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Frühzeitig in Altersrente: Wette auf ein langes Leben

Frühzeitig in Altersrente : Wette auf ein langes Leben

Viele ältere Arbeitnehmer halten nicht bis zum regulären Ende durch und wollen frühzeitig in Altersrente. Das geht oft nur mit Abschlägen. Die lassen sich aber ausgleichen, wenn man mehr Rentenbeiträge einzahlt. Wie man das vorbereitet

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an – so sang einst schon Barde Udo Jürgens in seinem weißen Bademantel. Viele Bundesbürger wollen in diesem Alter den wohlverdienten Ruhestand genießen. Für jene, die bald ihren 60. Geburtstag feiern, wird das aber schwierig. Die Jahrgänge ab 1964 scheiden erst mit 67 Jahren regulär aus dem Berufsleben aus. Deshalb interessieren sich viele dafür, wann und unter welchen Bedingungen sie sich frühzeitig aus dem Job verabschieden können.

Momentan geht jeder vierte Berufstätige vorab in den wohlverdienten Ruhestand. In der Regel funktioniert dies aber nur mit Abschlägen – mitunter sind es mehrere hundert Euro im Monat, die fehlen. Je früher man aufhört, desto teurer wird es. Deshalb wollen viele Arbeitnehmer wissen, was sie tun können, um das Rentenminus auszugleichen. Das geht, wenn die Frührentner bereit sind, aus eigener Tasche ihre Beiträge aufzustocken. Was Sie dazu müssen:

Wer kann wann

in Altersrente gehen?

Die Altersgrenze für eine Regelaltersgrenze wird derzeit schrittweise vom 65. Lebensjahr – für bis 1952 geborene – auf das 67. Lebensjahr angehoben. Letzteres betrifft jene Geburtsjahrgänge ab 1964. Als Voraussetzung für die vorzeitige Altersrente müssen 35 Jahre Versicherungszeiten erreicht sein. So kommen sie zusammen:

Zunächst einmal werden die Jahre, für die Pflichtbeiträge gezahlt wurden, angerechnet. Darüber hinaus zählen auch Zeiten eines Minijobs, Kindererziehungszeiten oder freiwillige Beiträge mit sowie Zeiten aus übertragenen Rentenanteilen aus einem Versorgungsausgleich oder aus Rentensplitting, wenn der Partner einen Teil seiner Ansprüche abgibt.

„Aber auch sogenannte beitragsfreie Zeiten können dazu kommen“, sagt Katja Braubach von der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin. Darunter fallen Schul- und Studienzeiten, Zeiten einer Erkrankung oder Schwangerschaft, Zeiten der Arbeitslosmeldung bei einer Arbeitsagentur.

Kinderberücksichtigungszeiten bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuches werden ebenfalls für die 35 Versicherungsjahre angerechnet.

Man muss aber wissen: Diese Altersrente für langjährig Versicherte kann ab dem 63. Lebensjahr nur mit Abschlägen in Anspruch genommen werden. Die Abschläge betragen 0,3 Prozent für jeden Monat, den die Rente vor dem regulären Rentenalter beginnt. Der aktuelle Geburtsjahrgang 1959 erreicht sein reguläres Rentenalter mit 66 Jahren und zwei Monaten. Beginnt die Altersrenten für langjährig Versicherte zum 63. Lebensjahr, liegt der Rentenbeginn 14 Monate vor dem regulären Rentenalter. Die Altersrente wird somit mit 11,4 Prozent Abschlägen gezahlt. Da kommen viele, die sich für eine frühe Rente interessieren, ins Rechnen.

Wie kann man Abschläge

vermeiden?

