Torjäger fehlt dem 1. FC Köln Warum Andersson Modeste nicht ersetzen kann

Köln · Das Fehlen von Torjäger Anthony Modeste hat sich beim 1:3 des 1. FC Köln in Leipzig als zu schwere Hypothek erwiesen. Sebastian Andersson war kein gleichwertiger Ersatz. Was aber nicht allein an ihm lag.

 Ein Kopfball von Sebastian Andersson (rechts) landete am Außennetz des Leipziger Tores. Viel mehr bot der Kölner Stürmer nicht.

Ein Kopfball von Sebastian Andersson (rechts) landete am Außennetz des Leipziger Tores. Viel mehr bot der Kölner Stürmer nicht.

Foto: dpa/Jan Woitas

Steffen Baumgart ist so einiges zuzutrauen. Ausgestattet mit der Figur eines patenten Möbelpackers, schafft er es sogar, Wände einzureißen – besser: einreißen zu lassen. Das wurde am Geißbockheim schnell deutlich, als er im Sommer erstmals eine Vorbereitung auf eine Spielzeit des 1. FC Köln gestaltete. „Seine erste Amtshandlung war, eine Wand einreißen zu lassen“, berichtete FC-Lizenzspielerleiter Thomas Kessler am Sonntag im Sport1-Doppelpass. Alleine in einem Kabuff sitzen, das wollte der kommunikative Coach nicht. So entstand das sogenannte Kölner Callcenter, das Großraumbüro der FC-Trainer.

Die Kraft, Wände einreißen zu können, hat auch Anthony Modeste in dieser Saison ausgiebig offenbart. Doch diesmal musste der Franzose in den eigenen vier Wänden verharren. Er hat ja die Rolle mit seinem Trainer getauscht, der beim 1:3 in Leipzig wieder mit von der Partie war. Modeste aber fehlte, da er sich wegen eines positiven Corona-Befunds ebenfalls in Isolation begeben musste.

Andersson bleibt gegen Leipzig vieles schuldig

Wie sehr der Torjäger wirklich fehlte, lässt sich einerseits an den Fakten ablesen: 14 Treffer hatte der 33-Jährige zuvor in der Liga erzielt, das sind 42 Prozent aller Kölner Tore bis dato. Sechs Treffer in den vergangenen sechs Spielen steuerte er bei und hatte damit beachtlichen Anteil an einer Kletterpartie, die den FC auf Platz sechs des Tableaus brachte. Der bislang letzte FC-Sieg ohne einen Modeste-Treffer mutet beinahe surreal an. Im vergangenen November beim 4:1 gegen Borussia Mönchengladbach blieb er torlos. Dafür durfte sich damals ein anderer freuen: Sebastian Andersson, der den Schlusspunkt im Derby setzte. Es war sein zweiter Saisontreffer – und bis heute sollte es sein letzter geblieben sein. Auch gegen Leipzig blieb er vieles schuldig.

Die Gewichtung im Sturm ist klar vorgeschrieben. Modeste, der vor guter Laune und Selbstbewusstsein strotzende Angreifer, hat sich zu einem Unverzichtbaren entwickelt. Die Abhängigkeit der Kölner von ihm ist frappierend. Und es sind, andererseits, nicht nur die harten Fakten, sprich Tore, die Modeste eine solch herausgehobene Stellung in der Mannschaft zuweisen. Auch die weicheren Faktoren deuten auf die große Relevanz Modestes hin. Dienst für die Mannschaft zu leisten, scheint ihm bedeutend. Sein Selbstverständnis als erster Anläufer im Pressing, sein Ballsichern, seine Überzeugung und seine unentwegten Laufwege, mit denen er sich nicht nur als Anspielstation anbietet, sondern die ihn auch als Unterstützer der Defensive ausweisen, helfen dem Team. Zudem ist seine Kopfballstärke ein Mittel, jeden Gegner mürbe zu machen. In der Offensive, natürlich: Neun Kopfballtore sprechen für sich. Doch seine Vorzüge im Luftkampf sind auch in der Defensive sehr gefragt.

FC-Trainer Baumgart bemängelt fehlendes Durchsetzungsvermögen

Dass auch Andersson, dessen Selbstsicherheit sich im Duell mit RB gut zu verstecken wusste, über Qualität verfügt, steht fest. Bisher aber hat er diese zu selten abgerufen. Auch in Leipzig wirkte er sonderbar isoliert, kam auf lediglich acht Ballkontakte in der ersten Hälfte. Das lag nicht nur an ihm selbst. Auffällig war, dass vor allem seine offensiven Unterstützer wie Jan Thielmann, der Modestes Siegtreffer gegen Freiburg versiert vorbereitet hatte, und Florian Kainz einen schwachen Tag erwischten. Der FC hatte erst wirklich Zugang zu seinem offensiven Spiel gefunden, als es schon 0:3 durch Treffer von Christopher Nkunku (25.), Dani Olmo (54.) und Angelino (57.) stand und Leipzig zu Nachlässigkeiten tendierte.

„Wir hatten nicht die Durchsetzungskraft, um für Torgefahr zu sorgen“, sagte Baumgart. „Wir waren in der zweiten Halbzeit gut im Spiel, haben es aber nicht geschafft, in den ersten 60 Minuten zu Torchancen zu kommen. In den letzten 30 Minuten hat sich die Qualität der Chancen nochmal erhöht.“ Dazu zählten auch eine aussichtsreiche Schusschance von Andersson, die er jedoch fahrlässig vergab.

Köln hofft auf Modestes Rückkehr

Dass die Niederlage ursächlich Modestes Fehlen zuzuschreiben ist, wollten die FC-Verantwortlichen dann aber nicht so stehen lassen. Für Seb sei es kein einfaches Spiel gewesen, sagte Kessler. „Es gab nicht viele Situationen, in denen er zum Abschluss kommen konnte.“ Einen gelungenen Abschluss gab es dann aber doch noch für die Gäste. Baumgart sagte: „Das Tor haben sich die Jungs hart erarbeitet und auch verdient.“ Das allerdings fiel erst, als Andersson vom Platz war. Der für ihn fünf Minuten vor dem Schluss eingewechselte Tim Lemperle zeigte jene Entschlossenheit im Strafraum, die sich die Kölner von Andersson erwünscht hätten. Bis zur kommenden Aufgabe gegen Eintracht Frankfurt bleibt somit vorerst nur die Hoffnung auf eine Rückkehr Modestes.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort