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1. FC Köln: Anthony Modeste zeigt gegen Hertha neue Entschlossenheit

Guter Auftritt gegen Hertha : Modeste zeigt beim 1. FC Köln neue Entschlossenheit

FC-Trainer Steffen Baumgart hat beim 3:1-Sieg gegen Hertha BSC die richtige Taktik gefunden – auch dank Anthony Modeste. Der Stürmer präsentierte sich nach schwerer Zeit mit neuem Selbstbewusstsein.

„Entschlossen“ steht in großen weißen Lettern auf einem Banner in der Nähe des VIP-Eingangs. Unter dem Slogan ein Bild von Steffen Baumgart. Das Bild von Steffen Baumgart. Der Trainer in der Hocke, eine Hand auf das Knie gestützt, die andere gibt die Richtung vor. Nach vorne. Natürlich nach vorne. Baumgart kennt nur diese Richtung. Seine Augen sind zusammengekniffen, der Gesichtsausdruck: entschlossen. Das Bild kann in jedem Spiel entstanden sein. Es ist die Pose des neuen Trainers.

Der 49-Jährige verkörpert diese Eigenschaft wie kaum ein anderer Bundesliga-Trainer. An seinen Prinzipien lässt er wenig Zweifel, seine Worte klingen überzeugend, die Körpersprache zeigt Selbstsicherheit. Auch beim 3:1-Erfolg über Hertha BSC zum Bundesliga-Auftakt am Sonntag dieselbe Pose: Brust raus, die Arme leicht abgespreizt. Baumgart lebt auf dem Platz das vor, was er von seinen Schützlingen fordert. Nach sechs Wochen im Amt ist das bei seinen Spielern aber alles andere als ein Selbstläufer. Gegen Berlin tat sich Köln zu Beginn schwer. „Wir hatten am Anfang noch nicht das Selbstbewusstsein und die Ruhe, den Ball in Ruhe laufen zu lassen“, sagt Baumgart.

Stattdessen schlug die alles andere als sattelfeste Innenverteidigung die Bälle gerne mal blind nach vorne. Das wiederum kam den abwartenden Berlinern entgegen. „Dann kommt der erste Genickschlag mit dem Gegentor aus einer Standardsituation“, erzählt Baumgart. Zunächst parierte der starke Timo Horn einen Kopfball von Cunha, beim Nachschuss von Stevan Jovetic war der Keeper machtlos.

Anthony Modestes Zukunft war lange ungewiss

Nach knapp 20 Minuten wuchs das Selbstvertrauen. Köln fand immer besser ins Spiel und übernahm die Kontrolle. Auch Dank Anthony Modeste, der ebenfalls eine ungeahnte Selbstsicherheit ausstrahlt. Noch vor wenigen Wochen stand die Zukunft des Franzosen in den Sternen. Fraglich, ob er für Köln, ob er überhaupt nochmal auflaufen würde. Die vergangenen Jahre im Formtief haben den Angreifer genauso wie die zahlreichen Verletzungen geprägt.

Baumgart aber glaubt an den Franzosen. Bereits seit dem ersten Tag am Geißbockheim ist der Coach von den Stärken des Angreifers überzeugt. „Dass Tony eine Qualität hat, wenn wir ihn in den Strafraum kriegen, war ja vorher schon bekannt“, sagt der Coach. Und genau in den Strafraum brachte Modeste das neue Selbstvertrauen, die Entschlossenheit gegen die Hertha. Bereits in der Anfangsphase kam der Angreifer zum Abschluss. Kurz vor der Halbzeit traf Modeste nach 14 Monaten erstmals wieder in einem Ligaspiel ins Tor. Kurz nach der Halbzeit bereitete er das 2:1 vor.

Schon im Trainingslager in Donaueschingen zeigte Modeste ansteigende Form. Für Baumgart ein Schlüssel des Erfolgs: „Tony hat die erste Vorbereitung seit Langem gespielt. Das verkennt man oft“, so der Trainer. „Er hat in den vergangenen drei Jahren keine richtige Vorbereitung gespielt. Dann wird es halt schwer.“

2017 schoss Modeste den FC fast im Alleingang in die Europa League

Und dennoch scheint sich neben der Vorbereitung auch an der Motivation des Spielers etwas verändert zu haben. „Wir haben einfach darüber gesprochen, was er erreichen will, was er machen will. Ob er die nächsten zwei Jahre Ruhe haben will, oder ob er Erfolg haben und Gas geben will“, sagt Baumgart. Ganz offensichtlich will Modeste noch einmal Gas geben, sich reinfuchsen. Noch einmal an alte Leistungen anknüpfen. 2017 schoss er den FC fast im Alleingang in die Europa League.

Mittlerweile ist Modeste 33 Jahre alt, oft angeschlagen. Ein ähnliches Formhoch wie noch vor Jahren ist eher unwahrscheinlich. Auch deswegen tritt Baumgart auf die Euphoriebremse: „Wir müssen noch ein bisschen vorsichtig sein. Das war jetzt das erste Spiel. Er hat ein Tor gemacht und eins vorbereitet, hat sehr gut gearbeitet, auch schon in der Vorbereitung. Jetzt geht’s einfach ums Dranbleiben.“ Modeste blieb gegen Berlin dran. Am 3:1 hatte der Angreifer aber keinen Anteil. Kainz verwandelte die scharfe Hereingabe von Benno Schmitz zum Endstand. Modeste präsentierte sich auf anderer Ebene noch einmal zielsicher. Der Angreifer spritzte seinem Coach mit einer Wasserflasche ins Gesicht. „Das verzeihe ich ihm natürlich“, sagt Baumgart.

Die gute Leistung wurde für den Franzosen dennoch zur Nebensache. Eine Nachricht aus dem familiären Umfeld muss Modeste noch während des Spiels erreicht haben. Es stand sogar im Raum, dass der Angreifer nach Frankreich reist. Offenbar ist er in Köln geblieben. 

Der Rest der Mannschaft stand zu diesem Zeitpunkt vor der Südkurve und feierte – auch entschlossen.