Ab dem 50. Lebensjahr haben Versicherte die Möglichkeit, Beiträge zum Ausgleich einzuzahlen. Sie geben im ersten Schritt gegenüber der Rentenversicherung eine Erklärung

ab, wann sie voraussichtlich in vorgezogene Altersrente gehen wollen. Im zweiten Schritt stellen sie einen „Antrag auf Auskunft über die Höhe der Beitragszahlung zum Ausgleich einer Rentenminderung bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters“. Dazu gibt es auf der Seite der Rentenversicherung Bund www.deutsche-rentenversicherung.de ein eigenes Formular mit der Kennung V0210. Sie bekommen dann eine „besondere Rentenauskunft“. Hier steht

  • die voraussichtliche Höhe der Altersrente, abgestellt auf den beabsichtigten, vorzeitigen Rentenbeginn
  • die Höhe der Rentenminderung wegen der vorzeitigen Inanspruchnahme der Altersrente
  • und der Beitrag, der zum Ausgleich der Rentenminderung gezahlt werden kann.

Die Zahlen beziehen sich darauf, wie viel Rente der Arbeitnehmer bekommen würde, wenn er weiterhin so einzahlen würde wie bisher. Potenzielle Gehaltssteigerungen bleiben also außen vor.

Ein Beispiel: Wer seine Rente ein Jahr früher in Anspruch nehmen möchte, muss 3,6 Prozent Abschläge in Kauf nehmen. Bei einer monatlichen Rentenhöhe von 1000 Euro betragen diese 3,6 Prozent Abschläge in Höhe von 36 Euro monatlich. Um diesen Abschlag auszugleichen, müssen zurzeit rund 7900 Euro eingezahlt werden.

Soll die Rente sogar drei Jahre früher beginnen, werden 10,8 Prozent

Abschläge abgezogen. Für diese 108 Euro müssen momentan als Ausgleich bereits rund 25 600 Euro Beiträge eingezahlt werden. Bei vier Jahren sind es schon gerundet 35 600 Euro, um monatlich 144 Euro mehr Rente zu haben. Wer mit einer Rente von 1600 Euro monatlich vier Jahre vorher ausscheiden will, braucht fast 57 000 Euro.

Man muss also rund zwanzig Jahre Rente beziehen, um den Betrag herauszubekommen. Die Zahlen sind übrigens nicht statisch, sie ändern sich halbjährlich.

„Die Versicherten entscheiden selbst, ob und gegebenenfalls inwelcher Höhe sie entsprechende Beiträge zahlen“, sagt Braubach. Man muss auch nicht den vollen Betrag zahlen. Allerdings wird die voraussichtliche Rentenminderung natürlich nur entsprechend anteilig ausgeglichen. Das ist alles freiwillig. Man ist bei den Zahlungen flexibel.

Das bedeutet: Der Berufstätige kann früh anfangen und sich so über mehrere Jahre ein Beitragspolster aufbauen. Es ist möglich, in einem Jahr eine hohe Summe zu überweisen und im nächsten Jahr gar nichts.

Viele Interessenten strecken ihre Zahlungen, weil sie das Geld erst einmal ansparen müssen. Außerdem kann es Steuervorteile bringen. Hintergrund: Die Beiträge können als Sonderausgaben unter der Rubrik Altersvorsorgeaufwendungen bis zu einer Obergrenze von der Steuer abgesetzt werden. Wie hoch dieser Betrag ausfällt, hängt derzeit vom Einkommen und von weiteren Vorsorgeaufwendungen ab. Im Zweifel helfen die Lohnsteuervereine, das Finanzamt und jeder Steuerberater.

Nun kann es vorkommen, dass sich der Arbeitnehmer später doch dafür entscheidet, länger als gedacht weiter zu arbeiten. „Dann erhöhen die Beiträge, die zum Ausgleich von Rentenanschlägen gezahlt wurden, die monatliche Rente“, so Braubach. Eine Erstattung der Beiträge gibt es aber nicht. Aber sie zählen auch im Fall einer frühzeitigen Rente wegen Erwerbsminderung mit und bei der Hinterbliebenenrente. 

Weitere Infos: www.deutsche-rentenversicherung.de; Stichwort Flexirente – Sonderzahlung zum Ausgleich von Rentenabschlägen.