Taktische Analyse zum 3:1-Sieg Das lief beim 1. FC Köln gegen Hertha BSC gut, das schlecht

Analyse | Köln · Das neue Jahr ist für den 1. FC Köln durch den Auswärtssieg gegen Hertha BSC erfolgreich gestartet. Das Team von Trainer Steffen Baumgart erarbeitete sich den Erfolg mit altbekannten Stärken. Eine Analyse.

Der Einsatz der FC-Profis um Kapitän Jonas Hector (r.) stimmte auch gegen Hertha BSC.

Der Einsatz der FC-Profis um Kapitän Jonas Hector (r.) stimmte auch gegen Hertha BSC.

Foto: dpa/Andreas Gora

Der „Hauptmann“ von Köln blieb erstmal in Köpenick. In dem Berliner Stadtteil, unweit des Union-Stadions an der Alten Försterei, haben Steffen Baumgart und seine Familie schließlich immer noch ihren Wohnsitz, und so sah der Trainer des 1. FC Köln auch keine Veranlassung, nach dem überzeugenden Rückrundenstart seiner Mannschaft gleich die Rückreise an den Rhein anzutreten.

Sein Team flog ohne den Trainer zurück, der auch den freien Dienstag in seiner Wahlheimat nutzte. Dort hatte er einst als Profi für den Hertha-Stadtrivalen Union gespielt, und noch immer sind die „Eisernen“ eine Herzensangelegenheit für den gebürtigen Rostocker. Den 3:1-Erfolg des FC im Olympiastadion, das ist anzunehmen, betrachtet Baumgart immer noch als Derby-Sieg, und so sei „Steffen grinsend aus dem Olympiastadion nach Hause gefahren“, wie FC-Lizenzspiel-Leiter Thomas Kessler am Montag berichtete.

Die Reise in die Heimat hatte sich also gelohnt für den Coach – und für den Club, der mit nun 28 Punkten nur noch zwei Zähler von einem Champions-League-Platz auf Platz sechs liegt. Von Hochrechnungen allerdings hält Baumgart, der vor der Saison Platz zwölf als persönliches Ziel ausgegeben hatte, nicht viel. Vielmehr interessiert ihn das Hier und Jetzt. Und selbst in der Stunde des dritten Liga-Sieges in Folge sprach er Missstände direkt an.

Die jedoch bezogen sich nicht auf den Auftritt seiner Mannschaft. Vielmehr waren es die Bedingungen im mit 3000 Zuschauern kärglich besetzten Olympiastadion. Der Rasen: eine Zumutung, befand der Kölner Coach. „Eine Katastrophe, ganz ehrlich“, sagte er. „Und das in dieser Stadt, Wahnsinn.“ Zwar wird der ackergleiche Rasen in der Berliner Arena nun bereits zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit ausgetauscht – und soll pünktlich zum Pokal-Derby gegen Union am 19. Januar wieder bespielbarer sein –, doch am Sonntag mussten beide Mannschaften mit dem ramponierten Platz zurechtkommen.

FC-Keeper Schwäbe verhindert mit Glanzparade den Rückstand

Das gelang den Berlinern zunächst besser. Die Gäste hatten Mühe, sich zu sortieren, fanden offensiv zunächst nicht statt. Die Hertha entwickelte da schon mehr Zug zum FC-Tor, das von Marvin Schwäbe gewohnt zuverlässig gehütet wurde. Leichte Abstimmungsprobleme in der Kölner Abwehr waren nicht zu übersehen. Das neue, junge Innenverteidigerduo mit Timo Hübers (25), der den für ihn ungewohnten Part links für den abgewanderten Rafael Czichos einnahm, und Luca Kilian (22) musste erst die richtige Justierung finden.

Hertha BSC - 1. FC Köln
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So bei der größten Chance der Berliner, als Maolida den Ball wie bei einem Elfmeter nur in die Ecke schieben musste. Doch Schwäbe verhinderte mit einer Glanztat den Rückstand (28.), nachdem sein Team zuvor vier gute Chancen durch Louis Schaub (19., 23.), Ondrej Duda (19.) und Mark Uth (21.) ausgelassen hatte.

