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Regionalliga West: Widerstand gegen Profivereine wächst

"Ungleichheit der Waffen" : Widerstand gegen Profivereine wächst in der Regionalliga

Einige Clubs in der Regionalliga West bemängeln Wettbewerbsvorteile der U23-Teams der Bundesligisten. Der Vorstandsvorsitzende des Bonner SC, Dirk Mazurkiewicz, kann die Kritik nicht nachvollziehen.

Wenn am heutigen Montag die Vereinsvertreter der Fußball-Regionalliga West erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder in Duisburg zur Staffeltagung zusammenkommen, dürfte die zuletzt laut gewordene Kritik an den Möglichkeiten der sogenannten U-Mannschaften unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“ zum Thema werden. Erstmals seit der Saison 2016/2017 spielen mit Borussia Dortmund II und dem SC Freiburg II wieder zwei U23-Mannschaften in der 3. Liga.

Teams, die in den Regionalligen ihre sportlichen Möglichkeiten ausspielen und die vor allem die Traditionsvereine wie Rot-Weiss Essen auf den Plan rufen, die seit Jahren vergeblich um den Aufstieg kämpfen. „Wir erleben in den Regionalligen eine Ungleichheit der Waffen“, hatte der RWE-Vorstandsvorsitzende Marcus Uhlig gegenüber dem „Kicker“ geäußert. Die beeindruckende Bilanz von 90 Punkten, 90 Toren und nur vier Niederlagen reichte dem Club aus der Essener Hafenstraße nicht zum ersehnten Aufstieg. Nach 40 Spielen hatte die U23 von Borussia Dortmund drei Punkte mehr auf dem Konto.

Auf der Spielberechtigungsliste des BVB stand die in der Tat beachtliche Zahl von 57 Akteuren, darunter Profis wie Steffen Tigges oder Ansgar Knauff, die auch im Bonner Sportpark Nord im Spiel gegen den Bonner SC ihre Aufwartung machten. Auch der BSC ist von der Strahlkraft der U-Mannschaften direkt betroffen. So wechselt David Winke, vielversprechendes Talent in der Innenverteidigung und seit zwei Spielzeiten Leistungsträger beim BSC, zur neuen Saison in die U21 des 1. FC Köln.

Bonner SC ist in der Frage gelassen

Dennoch sieht BSC-Sportvorstand Stefan Krämer die Lage gelassen. „Natürlich sehen auch wir die Möglichkeiten, die diese Mannschaften haben. Aber sportlich sind wir natürlich nicht so davon betroffen wie RWE. Auf der anderen Seite freuen sich unsere Fans, solche Spieler oder auch den einen oder anderen Profi im Sportpark zu sehen.“ Der BSC-Vorstandsvorsitzende Dirk Mazurkiewicz hält die Kritik der Traditionsvereine für überzogen. „Es ist auch ein Stück weit feige, eigene sportliche Defizite auf die Möglichkeiten der U-Mannschaften zu schieben.“

Dennoch befürchten viele Clubs, dass die Dominanz der U23-Teams in der Regionalliga weiter zunimmt. Vor allem während der Pandemie standen die U19- und U17-Teams der Profivereine ohne Spielpraxis da. Und natürlich sind die Aussichten, den Sprung in den Profikader schaffen zu können, für viele Talente verlockend. Deshalb sei auch die U23-Regel, nach der alle Clubs mindestens vier Akteure im Spieltagskader haben müssen, die zu Saisonbeginn ihr 23. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten und für eine deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt wären, mehr oder weniger sinnlos.

In Duisburg ist die Dominanz der U-Mannschaften also ein Thema. Eine Beschlussvorlage gibt es laut Mazurkiewicz allerdings nicht. Damit dürfte sich zunächst an den Möglichkeiten der U23-Teams in den Regionalligen nichts ändern. Nach „Kicker“-Angaben wollen RWE und Co. eine Initiative bilden, die auf die zuständigen Verbände zugehen soll.