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1. FC Köln: Anthony Modeste - darum klappt es nicht beim BVB

„Man hat die Not der Dortmunder richtig ausgenutzt“ : Das sagen Daten über den Modeste-Wechsel aus

Anthony Modeste ist im Sommer vom FC nach Dortmund gewechselt, weil er mit dem BVB noch einmal auf einem anderen Level spielen wollte. Bislang will das dem Stürmer nicht gelingen. Datenexperte Dustin Böttger erklärt warum.

Die Brille hatte das Licht der Welt noch nicht erblickt: Als Anthony Modeste das erste Mal in einer Begegnung zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund ein Tor erzielte, riss sich der Franzose das Trikot über den Kopf, rannte wie vom Blitz getroffen zur Eckfahne und wurde dort unter einem Berg Mitspieler begraben. Der Angreifer hatte in der 90. Minute den 2:1-Siegtreffer für den FC gegen den BVB erzielt. Knapp sieben Jahre später gerät der markante Torjubel des 34-Jährigen zunehmend in Vergessenheit. Noch in der vergangenen Saison formte der Stürmer 20 Mal seine Geste, tanzte mit dem sichtbar genervten Trainer Steffen Baumgart und ließ den Tränen nach einem Treffer in Erinnerung an seinen verstorbenen Vater freien Lauf. Und Modeste hatte einmal mehr großen Anteil am Kölner Erfolg. Dementsprechend enttäuscht zeigten sich die FC-Anhänger nach Modestes Weggang.

Mittlerweile geht der Stürmer für den BVB auf Torejagd. So laut der Abschied aus Köln war, so leise ist es um den Angreifer im schwarz-gelben Trikot geworden. Modeste und Dortmund: Das will nicht so recht passen. „Modeste performt ziemlich stark unter. Er wirkt wie ein Fremdkörper im Dortmunder Spiel und ist noch überhaupt nicht angekommen“, sagt Datenexperte Dustin Böttger. Mit seiner Firma Global Soccer Network berät Böttger Fußballvereine auf der ganzen Welt. Clubs wie Manchester City und Paris St. Germain informieren sich bei ihm über mögliche Transferziele. Bis zu 15 000 Daten fließen pro Akteur in die Berechnungen und Algorhitmen ein.

Anthony Modeste kein Ersatz für Sébastian Haller

Dass Modeste im Dortmunder Spiel nicht stattfindet, belegen zahlreiche dieser Daten. Schoss der Angreifer in der vergangenen Saison in 90 Minuten noch 0,68 Tore, sind es in dieser Spielzeit 0,12. Beim FC kam der Franzose auf 2,6 Chancen pro Spiel, beim BVB auf 1,6. In Köln gewann der Angreifer 4,4 Kopfbälle pro Spiel, in Dortmund sind es 2,7. Die Liste des Leistungsverfalls kann fast schon beliebig verlängert werden. “Stürmer haben von allen Feldspielern die wenigsten Aktionen und Pässe in einem Team“, ordnet Böttger ein. „Modeste hatte schon in Köln sehr wenige Aktionen, er war allerdings extrem effizient. In Dortmund ist es noch mal weniger geworden, es fehlt allerdings komplett die Effizienz.“ Tatsächlich hat der 34-Jährige für den BVB erst einen Treffer erzielt.

Dabei hatten Spieler und der neue Club große Hoffnungen in den Transfer. Modeste wollte sein Können endlich auch in der Königsklasse unter Beweis stellen, Dortmund musste eine Alternative für den schwer erkrankten Sébastian Haller finden. Laut BVB erfülle Modeste genau das Anforderungsprofil des gesuchten Ersatzes. Stimmt das? „Anthony Modeste ist der Typ Zielspieler, Sébastian Haller ebenfalls. Von daher passt das auf den ersten Blick“, sagt Böttger. „Analysiert man beide Stürmer aber detailliert, stellt man schnell fest, dass Haller einfach der bessere Spieler ist.“ Das macht der Experte unter anderem an dem GSN-Index fest. Mehr als 130 physische, technische oder taktische Merkmale werden von unterschiedlichen Scouts erhoben, auf einer Sakala von 0 bis 100 bewertet und zusammengetragen. „Der GSN-Index von Modeste liegt bei 66.26, also im Durchschnitt der Bundesliga, der Index von Haller liegt dagegen bei 74.27. Er ist demnach ein Stürmer internationaler Klasse. Dazu beteiligt sich Haller deutlich mehr am Spiel, ist kombinationssicherer als Modeste“, sagt Böttger.

Die Leistung des Stürmers ist aber nur die halbe Wahrheit. „Das Kölner Spiel war in der vergangenen Saison schon sehr auf Modeste ausgerichtet. Wenn ein Stürmer, der kaum aktiv am Spiel teilnimmt, so viele Tore schießt, muss das Spiel schon sehr auf ihn zugeschnitten sein“, sagt Böttger. Modeste wurde mit Flanken gefüttert, war im Angriff im Grunde der Alleinunterhalter. Das ist beim BVB anders. „Modeste nimmt in Dortmund noch weniger am aktiven Spiel teil, alle signifikanten und relevanten Aktionen sind weiter gesunken“, so der Experte weiter. „Generell ist der BVB eine Mannschaft die Fußball spielen, die kombinieren will. Dafür ist Modeste grundsätzlich der falsche Spieler. Es ist natürlich möglich, so einen Akteur ins System einzubauen, wenn die Effizienz stimmt, sprich, wenn der Stürmer aus den wenigen Ballaktionen das Maximale herausholt. Das tut Modeste allerdings aktuell nicht.“ Das zeigt auch der Wert der expected Goals, also wie viele Tore eine Mannschaft aufgrund der Qualität der geschaffenen Chancen hätte erzielen müssen. “Es ist wirklich auffällig, dass Modeste momentan 3.30 expected Goals pro Treffer braucht, in der vergangenen Saison waren es 0.91 expected Goals pro Treffer. Effizienz sieht definitiv anders aus.“ Vor einem halben Jahr bestätigte Böttger, dass Modeste beim FC über seinen Möglichkeiten spielt. Nun spielt er deutlich darunter.

Datenexperte Böttger: „Man hat die Not der Dortmunder ausgenutzt“

Hat der FC mit dem Transfer also alles richtig gemacht? “Ein ganz klares ,Ja‘. Modeste wird nicht jünger und hat im Vergleich zur Vorsaison noch mal ein bisschen abgebaut“, sagt der Experte. „Das soll keinesfalls respektlos klingen, wir reden immer noch von einem Stürmer, der Bundesliga spielen kann. Aus meiner Sicht hat man da die Not der Dortmunder richtig ausgenutzt, war clever und hat letztendlich auch noch mehr Geld als Ablöse bekommen, als eigentlich zu erwarten war.“ Am Samstag kehrt Modeste mit dem BVB (15.30 Uhr, Sky) zurück nach Köln. Die FC-Fans werden wohl sehr gerne auf die Brille des Franzosen verzichten wollen.