Mit den Platzverhältnissen hatte der Chancenwucher allerdings nichts zu tun. Dennoch bemängelte auch der wie sein Nebenmann Hübers im weiteren Spielverlauf sehr souverän agierende Kilian den Rumpel-Rasen. Es sei nicht einfach auf diesem Rasen gewesen, monierte der Abwehrspieler. „Ich habe tatsächlich selten auf so einem Platz gespielt. Aber wir haben es angenommen und wollten das Beste daraus machen. Wir haben uns gerade in der ersten Halbzeit gut gezeigt und sind verdient mit 2:0 in die Pause gegangen.“

Tatsächlich griffen die Kölner in dieser Partie auf ihre gewohnten Stärken zurück: einen ausgeprägten Einsatz und unbändigen Willen – über 90 Minuten. Die Mannschaft legte eine Laufdistanz von beachtlichen 117,3 Kilometern zurück (Hertha: 116,7). Dazu zog sie 290 Sprints an (Hertha: 252). Und das auf einem Geläuf, auf dem sich viele Galopper in Weidenpesch ausgesprochen wohlfühlen würden. Und alle Spieler zogen mit.

1. FC Köln zeigt einmal mehr seine Grundtugenden

Auch die Stürmer scheuten sich nicht vor harter Arbeit. Torjäger Anthony Modeste, der mit seinem bereits zwölften Saisontreffer kurz nach der Maolida-Großchance die Führung erzielte (30.), und Mark Uth, der für den erkrankten Sebastian Andersson in der Startformation stand, gingen viele Wege in die Tiefe, boten sich an, verdienten sich als erste und intensive Anläufer auf die Hertha-Abwehr erstklassige Wertungen in der A-Note. Die Grundtugenden bei den Kölnern stimmten – wie so oft in dieser Spielzeit. Sie hielten die Intensität hoch. "Die Jungs sind marschiert, wir sind immer das aktivere Team geblieben“, sagte ein zufriedener Baumgart. „Wir hätten auch noch das eine oder andere Tor mehr schießen können, insgesamt haben wir aber sehr viel wegverteidigt und ein gutes Spiel gemacht."

Auch in der B-Note (künstlerischer Wert) wusste der FC zu überzeugen. Dabei folgte Modestes 1:0 einem bekannten Muster. Oder um es leicht abgewandelt mit Horst Hrubesch, einst ein weltbekanntes Kopfballungeheuer, zu sagen: „Mark Flanke, ich Kopf – Tor!“ Und so wirkte der Spielzug der Kölner vor der Führung einstudiert. Jonas Hectors‘ Pass erreichte den auf links gestarteten Uth, dessen Flanke aus vollem Lauf mit dem Begriff „Sahnestück“ umschrieben werden muss und exakt den Raum fand, den Modeste anvisiert hatte. Zum neunten Mal bereits war der Franzose in dieser Saison mit dem Kopf erfolgreich.

Auch das 2:0 folgte diesem Schema – und war über Umwegen ebenso zielführend. Florian Kainz‘ Flanke wehrte Hertha-Abwehrspieler Niklas Stark zu zentral ab, und Ondrej Duda traf trocken zum Doppelpack. Gewissermaßen die Weichenstellung des Kölner Siegs. Das Flanken-Muster ist erwiesenermaßen eine Waffe der Baumgart-Elf. Eine solche, gegen die die Gegner offenbar trotz deren Bekanntheit oft keine angemessene Verteidigung finden. Mit 273 Flanken haben die Kölner die meisten aller Bundesligisten aus dem Spiel heraus geschlagen.

Marvin Schwäbe: „Wir können uns absolut auf alle verlassen“

Zwar mussten die Gäste nach einem direkt verwandelten Freistoß aus großer Distanz von Vladimir Darida den Anschlusstreffer hinnehmen (57.), bei dem Schwäbe zwar nicht glücklich aussah, ihn aber keine Schuld traf, wirklich in Gefahr gerieten sie aber nicht mehr. „Wir haben den Gegner gut vom Tor ferngehalten“, lobte dann auch Kapitän Jonas Hector. Trotz der insgesamt sehr offensiven Grundausrichtung mit einem „Sechser“, drei eher nach vorn orientierten Mittelfeldspielern davor und zwei Stürmern.

Die Arbeit gehe vorn los, beschrieb Ex-Torhüter Kessler die Grundlage einer sehr geschlossenen Leistung. „Die Intensität, da hat die Mannschaft richtig was auf den Platz gebracht.“ Dank immensen Aufwands, Kompaktheit und Abgeklärtheit in den Zweikämpfen geriet die Baumgart-Elf nicht mehr in Gefahr, ehe der eingewechselte Jan Thielmann den Deckel draufsetzte. Der Jungstar verleitete selbst in der Nachspielzeit mit einem Sprint und Hartnäckigkeit Darida zum Fehler. „Wir können uns“, resümierte Torhüter Schwäbe, „absolut auf alle verlassen.“

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