Jubiläum : Eine Innung mit Gewicht

100 Jahre Gebäudereiniger-Innung Bonn·Rhein-Sieg

Am 4. Juni 1921 wurde im Bayerischen Hof in Bonn ganz offiziell die Innung für das Glas-, Gebäude- und Parkettbödenreinigungshandwerk zu Bonn am Rhein gegründet. Diese Innung zählte zwölf Mitglieder mit 50 Beschäftigten aus Bonn, Bad Godesberg, Beuel und Siegburg. Zum Obermeister wurde Peter Portz aus Beuel gewählt.

Diese Bonner Innung war die zweite freie Innung für die Branche im Rheinland und in Westfalen. In diesen Teilen des Landes war 1920 der Westdeutsche Reinigungsunternehmerverband gebildet worden.

Mit Sicherheit stand die Überzeugung „Einigkeit macht stark“ hinter diesem Zusammenschluss. Allerdings lebte man damals in schwierigen Zeiten: Der Erste Weltkrieg hatte 2000 Bonner Soldaten das Leben gekostet. Bombenangriffe, Hunger und Krankheiten hatten viele weitere Opfer gefordert. Die Kapitulation des Kaiserreichs führte dazu, dass das gesamte linksrheinische Rheinland und ein 50 Kilometer breiter Geländestreifen auf dem rechten Flussufer bis tief ins Bergische Land von Frankreich besetzt wurde.

Die Innung gab ihren Mitgliedern in den wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen der Nachkriegszeit Hilfestellungen, indem sie mit dem Verband der Einzelhändler eine Preisvereinbarung traf. Hintergrund dafür war, dass der Stundenlohn und der Innungsbeitrag inflationsbedingt bis 1923 auf 1,2 Milliarden Mark gestiegen war, während beide Sätze um die Jahreswende 1921/22 noch bei 30 beziehungsweise 40 Mark gelegen hatten.

Neben der NS-Zeit gehört der Zweite Weltkrieg zu den dunkleren Zeiten für die Innung. Auch im Glas- und Gebäudereiniger-Handwerk ging es nach dem Krieg nur sehr langsam voran. Notverglasungen, Reinigen und Pappewaschen waren die ersten Arbeiten, die nachgefragt wurden. Einzelhändler richteten ihre Läden notdürftig wieder ein. Die Innung bewährte sich, in dem sie aus dem Krieg heimkehrenden Kollegen Rat und Hilfe vermittelte.

Eine besonders tiefe Zäsur bedeutete der Beschluss des Bundestages, den Parlaments- und Regierungssitz nach Berlin zu verlegen – für die Region und damit natürlich auch für die regionale Wirtschaft. Auch die Betriebe der Gebäudereinigungsbranche mussten sich auf breiter Front umstellen und sich auf neue Kundengruppen einrichten – von den UN-Einrichtungen und neuen Bundesbehörden bis hin zu Post und Telekom. Vor allem jedoch konnten die mittelständisch strukturierten regionalen Branchenfirmen ihre strategischen und unternehmerischen Vorteile gegenüber den bundesweit agierenden Großbetrieben angesichts der neuen Rahmenbedingungen gut ausspielen.

Wichtige Themen, die in den Innungsgremien über Jahre hinweg behandelt wurden, seien an dieser Stelle genannt: Image- und Nachwuchswerbung, Tariftreue, Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge, Bekämpfung von Schwarzarbeit, Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber und Institutionen, Beteiligung am Landesleistungswettbewerb der Prüfungsbesten, Einsatz der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls, Präqualifizierung, Prüfungswesen und Ausbildung junger Menschen.

Ihrer sozialen Verantwortung für die Mitarbeitenden stellt sich die Branche intensiv: Die Einhaltung vor allem des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes und der Lohnuntergrenzen ist für die Innungsbetriebe eine Selbstverständlichkeit. Die Anhebung und Dynamisierung des Mindestlohns gehört dementsprechend zu den Dauer-Forderungen des Bundesverbandes.

Im Jubiläumsjahr hat die Gebäudereiniger-Innung Bonn·Rhein-Sieg 41 selbständige Unternehmen aus Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Oberbergischen Kreis als Mitglieder. In allen drei Lehrjahren sind derzeit 33 Auszubildende eingetragen. Obermeister ist Dirk Müller. Als Beisitzer fungieren Klaus Szomm, Markus Schmidt, Stephan Kemp, Ingo Löhrer und Hermann Schulze. Lehrlingswart Denis Löhrer komplettiert den Innungsvorstand.

Weitere Informationen zur Innung und ihren Mitgliedern: www.die-gebaeudedienstleister-bonn-rhein-sieg.de