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Lokale Trainer geben Joachim Löw Tipps für das Ungarn-Spiel: DFB-Elf soll offensiv und mutig spielen

Lokale Trainer geben Joachim Löw Tipps für das Ungarn-Spiel : DFB-Elf soll offensiv und mutig spielen

Vier Fußball-Trainer aus der Region diskutieren über die Taktik der Nationalmannschaft – und geben Tipps, wie Deutschland auch Ungarn bei der EM besiegt.

Es gibt kaum jemanden, der keine eigene Auffassung über die Geschehnisse um das DFB-Team und seinen Bundestrainer Joachim Löw vertritt. Und alle wissen es natürlich besser. Von den potenziell rund 80 Millionen Löws haben wir vier tatsächliche Experten aus der Region vor dem entscheidenden EM-Gruppenspiel gegen Ungarn erneut gebeten, uns ihre Sicht zu erläutern. Unsere „Bundestrainer“ Stefan Bung (1. FC Spich, 34 Jahre), Stefan Behr-O’Hara (SV Wachtberg, 46), Sascha Glatzel (FC Hennef, 44) und Heinz-Joachim Schmickler (SSV Merten, 58) haben sich wieder Gedanken gemacht.

Hat Joachim Löw in den ersten beiden Begegnungen die richtige Mannschaft aufgestellt?

Heinz-Joachim Schmickler: Grundsätzlich kann ich mit der Aufstellung leben. Gegen die Franzosen fand ich die Ausrichtung allerdings nicht sehr glücklich. Die Deutschen haben zu dominant gespielt, zu viel Ballbesitz gehabt und sich in der Offensive selbst den Raum genommen. Gegen die Portugiesen haben wir es besser gemacht und aggressiver nach vorn gespielt.

Stefan Bung: Man hätte in der Zentrale vielleicht was ändern können, letztendlich haben wir aber in beiden Partien gut gespielt.

Sascha Glatzel: Ich hätte gerne ein Spielsystem mit Viererkette gesehen, da die meisten Spieler es aus ihren Vereinen kennen. Dazu einen starken Bayern Block, da sie zu den besten Mannschaften Europas gehören. Aber das erste Spiel gegen Frankreich war ordentlich, das zweite gegen Portugal 60 Minuten lang richtig stark.

Stefan Behr-O’Hara: Ich denke, der Kader ist einfach nicht optimal zusammengestellt. Das Thema rechter Außenverteidiger/Außenbahnspieler ist absehbar gewesen.

Hätten Sie die taktische Ausrichtung mit der Abwehr-Dreierkette und dem nach rechts verschobenen Joshua Kimmich ebenso gewählt?

Behr-O’Hara: Kimmich gehört in die Zentrale, und Robin Koch und Matthias Ginter sind bestimmt nicht die stärksten Kanditaten für die rechte Seite. Koch noch eher, wenn mit einer Dreierkette gespielt wird.

Glatzel: Kimmich rechts finde ich nicht schlimm. Die Alternativen zentral sind stark und auf der rechten Seite eben nicht. Die Dreierkette hätte ich nicht gewählt, da bis auf die Chelsea-Spieler und Robin Gosens die meisten Spieler tagtäglich ein System mit Viererkette spielen.

Bung: Kimmich ist für mich zu wertvoll im Zentrum, um auf der Außenposition zu spielen. Ich würde ein 4-2-3-1-System wählen und Kimmich zentral aufstellen.

Schmickler: Man muss immer überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, mit einer Viererkette zu spielen. Aber im zweiten Spiel haben wir mit der Dreierkette vieles richtig gemacht. Im ersten Spiel war es eine Crux mit dem vielen Ballbesitz, da hätten wir die Franzosen mehr locken müssen, indem wir uns mehr zurückziehen. Prinzipiell stimme ich der Dreierkette mit Kimmich davor auf rechts auch zu. Aber das hätte man sich vorher überlegen und das andere System nicht drei Jahre lang einstudieren müssen.

Welcher Spieler im DFB-Team hat Sie bislang überzeugt, von welchem hätten Sie sich mehr erwartet?

Bung: Gewinner ist bislang absolut Robin Gosens. Und durch Thomas Müller und Mats Hummels ist die Mannschaft sicherer geworden. Verlierer ist Leroy Sané, seine Leistung ist bislang nicht gut genug.

Glatzel: Gewinner ist für mich bislang Robin Gosens, einen Verlierer sehe ich nicht.

Schmickler: Ginter und Gosens haben mich in beiden Spielen überzeugt. Kai Havertz, der im ersten Spiel enttäuscht hat, war gegen Portugal gemeinsam mit Gosens der stärkste Spieler.

Behr-O’Hara: Gosens zeigt, warum er in der Serie A konstant überzeugt und wie weit man es mit Mentalität bringen kann. Timo Werner und Kevin Volland hätten sich bestimmt schon ein paar Minuten ausgerechnet...

Würden Sie gegen Ungarn frische Kräfte bringen?

Behr-O’Hara: Ich würde auf ein 4-2-3-1 wechseln und zwangsläufig andere Spieler wie Werner, Leon Goretzka oder Volland bringen.

Glatzel: Grundsätzlich gibt es keinen Grund zu wechseln. Es gab genügend Tage zur Erholung, und wir sind ja noch nicht weiter. Ich glaube aber, dass es ein oder zwei Wechsel geben wird aufgrund kleinerer Verletzungen.

Schmickler: Große Veränderungen würde ich nicht vornehmen, es sei denn, Spieler sind angeschlagen. Aber Werner und Sané sind nach vorn natürlich immer eine Option.

Bung: Ich denke, mit Goretzka haben wir den perfekten Spieler, um noch mutiger und offensiver zu spielen. Dafür würde ich Ilkay Gündogan oder Toni Kroos opfern.

Wie würden Sie die Mannschaft einstellen?

Glatzel: Ungarn lebte stark vom Heimvorteil und den 60 000 frenetischen Zuschauern. Gegen Frankreich hatten sie zudem Spielglück. Sie spielen auch mit einer Dreier- respektive Fünferkette. Deshalb wird unser Spiel etwas anders aussehen. Ich würde so offensiv und mutig spielen wie gegen Portugal. Mit mehr Risiko als gegen Frankreich, da Ungarn keine so starken Umschaltspieler hat. Ich sehe uns klar stärker und bin überzeugt, dass wir gewinnen werden.

Behr-O’Hara: Ungarn hat gegen Frankreich einen tollen Fight geliefert und auch taktisch überzeugt. Trotzdem muss das Ziel ein Sieg sein und dementsprechend würde ich mit Goretzka und Kimmich auf der Sechserposition starten, um bei hohem Pressing eine starke Absicherung zu haben.

Bung: Das Team sollte wie gegen Portugal mutig und aggressiv nach vorn und auf Sieg spielen.

Schmickler: Ungarn wird defensiv die Räume schließen. Wir müssen dominant auftreten und druckvoll nach vorne agieren. Die Ungarn haben ja auch keine großen Konterspieler. Offensiv, mutig, geradlinig sollten wir spielen. Dann mache ich mir keine Sorgen, dass wir das Spiel nicht gewinnen.