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Deutschland - Portugal: Die Gewinner und Verlierer im DFB-Team

Nach Sieg gegen Portugal : Das sind die Gewinner und Verlierer im deutschen Team

Beim 4:2-Sieg gegen Portugal haben zwei Spieler aus der DFB-Startelf eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber der Niederlage gegen Frankreich gezeigt. Ein anderer Stammspieler betrieb dagegen keine Eigenwerbung.

Wer im Spiel gegen Portugal die prägenden Spieler waren, lässt sich schon an den Torschützen und Vorbereitern ablesen. Zwei Spieler revidierten den schlechten Eindruck aus dem Spiel gegen Frankreich und einen Namen kennt nun mindestens ganz Europa. Der Aufschwung der einen macht andere in der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw aber gleichzeitig zu Verlierern. Ein Überblick.

Die Gewinner im DFB-Team: 

Kai Havertz: Nach dem Spiel gegen Frankreich noch stark kritisiert, trumpfte der Champions-League-Sieger vom FC Chelsea nun gegen Portugal richtig auf. Vor dem Tor sorgte er immer wieder für Gefahr, umkurvte die portugiesischen Verteidiger gekonnt und Stand immer wieder da, wo eine Offensivkraft stehen muss. Nachdem Havertz Portugals Ruben Dias beim 1:1 noch mit energischem Einsatz zum Eigentor gezwungen hatte, traf er in der 51. Minute selbst zum 3:1 und veredelte damit nicht nur einen Traumangriff über Joshua Kimmich, Thomas Müller und Robin Gosens, sondern auch seine starke Leistung.

Gleichzeitig schoss er sich zum jüngsten deutschen EM-Torschützen – mit 22 Jahren und acht Tagen. Endlich konnte Havertz auch im Nationaldress zeigen, warum Chelsea ihn im vergangenen Sommer für 80 Millionen Euro (100 Millionen Euro mit Bonuszahlungen) von Bayer 04 Leverkusen geholt hat. 

Robin Gosens: Trotz guter Leistungen bei Atalanta Bergamo in der italienischen Liga hatten viele den Einsatz des Abwehrspielers für ein Risiko gehalten. Doch der Emmericher hat sich noch nie von Widerständen aufhalten lassen. Ohne je in einem deutschen Leistungszentrum gefördert worden zu sein oder in der Bundesliga gespielt zu haben, schaffte es der 26-Jährige in die Serie A und mit seinen Offensivqualitäten als Verteidiger in Löws Team. Das Vertrauen zahlt er nun zurück.

Schon gegen Frankreich der beste deutsche Spieler auf dem Feld, legte er gegen Portugal noch mal was drauf. Gosens trieb das Spiel über links immer wieder nach vorne, spielte gefährlich in den Strafraum und setzte nicht nur sich selbst, sondern auch Havertz, Serge Gnabry oder Thomas Müller wunderbar in Szene. Ein Traumtor gelang ihm bereits in der Anfangsphase – aber Gnabry stand vorher im Abseits. Danach war Gosens an allen Toren beteiligt, sicherte aber auch hinten gut ab. Mit seinem Treffer zum 4:1 krönte er seinen Auftritt. Sein Name dürfte jetzt nicht mehr als Geheimtipp gelten in Europa. 

Joshua Kimmich: Auf dem rechten Flügel, auf dem der Bundestrainer den Bayern-Spieler einsetzt, fühlt er sich nicht so wohl wie im Mittelfeld. Das war im Spiel gegen Frankreich deutlich zu sehen, das tat Kimmich nach der Niederlage auch öffentlich kund. Löw hatte jedoch kein Einsehen, stellte Kimmich gegen Portugal erneut auf rechts auf. Der 26-Jährige, der als der nächste große Führungsspieler in der deutschen Mannschaft gesehen und gelobt wird, zeigte gegen Portugal, warum das so ist.

Diesmal arrangierte er sich mit seiner Rolle, interpretierte sie so, dass seine Stärken im kreativen Aufbauspiel trotzdem zur Geltung kamen. „Das erwarte ich auch von jedem anderen, nicht nur von mir, dass er alles für den Teamerfolg in die Waagschale haut. Nur wenn wir das machen, können wir ganz weit kommen“, sagte er nach dem Spiel.

 Joshua Kimmich präsentierte sich deutlich stärker als gegen Frankreich.
Joshua Kimmich präsentierte sich deutlich stärker als gegen Frankreich. Foto: dpa/Christian Charisius

Kimmich war wie Gosens auf der anderen Seite oft im Mittelfeld und im Strafraum zu finden. Mit sehenswerten Pässen und Flanken spielte er gekonnt in die Räume – und legte so die Lücken in der portugiesischen Verteidigung offen. Kimmich bewies ein gutes Auge für seine Mitspieler und setzte die Torschützen so wunderbar in Szene und schaffte den Stürmern vorne Freiräume. Die Abwehrarbeit vernachlässigte er dabei etwas. 

Die Verlierer im DFB-Team: 

Antonio Rüdiger: Der Champions-League-Sieger machte kein wirklich schlechtes Spiel gegen Portugal. Er findet bei dieser EM aber noch nicht zu seinen Stärken, die er beim FC Chelsea auf den Platz bringt. Der Verteidiger war an allen gefährlichen Szenen vor dem deutschen Tor beteiligt. Auch bei den beiden Gegentreffern sah er nicht gut aus. In der Premier League hat sich der 28-Jährige zum Führungsspieler entwickelt. Er überzeugt dort mit seiner Präsenz auf dem Feld, treibt die Mitspieler an, gibt Anweisungen. Im DFB-Team übernehmen auch andere diese Rolle. Rüdiger scheint noch Schwierigkeiten zu haben, seine Führungsqualitäten ebenfalls einzubringen. 

Timo Werner: Der Stürmer kam gegen Portugal gar nicht zum Einsatz. Und so kann er sich auch nicht profilieren und beweisen, dass er wie Vereinskollege Havertz ebenfalls Tore schießen kann. Nach Havertz' schwacher Leistung gegen Frankreich schien sich für Werner eine Chance aufzutun. Doch der Bundestrainer verzichtete erneut auf den zweiten Chelsea-Stürmer im Team. Weil Havertz gegen Portugal all seine Qualitäten zeigen konnte, werden die Chancen von Werner nun noch geringer, bei der EM in die Startelf zu rücken. So wird er zum Verlierer, ohne das selbst beeinflussen zu können. 

Leroy Sané: Für den Bayern-Star gilt ähnliches wie für Werner. Der Bundestrainer setzt nur dann auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Angreifers, wenn andere in der Offensive eine Pause brauchen. In den etwa zehn Minuten, die er gegen Portugal auf dem Platz war, hatte er zwar einige gute Strafraumsituationen, zeigte aber erneut, warum Löw nicht auf ihn setzt: Sané hat geniale Momente, vergibt aber zu viele klare Chancen – auch, weil er eigensinnig spielt und lieber noch einen schönen Schnörkel an den Schuss macht, als das sichere Tor.