Stimmung in Deutschland Der Heim-EM eine Chance geben

Meinung | Bonn · Am Freitag beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Aber wo bleibt die Sommermärchen-Stimmung? Der Vergleich zur WM 2006 kann noch nicht gezogen, meint unser Autor.

Wann kommt die EM-Stimmung auf?

Wann kommt die EM-Stimmung auf?

Foto: dpa/Axel Heimken

Es ist dieser Tage viel zu lesen und zu hören über die nicht so recht vorhandene Stimmung vor der Heim-EM. Oft werden Vergleiche gezogen zur WM 2006. Auf der einen Seite ist da das Sommermärchen. Schwarz-rot-goldene Eintracht, Schweini und Poldi, Deutschland entdeckt das Rudelgucken und die Welt die gastfreundliche Seite der Bundesrepublik. Und 18 Jahre später? Krisen, Kriege, Rechtsruck und Zweifel an der Leistungsfähigkeit der DFB-Auswahl.

Letzteres ist übrigens eine Parallele zum Zustand vor der WM im eigenen Land. Die EM 2004 hatte die Nationalelf so gewaltig in den portugiesischen Sand gesetzt, dass selbst Teamchef Rudi Völler keinen Rat mehr wusste und zurücktrat. Es folgte Jürgen Klinsmann, der vor der WM eine derbe 1:4-Testspielpleite gegen Italien moderieren musste.

Und das Turnier an sich? Am Tag des Eröffnungsspiels war im GA von der Sorge vor Hooligans in unsicheren Stadien zu lesen, von überteuerten Tickets und einem korrupten Weltverband. Märchenhaft wurde die WM 2006 erst in der Rückblende. Möglich wurde das vor allem, weil die Klinsmänner besser spielten als es ihnen 80 Millionen Bundestrainer im Vorfeld getraut hatten.

Nun sind die Nagelsmänner auf dem Papier deutlich stärker einzuschätzen als ihre Vorgänger aus 2006. Und deswegen sollte es niemanden überraschen, wenn die DFB-Auswahl in den kommenden Wochen tatsächlich erfolgreich Fußball spielt.

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Erfolg verbindet. Spieler genauso wie Fans. Denn am Ende gilt für den Fußball am 14. Juni 2024 das, was schon am 9. Juni 2006 im GA banal klang, sich aber eben doch bewahrheitete: „Dieses Spiel ist grundsätzlich in der Lage, gute Laune zu verbreiten.“