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EM-Favorit: Frankreich-Coach Deschamps vor einzigartigem Rekord

EM-Favorit : Frankreich-Coach Deschamps vor einzigartigem Rekord

Mit seinem Star-Ensemble ist Weltmeister Frankreich auch bei der EM in diesem Sommer der größte Favorit. Der Baumeister des Erfolgs ist aber der Trainer, Didier Deschamps.

Einen ganz besonderen Eintrag in den Geschichtsbüchern des Fußballs hat Didier Deschamps schon sicher. Am 11. Juli könnte er daraus einen einmaligen machen.

Seit dem WM-Titel 2018 in Russland ist der 52-Jährige neben Franz Beckenbauer und dem Brasilianer Mario Zagallo der Einzige, der als Spieler und als Trainer Weltmeister wurde. Da Beckenbauer als Coach nie Europameister wurde und Zagallo als Spieler nie die Copa America gewann, wäre Deschamps im Falle des EM-Titels mit Frankreich also der Einzige, der als Spieler und Trainer Weltmeister und Kontinental-Meister wurde.

Deschamps, der Perfektionist

Doch mit solchen Dingen beschäftigte sich der bescheidene Baske nicht. „Auch wenn ich immer ein Wettkämpfer bin, jage ich dem nicht hinterher“, sagte Deschamps in einem Interview mit dem „kicker“: „Rekorde waren nie eine treibende Kraft für mich.“ Sehr wohl aber ist er ein Perfektionist. Die nur drei Niederlage, die Deutschlands erster Vorrunden-Gegner seit der WM vor drei Jahren hinnehmen musste, seien „drei Niederlagen zu viel“, sagte Deschamps: „Es mag nicht viel sein, aber es ist nie angenehm. Und dennoch bringt es die Dinge auch wieder ins Lot.“

Denn Deschamps ist gleichzeitig Motivator und Mahner. Noch schwieriger als nach oben zu kommen sei es, oben zu bleiben, erklärt der frühere Mittelfeld-Stratege mantraartig. Der EM-Titel müsse natürlich ein Ziel sein für eine Mannschaft wie Frankreich, für den amtierenden Weltmeister. Aber man müsse Schritt für Schritt denken.

Kein Heimvorteil für die Franzosen

Es gibt auch einige Unwägbarkeiten auf dem angestrebten Weg zum dritten EM-Titel der Franzosen nach 1984 und 2000. Da wäre neben dem möglichen Effekt der Selbstzufriedenheit der der Belastung, den seine Spieler bei den weltweit größten Clubs wie Real Madrid, FC Barcelona, Bayern München oder Paris Saint-Germain haben. Da wäre zudem die starke Vorrunden-Gruppe mit Titelverteidiger Portugal und dem vorherigen Weltmeister Deutschland. Oder auch die Tatsache, dass die Franzosen im Gegensatz zu vielen anderen Teams keinerlei Heimvorteil haben, weil Frankreich keine der elf Gastgeber-Städte stellt.

Argumente hat Deschamps also genug, um zu mahnen. Was alles freilich nichts daran ändert, dass die Franzosen der absolute Top-Favorit sein werden. „Was die Qualität und Quantität angeht, habe ich das Glück, hochkarätige Spieler zu haben“, gibt Deschamps zu. Torhüter Hugo Lloris (Tottenham), Abwehrchef Raphaël Varane (Real Madrid), die Mittelfeld-Strategen Paul Pogba (Manchester United) und N'Golo Kanté (FC Chelsea) sowie Stürmer Antoine Griezmann (FC Barcelona) bilden seit Jahren ein starkes Gerüst. Dahinter steht ein scheinbar unerschöpfliches Reservoir an Ausnahme-Talenten, angeführt von PSG-Star Kylian Mbappé, der als kommender Weltfußballer gilt.

Altstar Benzema kehrt in die Équipe Tricolore zurück

Dazu kommt überraschend Altstar Karim Benzema, der nach starker Saison bei Real Madrid in den Kader zurückkehrt. Im Kader stehen mit den Münchnern Lucas Hernandez, Benjamin Pavard, Corentin Tolisso, Kingsley Coman sowie dem Gladbacher Marcus Thuram fünf Profis aus der Bundesliga

Die Mischung aus Erfahrung sowie funktionierenden Automatismen und Hierarchien auf der einen sowie Unbekümmertheit und Titelgier auf der anderen Seite ist eine schwer zu schlagende. Und auch, wenn er das Glück des starken und breiten Kaders hat, ist Deschamps der Baumeister dieser Mannschaft, die sich in der Vergangenheit auch immer mal durch Querelen und Eifersüchteleien auszeichnete. Gipfelnd im Spieler-Streik während der WM 2010 in Südafrika. Zwei Jahre später kam Deschamps.

Artikel bei kicker.de mit Auszügen aus dem Interview

Homepage des französischen Verbandes

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