eine bunte Übersicht verschafften, woher sie angereist waren, um Willi Ostermann ihre Referenz zu erweisen. Immer wieder waren jene Lieder zu hören, mit denen der Sänger einst so viel Freude bereitet hatte.

Auch jeck Maskierte waren im Zug zu entdecken. Freundeskreise hatten so schöne Lieder Ostermanns, die aus dem Leben der Kölner erzählten – wie etwa „Die Pänz un de Frau Palm“ – umgesetzt und waren zum Beispiel mit einem Ofenrohr ausgerüstet. Andere führten einen Kessel mit und hatten wie die „Wienands ehre Haas em Pott“. Einfach köstlich! Königswinter erlebte an jenem Juli-Tag einen Ausnahmezustand. oro

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